Hertha gegen Braunschweig

Generalprobe für die Bundesliga

Hertha BSC und Eintracht Braunschweig treffen sich heute zum Zweitliga-Gipfel. Beide Vereine planen aber längst die Zeit nach dem Aufstieg ins Fußball-Oberhaus

Ronny oder Domi Kumbela – der Topscorer der Liga trifft den besten Torjäger. Fabian Lustenberger oder Deniz Dogan – die beiden besten Innenverteidiger der Spielklasse. Jos Luhukay oder Torsten Lieberknecht – der erfahrene Aufstiegstrainer oder der Überraschungscoach der Saison? Heute Abend findet sich im Olympiastadion das Beste ein, was die Zweite Liga zu bieten hat. Tabellenführer Hertha BSC empfängt den Zweiten Eintracht Braunschweig (Olympiastadion, 20.15 Uhr). Die Berliner haben mit 51 Toren den besten Sturm, Braunschweig den zweitbesten (44). Hertha stellt die beste Abwehr (21 Gegentreffer), Braunschweig die zweitbeste (22). Die Kulisse wird die größte dieses 28. Spieltages sein, über 50.000 Besucher werden in der WM-Finalarena von 2006 erwartet.

Frankfurt als Vorbild

Auch die Trainer und Manager der ersten Liga werden die Partie aufmerksam verfolgen. Weil beide Vereine mit hoher Wahrscheinlichkeit aufsteigen. Und weil beide seit Monaten im Hintergrund den Ernstfall Bundesliga vorbereiten.

In der ersten Liga haben es die Aufsteiger in dieser Saison mit drei verschiedenen Konzepten versucht. Greuther Fürth, seit Monaten auf einem Abstiegsplatz, hat Schiffbruch erlitten mit dem Weg „wir vertrauen unserer Aufstiegsmannschaft“. Fortuna Düsseldorf hat nach dem umstrittenen Aufstieg über die Relegation 16 neue Spieler geholt. Ob dieser Plan aufgeht, ist noch offen. Einer guten Hinrunde folgte eine bisher schwache Rückserie.

Hertha-Trainer Luhukay orientiert sich am erfolgreichsten Aufsteiger der Vorsaison: „Für uns ist Frankfurt ein gutes Beispiel. Sie haben sich im vergangenen Sommer nur punktuell verstärkt mit Spitzenspielern aus der Zweiten Liga. Und das funktioniert wunderbar.“ Auch bei Hertha, sagt der Trainer, „wird es keinen Umbruch geben.“

Noch größer ist das Abenteuer Bundesliga für die Gäste. 28 Jahre liegt das letzte Spieljahr in der Erstklassigkeit zurück. Entsprechend wachsen die Niedersachsen aus bescheidenen Verhältnissen in die Millionen-schwere Liga hinein. So wird Braunschweig seinen Etat von dieser zur mutmaßlichen Erstliga-Saison 2013/14 fast verdoppeln von 20 auf 37 Millionen Euro. Die Niedersachsen haben die Entwicklung vorbereitet. 17 Spieler aus dem aktuellen Kader haben Verträge für das kommende Jahr, darunter alle Leistungsträger. Dennoch scheint es mutig, auf Profis zu setzen, die einst in Liga drei gegen Babelsberg, Wehen-Wiesbaden oder Carl-Zeiss Jena gespielt haben, und die sich in der kommenden Saison gegen Bayern München, Borussia Dortmund und den FC Schalke behaupten sollen. Das betrifft eine Reihe von „Löwen“, unter anderem den derzeit verletzten Kapitän Dennis Kruppke oder Stürmer-Star Kumbela. „Wir sehen bei vielen Spielern noch weiteres Potenzial. Die Jungs sind als Team eingespielt. Und wir können ihnen durchaus eine Perspektive bieten“, sagt Marc Arnold, ehemaliger Herthaner und seit 2010 Manager in Braunschweig. Arnold ist sich mit Trainer Torsten Lieberknecht einig, dass Braunschweig sich auf maximal fünf Positionen verändern werde.

Franz und Hubnik nicht im Kader

Gut möglich, dass Omar Elabdellaoui (21), ein Spieler für die rechte Seite, fest verpflichtet wird. Der Norweger, im Winter vom englischen Meister Manchester City ausgeliehen, sagte über die Dienstreise nach Berlin: „Hertha ist ein starkes Team mit viel Qualität. Es wird darauf ankommen, gut zu verteidigen und sie nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Aber wir wissen, dass wir, wenn wir unser Spiel spielen, jeden Gegner schlagen können.“

Auch bei Hertha BSC gilt, dass die meisten Spieler, die heute beim Topspiel auflaufen, mit in die erste Liga gehen. Bei Superstar Ronny steht im Vertragspoker „Geld oder Liebe“ die Entscheidung unmittelbar bevor. Die Berliner wollen den Publikumsliebling halten. Ronny muss wissen, ob er auf das Vertrauen von Trainer Luhukay und die Perspektive setzt, bei Hertha ein gestandener Erstliga-Spieler zu werden. Oder ein finanziell lukrativeres Angebot annimmt, dann allerdings vor einer ungewissen sportlichen Zukunft steht. Hertha will Fabian Lustenberger, den stabilsten Profi dieser Saison, längerfristig an sich binden. Mit Perspektivspielern wie Alfredo Morales und Nico Schulz soll ebenfalls verlängert werden.

Um sich dauerhaft im Oberhaus zu etablieren, braucht der Hauptstadt-Klub aber ebenso frische Impulse. Mit Sebastian Langkamp (25/derzeit FC Augsburg) wird wohl ein Innenverteidiger kommen. Dagegen werden die derzeitigen Manndecker Maik Franz und Roman Hubnik wenig erfreut zur Kenntnis nehmen, dass sie heute nicht einmal im 18er-Aufgebot stehen. Stattdessen ist Christoph Janker dabei.

Links in der Vierer-Abwehrkette wird heute Levan Kobiashvili (35) verteidigen, aber für die kommende Saison wird für diese Position ein neuer Mann gesucht. Das Gleiche gilt für die rechte Außenbahn im Mittelfeld, auf der sich aktuell Sami Allagui festgespielt hat, der eigentlich als Stürmer verpflichtet worden war. Was im offensiven Mittelfeld passiert, hängt nicht zuletzt von Ronny ab. Der Trainer spricht von „drei bis vier Zugängen“. Im Sturm „brauchen wir keinen Neuen, wenn alle bleiben“, sagte Luhukay. Da bleibt abzuwarten, welchen Fortgang die Personalie Lasogga nehmen wird.

Doch grundsätzlich bekräftigte Manager Michael Preetz, dass „das Gerüst der Mannschaft zusammenbleiben wird“. Zu besichtigen ist das blau-weiße Gefüge heute Abend bei der Generalprobe zur Bundesliga. Und das noch mal zu Zweitliga-Preisen.