ASV Moabit

Mit dem Schlafsack zum Auswärtsspiel

Marion Powilleit und die Basketballerinnen vom ASV Moabit würden gerne Bundesliga spielen, doch dafür fehlt das Geld

Die Unterkunft war nicht besonders bequem, aber sie war preiswert und allein das zählte. Auf Sofas oder sogar auf dem Boden in Schlafsäcken verbrachten die Zweitliga-Basketballerinnen des ASV Moabit die Nacht vor dem Auswärtsspiel in Mainz. Mannschaftkapitän Marion Powilleit, die aus der Gegend stammt, hatte ihre Kolleginnen in das Haus ihrer Großmutter eingeladen. „Sie macht einfach alles für das Team“, lobt Trainer Timur Topal. Und auch für die klamme Kasse des Vereins war das kostenlose Nachtlager ein Segen: Denn mit einem Etat von lediglich 25.000 Euro, der teilweise nur durch private Spenden des Vorstandes gedeckt wird, gehört der ASV selbst in der Zweiten Liga zu den Schlusslichtern.

Trotzdem hat das Team im am Sonnabend beginnenden Aufstiegs-Play-off die Chance, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Zum Auftakt empfangen die Moabiterinnen zunächst die BG Göttingen (15 Uhr, Sporthalle Alt-Moabit).

Für Marion Powilleit bietet sich nun mit dem ASV Moabit die Gelegenheit, ein zweites Mal in der Ersten Liga Fuß zu fassen. Die 25-Jährige hatte es 2008 in Reihen des BC Marburg schon einmal bis ganz nach oben geschafft. Dann aber zog es sie des Studiums wegen nach Berlin, wo sie sich an der Technischen Universität für das Fach Energie- und Verfahrenstechnik einschrieb. Eine Saison lang spielte sie auch in der Hauptstadt noch Basketball, doch es lief in der neuen Mannschaft nicht so, wie sie es sich erhofft hatte. 2009 wechselte sie deshalb in den Diskusring. Diese Leichtathletik-Disziplin hatte sie bereits als Jugendliche parallel zum Basketball erfolgreich betrieben.

Oft zu mannschaftsdienlich

„Als ich 16 oder 17 Jahre alt war, lief es in der Leichtathletik sogar richtig gut, aber ich hatte damals mehr Lust auf Basketball“, erzählt sie. „In Berlin wollte ich an meine früheren Leistungen mit dem Diskus anknüpfen.“ Das Vorhaben scheiterte. Nach einem Auslandssemester in Chile, der Heimat ihrer Mutter, entschloss sich Marion Powilleit deshalb in diesem Sommer, zu den Körben zurückzukehren.

Weil sie einige der ASV-Spielerinnen vom Hochschulsport kannte, wechselte sie nach Moabit. Nach der längeren Auszeit brauchte Marion Powilleit zwar einige Zeit, um sich wieder an das Niveau in der Zweiten Liga zu gewöhnen, doch mittlerweile ist sie aus der Mannschaft der Berlinerinnen nicht mehr wegzudenken. „Sie hat eine tadellose Einstellung und rennt um jeden Ball“, so Coach Timur Topal. Der größte Trumpf der Centerspielerin ist ihre überragende Athletik – ein Überbleibsel aus Leichtathletik-Zeiten. „Sie wird aber nie der Typ sein, der in jeder Partie 25 Zähler macht, auch wenn sie das ohne Probleme könnte“, bemerkt Timur Topal. Dafür spiele sie einfach zu mannschaftsdienlich. Er habe zwar die Regel formuliert, dass Marion Powilleit nur dann nach draußen auf den Flügel passen dürfe, wenn sie von Gegenspielerinnen gedoppelt wird, „aber so richtig hat sie das noch nicht verinnerlicht“, sagt Topal.

Für die Körbe sind beim ASV Moabit andere verantwortlich: Daniela Vogel, Janina Thurau, die im Sommer aus den USA vom College zurückkehrte, und vor allem die erst 17-jährige Noémie Rouault, die erfolgreichste Punktesammlerin der Mannschaft. Ihre Treffsicherheit soll den Klub über die erste Hürde Göttingen ins Finale führen, wo dann höchstwahrscheinlich Chemnitz der Gegner sein würde. Timur Topal hält Moabit gegen die Sachsen trotzdem nicht für chancenlos: „In Sachen Tempo und Athletik sind beide Teams fast auf einem Level. Chemnitz hat zwar mehr Erfahrung, aber an einem guten Tag können wir auch sie schlagen.“ Das Gesetz der Serie spricht dabei für den ASV: Alle zwei Jahre ist der Verein zuletzt aufgestiegen – und in diesem Jahr wäre es wieder soweit.

Bislang ist Bamberg die einzige deutsche Stadt, die sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen einen Erstligisten im Basketball stellt. Ob Berlin daran anknüpfen kann, entscheidet sich nicht bloß auf dem Parkett, sondern vor allem auch im Portemonnaie. Anders als etwa Wemex Berlin, das es in den Neunzigerjahren bis ins Finale um die Deutsche Meisterschaft und in den Europapokal schaffte, verfügt Moabit über keinen großzügigen Gönner. Für die Erste Liga bräuchte man einen Etat von mindestens 100.000 Euro, rechnet Vorstandsmitglied Juri Hecker vor. „Das ist für uns allein unrealistisch.“ Man versucht, mit anderen Berliner Vereinen zusammenzuarbeiten. Erste Gespräche mit dem TuS Lichterfelde soll es laut Hecker bereits gegeben haben.

Kooperation mit Alba?

Am liebsten wäre es ihm aber, wenn sich Männer-Bundesligist Alba Berlin an einer Kooperation beteiligen würde. „Bislang ist niemand an uns herangetreten“, sagt Henning Harnisch, der bei Alba für den Nachwuchs- und Frauenbereich zuständig ist. Grundsätzlich aber stehe man „strukturfördernden Maßnahmen für den Berliner Basketball“ offen gegenüber. Harnisch berichtet von einer wachsenden Nachfrage im Mädchenbereich. Er deutet an: „Frauenbasketball wird für uns noch ein großes Thema werden.“