BVB

Glückloser Goldjunge

Mario Götze entschuldigt sich für Dortmunds 0:0 in Malaga. Trainer Klopp sieht seine Mannschaft dennoch gereift

Mario Götze wirkte beinah untröstlich. Immer wieder musste der Nationalspieler nach dem 0:0 von Borussia Dortmund im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales in Malaga die gleiche Frage beantworten, als er zu später Stunde das La-Rosaleda-Stadion verließ. Wie war es möglich, dass ausgerechnet ein so kompletter Spieler wie er gleich zweimal derartig Nerven zeigte und allerbeste Torchancen vergab? „Gerade in so einem Spiel hätten wir die Torchancen konsequenter nutzen müssen“, erklärte Götze schuldbewusst und fügte schuldbewusst an: „Es tut mir leid.“

BVB hat an Stabilität gewonnen

Wie „0:0 verloren“ fühle sich es sich trotzdem nicht an, sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp. „Das mag so gesehen werden. Aber wer auf diesem Niveau weiter kommen will, kann nicht davon ausgehen, dass er wie mit einem heißen Messer durch die Butter gehen kann“, erklärte er. Mit anderen Worten: Es sei kein Problem, Rückschläge hinnehmen zu müssen – es wäre problematisch gewesen, wenn die Mannschaft sie nicht hätte wegstecken können.

Davon jedoch konnte keine Rede sein. „In dem Moment, in dem du eine Torchance vergibst, ist es verdrießlich, aber generell gehört es dazu“, so Klopp, der den temporären Unzulänglichkeiten seines Teams vor dem gegnerischen Tor sogar etwas Positives abgewinnen konnte. In der Tatsache, dass die Mannschaft eben nicht hektisch und nervös wurde, sondern weiterhin konsequent versuchte, ihren Matchplan durchzuziehen, sah er sogar einen „nächsten Entwicklungsschritt“.

Tatsächlich war Klopps Mannschaft in der vergangenen Saison in vergleichbaren Situation häufig auseinandergefallen. Negative Reaktionen waren der Grund, dass die Champions League 2011/2012 für den BVB nach der Vorrunde beendet war. Dies ist ein Jahr später grundlegend anders. „Ich hatte nie das Gefühl, dass sich das rächen könnte. Dafür sind wir einfach zu stabil“, sagte Ilkay Gündogan. Und der Mittelfeldspieler verbreitete Zuversicht im Hinblick auf das Rückspiel am kommenden Dienstag in Dortmund: „Wenn wir so spielen, wie wir in dieser Saison immer zu Hause gespielt haben, werden wir ins Halbfinale einziehen.“

Dem kollektiven Selbstvertrauen tat die Nullnummer von Malaga jedenfalls keinen Abbruch. „Wir haben bisher neunmal gewonnen und viermal Unentschieden gespielt. Das ist gut“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und lobte die Mannschaft dafür, dass sie mit ihrem Pressing den Gegner „beeindruckt“ habe. Die Chancen für ein Weiterkommen taxierte er mit „knapp über 50 Prozent“ und kündigte für das Rückspiel auch eine Ende der Torflaute an. Darauf setzt auch Götze. „Das ist ein neues Spiel“, sagte der 20-Jährige: „Da habe ich genug Zeit, das wiedergutzumachen.“ Trotzdem konnte auch diese Aussicht seine Traurigkeit nicht so schnell vertreiben. Die vergebenen Möglichkeiten nagten an ihm. Es wirkte ohnehin so, als ob die Reise nach Malaga für Götze unter keinem guten Stern gestanden hatte. Bereits am Vortag des Spiels hatte er für Aufsehen gesorgt. Die spanische Zeitung „Marca“ hatte auf ihrer Internetseite ein Foto veröffentlicht, auf dem er zu sehen war, wie er während des Abschlusstrainings am Dienstag vor einer Werbebande im Stadion kniete. Angeblich, so hieß es, um sich zu erleichtern.

Freud und Leid in einer Woche

Was für ein Kontrast zu dem unbeschwert lachenden Götze auf jenem Foto, das er und die weiteren vier Dortmunder Nationalspieler Marco Reus, Ilkay Gündogan, Marcel Schmelzer und Sven Bender vor einer Woche auf dem Rückweg vom Länderspiel gegen Kasachstan, als die Dortmunder alle Treffer zum 4:1-Sieg besteuerten, von sich geschossen hatten. Doch der Umgang mit Rückschlägen kann ein wichtiger Prozess bei der Persönlichkeitsentwicklung sein.