EM-Qualifikation

Dem deutschen Handballteam fehlt sein Herzstück

Aber mit Christophersen und Heinevetter gegen Tschechien

Martin Heuberger hat ein Problem. Ausgerechnet vor den richtungweisenden Spielen der EM-Qualifikation gegen Tschechien (4. und 7. April) ist den deutschen Handballern ihr Herzstück entrissen worden. Nach dem Ausfall von Kapitän und Abwehrchef Oliver Roggisch muss der Bundestrainer sein Team umbauen. Auch der als Roggisch-Ersatz fest eingeplante Felix Danner sagte verletzt ab. „Olli hätte uns mit seiner Erfahrung natürlich gut getan“, sagte Heuberger: „Stefan Kneer und Sven-Sören Christophersen sind aber gute Alternativen, die ihn in der Abwehr hoffentlich halbwegs ersetzen können.“ Torhüter Silvio Heinevetter, neben Christophersen der zweite Berliner in der Mannschaft, richtete den Blick nach vorn: „Es ist verdammt schwer, seinen Ausfall zu kompensieren. Aber es hilft jetzt nicht zu lamentieren.“

Wer die Deutschen im Hinspiel gegen Tschechien am Donnerstag (17 Uhr/Eurosport) in Brünn als Kapitän aufs Feld führen wird, ließ der Bundestrainer offen. „Es gibt andere Baustellen“, sagte der 48-Jährige. Auch das deutsche Team lässt das Thema kalt. „Wichtig ist nur, dass wir gewinnen“, sagte Heinevetter. Vieles spricht dafür, dass erneut Carsten Lichtlein in die Bresche springt. Der Ersatzkeeper ist der erfahrenste Akteur und hatte die Aufgabe bereits bei den Testspielen im März gegen die Schweiz übernommen.

Talent Dissinger nachnominiert

Roggischs Ausfall aufgrund eines Innenbandanrisses im linken Knie wiegt schwer. Als verlängerter Arm Heubergers auf dem Spielfeld und Chef auch abseits des Platzes hatte der 34 Jahre alte Weltmeister von 2007 entscheidenden Anteil am Höhenflug in den vergangenen Monaten. Bei der WM in Spanien, wo die neuformierte Auswahl Fünfter wurde, präsentierte sich der Oldie so fit wie selten zuvor. Er war das emotionale Zentrum der jungen deutschen Mannschaft und glänzte zudem in der Rolle des Team-Seelsorgers. Das müssen nun andere tun. Während der Berliner Heinevetter und der Göppinger Spielmacher Michael Haaß als Kandidaten in Frage kommen, schloss der Bundestrainer eine Rückholaktion der beiden erfahrenen Flensburger Holger Glandorf und Lars Kaufmann erneut aus.

„In Spanien hat sich eine Hierarchie gebildet, die ich nicht durcheinanderbringen will“, sagte Heuberger: „Ich möchte die Mechanismen der WM auffrischen und verbessern – das wäre mit den beiden bei nur drei Trainingseinheiten schwer möglich.“ Für die Zukunft stehe die Tür aber offen. Er werde das Geschehen in der Bundesliga beobachten. Statt der arrivierten Kräfte nominierte Heuberger den erst 21 Jahre alten Christian Dissinger (Kadetten Schaffhausen) nach. Sein Debüt in der A-Nationalmannschaft hatte der Rückraumspieler im März dieses Jahres in den Begegnungen gegen die Schweiz gefeiert. „Christian hat Perspektive, in Zukunft eine Säule zu werden“, sagte Heuberger.

Die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) steht in den Partien gegen die Tschechen unter Druck. Derzeit liegt das deutsche Team mit 2:2 Zählern in der Gruppe 2 der EM-Qualifikation nur auf Rang drei hinter den punktgleichen Tschechen. Nur die ersten beiden Teams der Vierer-Gruppe sind bei der EM 2014 in Dänemark (14. bis 26. Januar) dabei.