Klassenerhalt

Verzweifelter Neuaufbau in Hoffenheim

Kraichgauer wechseln erneut Trainer und Manager aus

Der Klassenerhalt war am Rande ein Thema. Ja, natürlich strebe der Klub noch an, in der Bundesliga zu bleiben, hieß es bei 1899 Hoffenheim, dem Vorletzten der Liga. Aber es gehe eben um einen „umfassenden Neuaufbau“. Ein neuer Trainer war zu begründen, der vierte in dieser Saison.

Er heißt Markus Gisdol, ist 43 Jahre alt und der Nachfolger von Marco Kurz. Nach der Saison, kündigte Gisdol an, werde „jeder Stein umgedreht“. Mehr bleibt wohl auch nicht mehr übrig. Und dann musste ja auch noch ein neuer Manager präsentiert werden. Der alte war in einem Abwasch mit dem Trainer entlassen worden, und so ist nach Andreas Müller nun Alexander Rosen der fünfte in knapp drei Jahren. In Hoffenheim nennen sie ihn vorsichtshalber nicht mehr Manager, sondern den Mann mit der „internen Koordinationsfunktion“.

Natürlich kommt einem bei diesem schwindelerregenden Personalkarussell der Begriff „Aktionismus“ in den Sinn, die Hoffenheimer Führung prägt lieber den von der „Ursprungs-Idee“. Die sieht so aus, dass talentierte Spieler integriert und offensiver Fußball gespielt werden sollen. Warum das mit Müller und Kurz nicht wie gewünscht geklappt hat, war nicht so recht zu erfahren. Vor ein paar Wochen waren die beiden noch als ideale Verfechter genau dieser Idee präsentiert worden.

Aus dem Asien-Urlaub geholt

Die Zahlen und Fakten sprechen gegen sie. Müller hatte im Winter sechs neue Spieler für über zwölf Millionen Euro holen dürfen und mit Kurz Anfang Januar seinen Freund nach Hoffenheim gelotst. Doch der hatte die Mannschaft nur zu acht Punkten in zehn Spielen motivieren können. Kurz übernahm das Team auf einem Relegationsplatz, nun steht es auf einem direkten Abstiegsrang. Statt wie im Januar drei Punkte Vorsprung auf Rang 17 hat es nun vier Zähler Rückstand auf Platz 16. Aber Manager und Trainer an einem Tag zu entlassen, ist dann doch ein Paukenschlag. Wenigstens mit den Rauswürfen kann der Klub noch überraschen.

Nichts, sagte Müller, habe darauf hingedeutet, dass er oder Kurz kein Vertrauen mehr genießen würden. Am Ostermontag aber erhielt er gegen 22 Uhr einen Anruf von Hoffenheims Präsident Peter Hofmann, er möge sich am Dienstagmorgen um acht Uhr in der Geschäftsstelle einfinden. Nach einer viertel Stunde waren er und Kurz ein Stück unrühmlicher Vergangenheit. „Das Leben geht weiter, der Klassenerhalt steht über allen handelnden Personen“, sagte Müller.

Gisdol war schon Tage zuvor auf den Plan gerufen worden. Am Donnerstag kontaktierte ein Klubverantwortlicher ihn im Asien-Urlaub. Ob er sich vorstellen könne, am Saisonende neuer Trainer der TSG zu werden? Klar, antwortete Gisdol. Am Sonntag musste er sich beeilen, denn von Hoffenheimer Seite kam die Bitte, schon diese Woche Trainer zu werden. Es bestünde Handlungsbedarf. Geschäftsführer Jochen Rotthaus sagte: „Es ist der Versuch, doch noch den Klassenerhalt zu schaffen. Es ist aber auch ein perspektivischer Schritt. Sie bekommen auch die Zeit dafür.“ Mal schauen, wie lange. In den vergangenen zweieinhalb Jahren betrug die durchschnittliche Verweildauer eines Hoffenheimer Trainers 164 Tage.

Sechs Trainer in zweieinhalb Jahren

Was sich dort abspielt, ist inzwischen ohnehin nur noch ein Trauerspiel. Seit der Herbstmeisterschaft 2008 geht es mit dem Verein stetig bergab. Im Winter 2008, als eine berauschende Hinrunde abgeliefert wurde, da sagte Mäzen Dietmar Hopp: „Wir sind nicht mehr der Dorfverein, wir sind der Verein der Metropolregion Rhein-Neckar.“ Doch das war Wunschdenken. Symptomatisch, dass sechs Trainer in zweieinhalb Jahren kamen und gingen und in annähernd demselben Zeitraum drei Manager verschlissen wurden.

Ein Auszug vom Schleudersessel eines Hoffenheimer Trainers? Ralf Rangnick durfte noch 235 Wochen bleiben. Dann wurden die Einschnitte kürzer . Marco Pezzaiuoli hielt sich 25 Wochen im Amt, Holger Stanislawski 31, Markus Babbel 42, Frank Kramer wurden zwei Wochen eingeräumt und Kurz nur 15. Hoffenheim hat allein dadurch die Bundesliga wohl verspielt.