Champions League

Müller erlöst die Bayern

Münchner besiegen in der Champions League Juventus Turin 2:0, vergeben aber höheren Sieg

Der FC Bayern München redet nicht nur über seine Titel-Ambitionen in der Champions League, er hat gestern Abend auch Taten folgen lassen. Der in der Bundesliga der Konkurrenz um Längen enteilte deutsche Rekordmeister nahm gegen den italienischen Champion Juventus Turin mit einem souveränen 2:0 (1:0) Kurs auf das Halbfinale. Drei Tage nach der 9:2-Gala gegen den Hamburger SV boten die Münchner abermals eine Demonstration ihrer Stärke. David Alaba traf bereits nach 26 Sekunden, Thomas Müller (63.) erhöhte mit seinem fünften Saisontor in der Königsklasse und stellte den 150. Münchner Europacupsieg sicher. Allerdings wird Toni Kroos dem Rekordmeister mit einem Muskelbündelriss mehrere Wochen fehlen.

„Die Mannschaft hat fußballerisch überragend gespielt“, lobte Bayern-Trainer Jupp Heynckes. „Man kann hochzufrieden sein. Es war das beste Champions-League-Spiel dieser Saison. Das ist ein Wunschergebnis“, fügte Bayerns Vorstandschef Karlheinz Rummenigge zufrieden hinzu. Kapitän Philipp Lahm warnte allerdings: „Noch sind wir nicht durch. Juve ist ein echtes Spitzenteam.“ Auch Bastian Schweinsteiger war mit der Torausbeute nicht ganz zufrieden. „Mein Gefühl sagt mir, wir hätten ein Tor mehr machen müssen“, sagte er, und auch Thomas Müller monierte: „Das dritte Tor fehlte noch.“

Alaba trifft nach 26 Sekunden

Vor 68.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena waren die Münchner auch gegen die auf europäischer Ebene bislang ungeschlagenen Turiner spielbestimmend. Einziges Manko: Sie machten aus ihrer Dominanz zu wenig Zählbares. Dem Rückspiel am Mittwoch kommender Woche kann der Fußball-Rekordmeister dennoch optimistisch entgegen sehen, zumal Juventus dann auf zwei bewährte Kräfte verzichten muss: Sowohl Ex-Bundesligaprofi Arturo Vidal als auch der Schweizer Nationalspieler Stephan Lichtsteiner fehlen gelb-gesperrt.

Das Spiel hätte für die Gastgeber nicht besser beginnen können. Gerade einmal 26 Sekunden waren gespielt, als Juve-Schlussmann Gianluigi Buffon zum ersten Mal hinter sich greifen musste. Alabas Schuss aus gut 25 Metern wurde vom Ex-Leverkusener Vidal leicht abgefälscht, so dass der Ball mit einer ungewöhnlichen Flugbahn Buffon schlecht aussehen ließ. Schneller hatte für die Bayern in der Champions League nur Roy Makaay getroffen, und zwar vor sechs Jahren gegen Real Madrid (2:1) bereits nach zehn Sekunden. Buffon war in der Königsklasse zuvor 490 Minuten unbezwungen geblieben.

Mit der frühen Führung im Rücken überließen die Bayern dem Gast zunächst noch einmal kurz das Mittelfeld. Andrea Pirlos Freistoß (11.) aus 30 Metern strich nur knapp über die Latte, wenig später sorgte Vidal für Gefahr. Dann aber spielten nur noch die Münchner.

Bereits nach einer Viertelstunde musste Heynckes personell umstellen. Toni Kroos verletzte sich bei einem Zweikampf mit Lichtsteiner ohne Einwirkung des Gegners und musste mit einem Muskelbündelriss im Adduktorenbereich ausgewechselt werden. Er fällt nach Bayern-Angaben etwa sechs Wochen aus. Für Kroos kam Arjen Robben und führte sich gleich glänzend ein: Buffon musste gegen dessen Schuss schon all sein Können aufbieten.

Robben verpasst Großchancen

Italiens Nationaltorwart war von nun dauerbeschäftigt. Franck Ribéry traf das Außennetz, auch Dante und Schweinsteiger hatten gute Möglichkeiten. Die Bayern-Dominanz unterstrichen 5:2 Ecken nach nicht einmal einer halben Stunde. Juventus tat sich gegen gut gestaffelte Bayern im Spielaufbau sehr schwer, brachte dafür zunehmend Nickligkeiten in die Begegnung.

Am Münchner Spiel in der ersten Halbzeit gab es nichts auszusetzen – bis auf die Chancenverwertung. Die zentrale Position des früh ausgewechselten Kroos nahm Müller gut ein, Robben agierte für Müller mehr vom Flügel aus und machte enormes Tempo. Die Bayern setzten ihre Gegner schon im Spielaufbau unter Druck und erspielten sich gegen Juventus viele Möglichkeiten – doch weder Mario Mandzukic, der für Claudio Pizarro im Sturm spielte, noch Bastian Schweinsteiger nutzten kurz vor der Pause Juves Lücken. Die beiden besten Chancen vergab jedoch Robben.

Der souveräne Tabellenführer der Serie A agierte eher einfallslos. Allerdings blieben sie durch ihre herausragenden Einzelkönner gefährlich, wie Leonardo Bonucci kurz vor dem Pausenpfiff fast aus dem Nichts. DFB-Schreck Pirlo, der bei den Halbfinal-Siegen gegen Deutschland 2006 und 2012 jeweils entscheidende Tore eingeleitet hatte, demonstrierte nur bei Ecken und dem Freistoß sein Können.

Zu Beginn der zweiten Hälfte ließen es die Münchner etwas ruhiger angehen, blieben aber gefährlich, beispielsweise durch Mandzukic oder Alabas Fernschuss. Luiz Gustavo, starker Ersatz für den gelb-gesperrten Mittelfeld-Abräumer Javi Martínez, probierte es aus der Distanz. Buffon konnte den Ball nicht festhalten, seinen Patzer nutzte Mandzukic und passte zu Müller, der keine Mühe hatte, aus kurzer Distanz zum 2:0 einzuschieben.

Die Bayern wollten mehr, Müller (78./90.) hatte weitere guten Chancen. Auf der Gegenseite war Bayern-Schlussmann Manuel Neuer nach knapp 70 Minuten das erste Mal gefordert, war aber gegen Vidal gleich zweimal auf dem Posten. Glück hatte Ribéry, nach vielen Attacken gegen ihn offenbar frustriert, dass sein brutales Foul an der Außenlinie an Vidal ungeahndet blieb. Dennoch schloss Rummenigge positiv: „Alle haben großartig gearbeitet und auch großartig Fußball gespielt. Es war ein super Europapokalabend für uns.“