Zweite Liga

Union mit neuem System gegen den Auswärtsfluch

Bilanz gegen die nächsten Gegner ist erschreckend

Patrick Kohlmann hat seine eigene Sichtweise auf die Partie des 1. FC Union beim FSV Frankfurt. „Vielleicht haben die ja auch Lust, hier zu spielen, weil die ja eh kaum Zuschauer haben“, flachste der Linksverteidiger des Berliner Fußball-Zweitligisten. In der Tat steht nicht zu befürchten, dass das Stadion am Bornheimer Hang am Ostersonntag (13.30 Uhr, Sky) aus allen Nähten platzen wird. Bislang sahen im Schnitt 5368 Zuschauer die 13 Heimspiele der Hessen in der 12.000-Mann-Arena. Selbst der Tross der reisewilligen Union-Anhänger – rund 600 werden in Frankfurt erwartet – wird das Stadion kaum mehr als sonst füllen.

Kohlmanns Aussage hat jedoch einen durchaus ernsten Hintergrund. Denn angesichts der Heimstärke der Berliner und deren Auswärtsschwäche ist das Restprogramm der Köpenicker alles andere als zuträglich für den kleinen Traum von Relegationsplatz drei. Drei Heimspielen stehen fünf Auswärtspartien gegenüber. Selbst Trainer Uwe Neuhaus sagte: „Umgekehrt wäre es mir lieber.“ Kein Wunder, gelangen seinem Team doch erst zwei Siege in zwölf Auswärtspartien. Und mit Frankfurt, Paderborn, Aalen, 1860 München und Bochum wartet ein Quintett, bei dem die Köpenicker im Bundesliga-Unterhaus noch nie gewonnen haben. Nur ein Remis bei insgesamt einem Dutzend Versuche – das darf schon als ernüchternd bezeichnet werden.

Doch Bange machen gilt nicht bei Union. Stattdessen wird eifrig weiterentwickelt. Die Spielweise zum Beispiel. Ein wenig fühlt man sich an die Vorsaison erinnert, als Neuhaus die Seinen in der Rückrunde anwies, höher – sprich: näher an der Mittellinie – zu verteidigen. In den vergangenen Wochen erfolgte nun Stück für Stück der zweite Schritt: mehr Variabilität im Mittelfeld. Vorbei scheinen die Zeiten, als Union offensiv ausschließlich auf das Flügelspiel setzte.

Das spielerische Element hat verstärkt Einzug gehalten an der Alten Försterei. Ein Umstand, der vor allem den Mittelfeldspielern Björn Jopek und Baris Özbek geschuldet ist. Selbst Spielmacher Torsten Mattuschka profitiert vom neuen Zusammenspiel. Immer seltener ist der so genannte „Tusche-Kreisel“ zu bestaunen, bei dem Mattuschka auf den Ball tritt und sich einmal um die eigene Achse dreht, um das Geschehen auf dem Platz mangels Anspielstation ein wenig zu entschleunigen. „Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass Mattuschka jetzt die entsprechenden Spieler um sich hat“, erklärte Özbek. Dass Unions Winterzugang in Frankfurt wegen eines Virusinfekts fehlt, ist deshalb schon eine Schwächung für die Gäste.

FSV bei Standards gefährlich

Für die Außenverteidiger bedeutet die neue Spielanlage, dass sie einiges mehr an Laufwegen zu bewältigen haben. „Ich habe dadurch mehr Raum“, sagte Kohlmann: „Das ist aber auch immer vom Gegner abhängig, je nachdem, wie weit der sich verschiebt.“ Den Angreifern kommt das in jedem Fall zugute. „Wir spielen nun besser nach vorne. Jetzt müssen wir noch ein wenig besser nach hinten spielen, dann wird alles gut“, sagte Adam Nemec.

In Frankfurt wird es für Union vor allem darauf ankommen, Standardsituationen vor dem eigenen Tor zu vermeiden. Gleich 21 ihrer 37 Treffer vollbrachten die Hessen nach ruhenden Bällen. Und mit Jan Glinker, der den verletzten Daniel Haas ersetzt, steht ein Keeper im Union-Tor, der seit fast einem Jahr kein Pflichtspiel mehr bestritten hat. Trainer Neuhaus warnte seine Spieler vor einer „harmonischen Mannschaft, in der die Mechanismen greifen“.