Beachvolleyball

Der andere Riese an der Seite des Goldjungen

Berliner Sebastian Fuchs bildet künftig ein Beachvolleyball-Duo mit Olympiasieger Julius Brink

Sebastian Fuchs (26) ist immer noch völlig berauscht. Ganz so, als wäre es gestern gewesen. Er sitzt in einem Café in Köln und denkt zurück an jenen Abend im August 2012. Wie Millionen andere Sportfans hockte er gebannt vor dem Fernseher und fieberte mit zwei deutschen Ausnahmekönnern. Er bewunderte sie, schließlich spielten sie Beachvolleyball wie er – nur erfolgreicher. Und dann gewannen Julius Brink und Jonas Reckermann sensationell Olympiagold. „Es war einfach schön zu sehen, wie du gute Teams dominieren kannst, wenn du an deinen Stärken festhältst und dem Gegner dein Spiel aufzwingen kannst“, sagt Fuchs und blickt zu Brink. Der 30 Jahre alte Olympiasieger sitzt ihm gegenüber. Die beiden kommen gerade vom gemeinsamen Training.

Reckermann, die zweite Hälfte des Olympiaduos, fehlt. Der Platz des 33-Jährigen war Ende des Jahres frei geworden. Hochleistungssport, so die ernüchternde Erkenntnis, ist für ihn nicht mehr möglich. Sebastian Fuchs ist nun der Neue an der Seite von Julius Brink. „Wir starten etwas komplett Neues“, betont Brink. „Es geht darum, unsere Potenziale auszuschöpfen, unseren Weg zu finden und zu gehen. Wir haben unsere eigene Identität.“

Einen Vergleich mit Brink/Reckermann wollen sie gar nicht erst aufkommen lassen. Sicher, die Größenverhältnisse sind ähnlich geblieben: Brink bleibt mit 1,86 Metern der Kleine im Team. Fuchs überragt ihn mit seinen 2,02 Metern deutlich. Das war bei Reckermann nicht anders gewesen und muss auch so sein – schließlich brauchte Brink wieder einen langen Blockspezialisten. „Aber Sebastian ist nicht Jonas. Ich stelle mich auf jemanden Neues ein und nicht auf jemanden, der versucht, Jonas zu kopieren.“

2011 liefen sich die beiden erstmals über den Weg, im vergangenen Frühjahr verhalf der Junge dem Erfahrenen bei einem Turnier in China zu ein bisschen Spielpraxis, als Reckermann verletzt ausgefallen war. Im Herbst tauschte Fuchs seine Heimat Berlin gegen Köln. Sein Plan stand fest: keine Punktspiele mehr in der Halle, nur noch Baggern und Pritschen im Sand. Bis jetzt war er ein deutscher Beachvolleyballspieler unter vielen, in der Trainingsgruppe der zwei Olympiasieger wollte er zu mehr heranwachsen. Und dann musste Reckermann verletzt aufgeben.

Ziel sind die Spiele 2016 in Rio

„Ich habe mich nicht aufgedrängt und gesagt: Nimm mich“, sagt Fuchs und lacht. Brink aber wusste schnell, was er wollte. Und er wollte keinen fertigen Blockspezialisten. Er suchte nach jemandem mit großem Potenzial, nach einem Spieler, der alles mitbringt, um im Sand der Olympischen Spiele 2016 von Rio zu bestehen. Er suchte niemandem, mit dem er schon diese Saison Weltmeister werden kann. Er fand Sebastian Fuchs. Er kannte ihn ja, das Turnier in China war 2012 nicht schlecht gelaufen.

„Im athletischen Bereich hat Sebastian Fähigkeiten, von denen Jonas geträumt hat“, schwärmt Brink. „Jonas hatte dafür andere Stärken – die hat er sich aber auch erarbeitet. Alles, was man sich erarbeiten kann, werden wir versuchen – und alles, was man sich nicht erarbeiten kann, bringt Sebastian mit“, sagt Brink. Für Fuchs ist das alles noch neu: das Leben als Profi vollkommen fokussiert auf den Sport, das harte Training mehrmals täglich, das große Team mit Trainern, Physiotherapeut und Mentaltrainer um ihn herum. Das erste gemeinsame Trainingslager in Südafrika aber hat er gut überstanden, auch wenn er zugibt: „Mich kostet das alles noch richtig Kraft.“ Derzeit trainieren sie auf Fuerteventura, um sich Ende April beim Grand Slam in Shanghai auch offiziell in ihre Zukunft zu stürzen. „Ich lerne Beachvolleyball neu kennen“, sagt Fuchs. „Ich habe da noch eine Menge aufzuholen.“ Brink hegt keinen Zweifel, dass Fuchs das gelingen wird.