Zweite Liga

Erste Chance für Unions Nummer zwei

Glinker ersetzt in Frankfurt den verletzten Torwart Haas

Jan Glinker genoss die Aufmerksamkeit. Schließlich stand der Torwart des 1. FC Union in den vergangenen Monaten keineswegs im Mittelpunkt des Geschehens. „Ich bin froh, dass ich in dieser Saison spielen darf, auch wenn ich Daniel diese Verletzung natürlich nicht gönne“, sagte Glinker. Am Ostersonntag steht der 29-Jährige im Spiel des Berliner Fußball-Zweitligisten beim FSV Frankfurt im Tor. Erstmals in dieser Saison. Und erstmals nur als Ersatz.

Jahrelang hütete Glinker als Nummer eins den Köpenicker Kasten, war dabei vor knapp zwei Jahren auch als Sieger aus dem skurrilen Zweikampf mit Marcel Höttecke hervorgegangen. Doch seit vorigen Sommer ist alles anders für den Schlussmann. Seit Union Daniel Haas verpflichtet und Trainer Uwe Neuhaus den Neuen auch gleich als Nummer eins deklariert hat, war Glinker nur noch zweite Wahl – obwohl er gerade erst seinen Vertrag bis 2014 verlängert hatte.

„Natürlich war das damals eine völlig ungewohnte Situation für mich“, sagt der Ur-Unioner (seit 2001 im Verein) heute, ohne zu verbergen, dass ihm die Entscheidung des Trainers alles andere als geschmeckt hat. Inzwischen hat er sich mit den Gegebenheiten arrangiert – was blieb ihm auch anderes übrig. „Ich kann mich ja nur immer wieder im Training anbieten und da sein, wenn es die Situation verlangt“, sagt Glinker. So wie nun am Sonntag, weil Haas wegen einer Schleimbeutelentzündung in der linken Schulter voraussichtlich zwei Wochen pausieren muss (auch der erkrankte Baris Özbek fehlt in Frankfurt) und Glinker damit wohl auch am 7. April beim SC Paderborn ran darf.

Für Unions Nummer zwei ist es die erste Chance zu zeigen, dass er mehr ist als nur ein Ersatzmann. Die 90 Minuten am Bornheimer Hang werden damit zur Bewerbung nicht nur für seinen derzeitigen Arbeitgeber, sondern auch für andere Interessenten. Gedanken, die für ihn in diesen Tagen jedoch nur eine untergeordnete Rolle spielen. „Momentan zählt nur das Spiel am Wochenende. Alles andere lasse ich auf mich zukommen“, erklärt Glinker.

Für Neuhaus („Ich vertraue Jan, er wird seine Aufgabe konzentriert angehen“) ist der ungewollte Wechsel durchaus eine pikante Situation. Denn ausgerechnet jener Spieler, den er zu Saisonbeginn von vornherein degradiert hat, noch dazu ohne erste Trainingseindrücke abzuwarten, soll nun den Kasten sauber halten, um den Mini-Traum von Relegationsplatz drei am Leben zu erhalten. Und das bei fehlender Spielpraxis über Monate. „Ich sehe da keine Probleme, ich kenne ja meine Vorderleute lange genug“, macht sich Glinker keine Sorgen in Bezug auf mangelnde Abstimmung mit den Mitspielern.

Vielleicht hilft ihm ausgerechnet das gute Verhältnis zu seinem Konkurrenten. „Daniel und ich verstehen uns außerordentlich gut, auch privat“, so Glinker: „Ich glaube, er wird mir genauso die Daumen drücken wie ich ihm.“ Die Aufmerksamkeit der Fans ist Glinker nach 336 Tagen Pflichtspielpause in jedem Fall gewiss.