Basketball

„Diese Mannschaft wird uns noch viel Freude bereiten“

Nach dem Pokalsieg ist bei Alba Berlin der Glaube an die eigene Stärke zurückgekehrt

Sie rauchten Zigarren, nahmen das eine oder andere Erfrischungsgetränk und tanzten immer wieder um den Pokal herum. Das Basketballteam von Alba Berlin hat richtig gefeiert nach dem Pokalsieg gegen Ulm am Sonntag. Gern hatte Cheftrainer Sasa Obradovic den für die Profis normalerweise geltenden Zapfenstreich um 24 Uhr aufgehoben. Bis weit nach Mitternacht ging es im „Rocco & Sanny“ in der Friedrichstraße hoch her. Heiko Schaffartzik hatte vorher noch grinsend erklärt: „Ich hoffe, dass uns der Pokalsieg einen richtigen Schub für heute Nacht gibt.“ Das hat auf alle Fälle geklappt.

Und nun? Gibt der Pokalsieg jetzt auch Rückenwind für die bevorstehenden sportlichen Aufgaben? Alle denken das, was Schaffartzik so ausdrückt: „Der Pokalsieg reicht mir noch nicht.“ Das stetige Auf und Ab, die vielen Rückschläge durch Verletzungen und Niederlagen in dieser Saison haben allerdings vorsichtig gemacht. „Jetzt bloß nicht auf den Lorbeeren ausruhen“, fordert Kapitän Sven Schultze. „Wir müssen weiter hart arbeiten“, pflichtet ihm Yassin Idbihi bei. „Wenn wir so spielen wie am Wochenende, dann können wir jeden schlagen.“

Es war eine Mischung aus Erleichterung und Bestätigung, die Alba erfasst hatte. Erleichterung, weil endlich wieder ein Titel gewonnen wurde. Bestätigt fühlten sich die Verantwortlichen darin, richtig gelegen zu haben mit der Auswahl der Spieler – und des Trainers. „Sasa spielt bei diesem Erfolg eine ganz zentrale Rolle“, sagt Marco Baldi. Der Berliner Geschäftsführer dachte kurz an ein anderes Szenario: „Jeder kann sich ausmalen, wie die Schlagzeilen gewesen wären, hätten wir den nicht Pokal gewonnen…“

Reinigendes Gewitter im Team

Denn es lief bei Alba bis zum Pokal-Wochenende alles andere als rund. Zwar war das Erreichen des Top 16 in der Europaliga ein großer Erfolg, aber haften blieben bei vielen eben mehr die vielen Niederlagen in der Bundesliga und in der europäischen Eliteklasse. Erfolg ist der Gradmesser, das weiß auch Baldi. Gerade in einer Stadt wie Berlin mit der großen Konkurrenz durch die anderen Sportarten.

„Mit Niederlagen umzugehen, ist nicht leicht“, sagt Baldi. Die Mannschaft hätte „einige Möglichkeiten gehabt auseinanderzufallen“. Doch sie habe im Gegenteil „mentale Härte“ entwickelt. Ein Prozess, der nicht einfach war: Niederlagen, schlechte Phasen, in den Medien tauchte ab und an schon das Wort Krise auf – Schaffartzik sagt offen: „Wir hatten schlechte Stimmung. Es gab aber eine Aussprache innerhalb der Mannschaft.“ Das war vor einigen Wochen, nachdem es auch im Training unter den Profis richtig gekracht hatte. Man kann wohl von einem reinigenden Gewitter sprechen.

Jetzt hofft Obradovic sogar auf den „Beginn einer neuen Ära“. Doch der Weg zum Meistertitel ist lang und schwer. Eine Stunde nach der Schlusssirene am Sonntag ging dem Trainer schon durch den Kopf: „Welches Gesicht zeigt die Mannschaft am Freitag gegen Kaunas? Und danach in Ulm?“ Wo am Ostersonntag ein ganz wichtiges Spiel stattfindet. Will Alba noch Rang vier nach der Punkterunde erreichen, verbunden mit dem Heimvorteil fürs Play-off-Viertelfinale, muss beim Endspielgegner gewonnen werden.

Albas Glaube an die eigene Stärke ist zurückgekehrt. Auch weil nach vielen verletzungsbedingten Umbesetzungen jetzt die Rädchen immer besser ineinandergreifen. Auf der Spielmacherposition bilden inzwischen Schaffartzik, DaShaun Wood und Nachverpflichtung Je’Kel Foster ein Trio, das sich gut ergänzt. Schwer war es, die Balance zwischen Dirigieren, Punkten und Passen neu zu finden.

Traoré als große Hilfe unterm Korb

Wobei dies auf der zentralen Position noch schwerer ist als bei den Langen unter dem Korb. Hier hat sich nach wenigen Wochen Ali Traoré als sehr gute Verpflichtung erwiesen, mal punktet der Franzose wie im Halbfinale gegen München (16), mal holt der Center Rebounds wie im Finale (9). Von ihm profitieren auch die Kollegen Idbihi und Deon Thompson.

Nun hofft man bei Alba, dass Präsident Dieter Hauert Recht behält: „Diese Mannschaft wird uns noch viel Freude bereiten.“