Kommentar

Der Weltmeister gehört bestraft

Matthias Brzezinski über Sebastian Vettels gefährliche Ignoranz

Die Anweisung war klar. Positionen halten, kein Risiko. Lasst uns als Red-Bull-Team in der Reihenfolge Mark Webber vor Sebastian Vettel einen maximal möglichen Grand-Prix-Erfolg feiern. Sebastian Vettel setzte diesen in Malaysia aufs Spiel. Er überholte seinen Teamkollegen – mit Risiko. Ein Hauch Unkonzentriertheit, eine vergleichsweise leichte Berührung und beide stehen womöglich mit aufgeschlitzten Reifen am Pistenrand. Warum dieser Egoismus im zweiten von 19 Saisonrennen?

Vettel weiß, und Webber weiß es auch, wer der Nummer-Eins-Fahrer im Team ist. Vettels drei WM-Titel beantworten jede diesbezügliche Frage. Doch der 25 Jahre alte Champion kann, bei all seinen fahrerischen Qualitäten, keinen vierten Titel ohne sein Team erkämpfen.

Das Ignorieren einer so klaren Anweisung durch den eigenen Teamchef macht diesen zur Witzfigur – so er sich das gefallen lässt. Hat Vettel in Erwägung gezogen, dass die Anweisung ihre Berechtigung hat? Das Düpieren des Teamkollegen macht diesen unter Umständen vom ohnehin harten Konkurrenten zum Feind. Mark Webber, der vermutlich zum Ende der Saison über einen Wechsel in den fahrerischen Ruhestand nachdenken muss, könnte sich rächen. Man stelle sich ein Rennen im Oktober oder November vor, bei dem Vettel ausscheidet. Warum sollte der in Malaysia vorgeführte Australier etwas für seinen Kollegen tun? Etwa einem Vettel-Konkurrenten ein paar WM-Punkte abringen. 2012 fehlten Ferraris Fernando Alonso nur vier Zähler zum Titel. Red Bull muss sich darüber im Klaren werden, ob man an einer durchdachten und erfolgreichen Hierarchie festhält. Wenn ja, muss Vettel bestraft werden. Wenn nicht, muss man sich fragen, ob man Entscheidungsträger benötigt, die nichts zu entscheiden haben.