DFB-Team

Löw fordert Demut, glaubt aber fest an seine Titelchance

Als er zum wiederholten Male zum „spanischen System“ befragt wurde, reichte es Joachim Löw.

„Dass bereits geschrieben wurde, Löw will die Stürmer abschaffen, ist doch schwachsinnig“, sagte der Bundestrainer vor dem WM-Qualifikationsspiel heute (20.45 Uhr/ARD) in Nürnberg gegen Kasachstan mit Nachdruck.

Die ständigen Diskussionen um die Taktik oder auch die WM gehen dem 53-Jährigen inzwischen auf die Nerven. Deshalb sah er sich vor dem zweiten Duell gegen die Kasachen innerhalb von fünf Tagen auch mit Blick auf die WM 2014 in Brasilien zu einer deutlichen Ansage gezwungen. „Wir müssen in Deutschland ein bisschen Demut zeigen. Wir sind ja noch gar nicht qualifiziert. Und es ist ein bisschen vermessen, davon zu reden, was in anderthalb Jahren sein wird.“ Viel wichtiger sei „das Jetzt. Wir müssen uns jetzt qualifizieren und müssen uns jetzt als Mannschaft entwickeln.“

Dass sich Löw vor der Partie gegen die Kasachen, bei der drei weitere Punkte auf dem Weg an den Zuckerhut fest eingeplant sind, überhaupt so ausführlich zur WM äußern musste, hatte er jedoch seinem Teammanager zu verdanken. Oliver Bierhoff hatte am Sonntag mit der These überrascht, dass ein Titelgewinn in Brasilien eigentlich „ein Ding der Unmöglichkeit“ sei. Löw gab Bierhoff im Kern auch recht, ist aber dennoch guter Dinge für das Turnier. „Nach menschlichem Ermessen ist es wahnsinnig schwer, in Südamerika den Titel zu gewinnen, absolut. Aber wir werden alles tun, damit wir um den Titel mitspielen können“, unterstrich er.

Zweifel an der erfolgreichen Qualifikation hegt Löw angesichts der komfortablen Situation in der Gruppe C, die sich nach dem 0:0 der Schweden gegen Irland weiter verbessert hat, nicht mehr. Er sei „fest davon überzeugt, dass wir die Qualifikation schaffen. Dann fahren wir als Mitfavorit nach Brasilien“.

Auch dank einer Taktik ohne echten Angreifer, die Löw zuletzt in drei aufeinanderfolgenden Spielen probiert hatte und wohl auch in Nürnberg zur Anwendung kommt. „Ich erwarte, dass wir mit der gleichen Vehemenz wie in der ersten Halbzeit beim 3:0 in Kasachstan spielen“, forderte Löw. Einen Motivationsknick nach dem Abenteuertrip nach Astana erwartet er nicht. Im Gegensatz zu Freitag kündigte er „zwei, drei Änderungen“ an. In der Innenverteidigung wird wohl Jerome Boateng spielen, zudem kehrt Marco Reus zurück. Bastian Schweinsteiger (gesperrt) wird von Ilkay Gündogan ersetzt.