Eishockey

Bittere Niederlage für die Eisbären

Berliner müssen sich nach dem 4:8-Debakel gegen Hamburg Sorgen um den Einzug ins Halbfinale machen. Fans in Schwarz

Auf Rob Zepp zu verzichten, das fällt Trainer Don Jackson schwer. Dann muss es schon um wenig gehen, denn seine Mannschaft ohne den Stamm-Torwart aufs Eis zu schicken, erscheint ihm sonst zu riskant. Im Play-off also, wenn es um alles geht, führt im Umkehrschluss kein Weg beim EHC Eisbären an dem Nationalspieler vorbei. Am Montagabend aber nahm Jackson seinen Erfolgsgaranten nach 26 Minuten vom Eis. Er hatte inzwischen wohl allen in der Halle leid getan. Fast jeder Schuss, der auf seinen Kasten kam, landete im Netz. Nach fünf Gegentreffern erlöste Jackson den Goalie – 1:5 stand es da im dritten Viertelfinalspiel gegen die Hamburg Freezers.

Obwohl, was in dieser Serie bisher passierte, gab auch irgendwo Anlass, noch auf einen anderen Ausgang zu setzen. Wer lange wie der Sieger aussah, verlor am Ende doch. Das traf erst die Hamburger, dann die Berliner, die am Freitag in den letzten vier Minuten einbrachen. Das zeigt durchaus, wie nah die Mannschaften in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) in ihrer Leistungsfähigkeit beieinander sind. Diesmal aber fehlte den Berlinern die Fähigkeit, erneut eine Wende herbeizuführen. Stattdessen erlebten sie ein Debakel, 4:8 (0:3, 2:4, 1:1) verloren die Eisbären. Damit wird es schwer, sie liegen 1:2 in der „Best of seven“-Serie zurück. Schon am Dienstag kann in Hamburg eine Vorentscheidung gegen den Meister fallen.

An sich galt die Position des Torhüters als ein Vorteil der Berliner. In Zepp verfügen sie über einen vierfachen Meister, die Hamburger hingegen verloren kurz vor dem Play-off ihren Stamm-Torhüter Dimitrij Kotschnew wegen eines Kreuzbandrisses. Dort steht nun Niklas Treutle zwischen den Pfosten, ein 21-Jähriger ohne Play-off-Erfahrung. Einen Vorteil aber konnten die Berliner daraus nicht ziehen.

Konfusion in der Abwehr

Treutle wirkte zwar nie besonders sicher. Aber Zepp eben auch nicht. Die Konfusion, in die seine Vorderleute oft genug verfallen, machte auch ihm zu schaffen. In der dritten Partie gerieten die Berliner wegen schlechten Stellungsspiels im ersten Drittel 0:3 in Rückstand. „Ich glaube, sie hatten nur drei Chancen“, sagte Kapitän André Rankel in der Pause. Da war er aber noch überzeugt, dass sein Team das Spiel drehen könnte.

In der ersten Partie holten die Berliner sogar ein 0:4 auf, gewannen noch 6:5. Weil sie über genügend spielerische Qualität verfügen. Auch diesmal sah die Anlage bei ihnen ordentlich aus. Nur lassen sich die individuellen Aussetzer nicht beliebig kompensieren. Obwohl schon Hoffnung aufkam, als Tyson Mulock zu Beginn des zweiten Drittels das 1:3 erzielte (22.). Die Substanz der Eisbären ist aber nicht mehr so groß wie in den vergangenen Jahren, wenn Spieler wie Florian Busch (krank) ausfallen, wirkt sich das aus.

Die Hamburger, die zuvor relativ wenig taten und auf Fehler warteten, mussten nur leicht den Druck erhöhen, um die EHC-Abwehr komplett durcheinander zu bringen. Schon hatten die Freezers zwei weitere Treffer erzielt und Sebastian Elwing, der nur sechsmal in dieser Saison spielen durfte, zu seinem ersten Einsatz im Eisbären-Tor seit dem 6. Januar verholfen. Die erste Aktion für ihn war ein Penaltyschuss von Rob Collins, den er passieren lassen musste (27.). Dass Barry Tallackson zuvor mit einer Spieldauerstrafe in die Kabine musste, kam für den EHC erschwerend hinzu. Die Kleiderwahl vieler Berliner Fans auf den Stehplätzen fand ungeplant im Spiel ihren Ausdruck, sie verzichteten auf Trikots und trugen trauriges Schwarz als weiteren Protest gegen die Absicht des Klubs, die Dauerkartenpreise stark zu erhöhen. Als Stimmungsmacher betätigten sie sich auch nicht, das war Teil des Protests. Als die Hallenregie dann kurz „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode einspielte, kam das selbstironisch rüber. Aber auch unsensibel.

Erfolglose Aufholjagd

Zeugen einer Aufholjagd, die die Fans in der Stehplatzkurve im ersten Heimspiel verpasst hatten, weil sie zu Beginn die Halle verlassen hatten, durften sie diesmal auch noch werden. Die verlief aber nicht erfolgreich. Nach dem 1:7 verkürzten Mads Christensen (40.), Darin Olver (40.) und Constantin Braun (45.) jeweils in Überzahl auf 4:7. Hamburg handelte sich zwar noch viele Strafen ein, war aber abgeklärt genug, sich den Sieg – zum 4:8 traf Daniel Nielsen (54.) – nicht noch einmal aus der Hand nehmen zu lassen. Dringendste Aufgabe ist es nun, sich von diesem Desaster schnell zu erholen und einen Weg zu finden, dem körperlichen Spiel der Freezers mehr entgegenzusetzen. Nach zwei bitteren Negativerlebnissen in Folge ist das eine Herausforderung für den Titelverteidiger. Egal, mit welchem Torwart.