Zweite Bundesliga

Hertha trifft auf den Chaos-Klub der Liga

Trotz der Machtkämpfe mit dem Investor hegt 1860 München Aufstiegsambitionen

– Wer beim TSV 1860 München etwas werden will, muss nach Abu Dhabi. Also flog Josef Monatzeder kürzlich in den Wüstenstaat. Der 61-Jährige wird im April neuer Präsident des Zweitligaklubs – und musste vorher beim unberechenbaren Investor Hasan Ismaik um Erlaubnis fragen, der eben in Abu Dhabi lebt.

Das Gespräch verlief positiv, und Ismaik willigte ein. Immerhin eine Baustelle also hat der Verein vor dem Heimspiel gegen Hertha BSC am Sonnabend (13 Uhr/Sky) geschlossen. Doch es bleiben genug andere. Der aktuelle Präsident Dieter Schneider zieht sich zurück, weil ihm das Vertrauen des Aufsichtsrats fehlt. In dieser Woche gab es zudem Berichte über finanzielle Schwierigkeiten des Vereins, das Präsidium dementierte. Und die sportliche Leitung weiß nicht, wie lange sie noch für 1860 arbeiten wird: Trainer Alexander Schmidt und Sportchef Florian Hinterberger haben in Sachen Zukunftsplanung offenbar noch kein Signal des Klubs erhalten. Ismaik bezeichnete Schmidt als „Übergangstrainer“, die Ablösung Hinterbergers zum Saisonende soll beschlossen sein. Sein Vertrag läuft im Sommer aus.

Erstaunlich, dass die Mannschaft trotz der Unruhe im Klub noch Chancen auf den Aufstieg hat. Nach zuletzt drei Auswärtssiegen in Folge beträgt der Rückstand auf den Tabellendritten Kaiserslautern lediglich vier Punkte. So nah an der Bundesliga war 1860 unter Trainer Schmidt noch nie. Er hat den Relegationsplatz als Ziel ausgegeben, der Respekt vor Hertha aber ist groß. „Hertha ist eine der wenigen Mannschaften, die uns spielerisch überlegen sind. Sie sind der Favorit. Aber wenn wir mit dem gleichen Engagement wie zuletzt zur Sache gehen, ist mir nicht bange“, so Sportchef Hinterberger.

Das große Manko der „Löwen“ ist die fehlende Konstanz: In der Rückrunde gewannen sie bei Tabellenführer Eintracht Braunschweig, verloren aber zu Hause gegen den abstiegsbedrohten VfL Bochum.

Doch nicht nur der Ärger über verpasste Siege ist bei den Münchnern groß. In keinem Klub der Liga war in den vergangenen Monaten so viel Unruhe wie bei den Sechzigern. Probleme mit rechten Zuschauern, Machtkämpfe mit dem Investor. Und dazu gesellte sich auch eine bisweilen katastrophale Außendarstellung, als der Verein im Januar verkündete, er habe Sven-Göran Eriksson verpflichtet. Der ehemalige englische Nationaltrainer aber wusste von nichts und lehnte ein Engagement bei den „Löwen“ ab.

Ex-Berliner Friend lobt Luhukay

Vergangenheit, sagen sie in München. Der Blick müsse nach vorn gehen. Doch vor der Partie gegen die Berliner hat 1860-Trainer Schmidt wie sein Kollege Jos Luhukay bei Hertha Verletzungssorgen: Mittelfeldspieler Daniel Halfar fällt wegen Knieproblemen aus, der Einsatz von Maximilian Nicu ist nach seiner Schleimbeutelentzündung fraglich. Der Mittelfeldspieler bildet mit Verteidiger Malik Fathi, Torwart Gabor Kiraly und Stürmer Rob Friend die Fraktion der Ex-Herthaner bei den Sechzigern.

Fatih freut sich besonders auf den Besuch von Freunden aus der Hauptstadt, Friend auf ein Wiedersehen mit Jos Luhukay. Unter ihm spielte der Kanadier 2007/2008 seine bisher beste Saison und schoss für Borussia Mönchengladbach in der Zweiten Liga 18 Tore. Gladbach stieg in die Bundesliga auf, und Friend erinnert sich gern: „Luhukay ist einer der besten Trainer, die ich kenne. Menschlich top, taktisch fit und absolut integer.“ Er gehe zu hundert Prozent davon aus, dass Hertha aufsteigt. Und gibt seinen Kollegen die Marschroute für die Partie gegen seinen Ex-Klub vor. „Hertha mag es nicht, wenn du ein bisschen härter einsteigst. Kämpferisch müssen wir voll da sein, wenn wir sie besiegen wollen.“