FC Bayern München

Sehnsucht nach großen Fußball-Abenden

National werden die Bayern kaum mehr gefordert. Doch in der Champions League beginnt für sie jetzt die wichtigste Zeit

Ein verirrtes Eichhörnchen könnte die Londoner retten. Die Tiere sind sehr interessiert am FC Arsenal, das zeigte sich 2006. Im Halbfinale der Champions League gegen den FC Villarreal (1:0) lief eines zehn Minuten lang durch den Strafraum des damaligen Torwarts Jens Lehmann und sorgte für eine Unterbrechung. Buchmacher boten danach Wetten an, ob das Eichhörnchen irgendwann wieder über ein Spielfeld rasen wird.

So ein tierischer Zwischenfall könnte eventuell selbst den FC Bayern aus dem Rhythmus bringen. Seinen Spielfluss stoppen. Alles andere nicht – so scheint es derzeit zumindest. Keine Mannschaft hat dem deutschen Fußball-Rekordmeister zuletzt international über 90 Minuten Probleme bereitet. Am Mittwochabend (20.45 Uhr, live ZDF) empfangen die Münchner im Rückspiel Arsenal, und nach dem 3:1 in der ersten Begegnung vor drei Wochen ist der Einzug ins Viertelfinale für viele Bayern-Fans sehr wahrscheinlich.

In den vergangenen vier Partien in dem Wettbewerb erzielte Bayern 14 Tore, mit durchschnittlich 0,4 Gegentreffern pro Spiel stellt der Klub die beste Abwehr der europäischen Topligen. Und ausgerechnet gegen dieses Bollwerk müssen die „Gunners“ mindestens drei Tore erzielen. In der Geschichte der Champions League kam noch keine Mannschaft in einer K.o.-Runde nach einer Heimniederlage mit mehr als einem Tor Unterschied im Hinspiel weiter. Arsenals Stürmer Gervinho sagt, die Qualifikation für das Viertelfinale wäre ein „Wunder“.

Wochen der schwierigen Spiele

Für die Münchner ist das Ende des Winters quasi der Beginn einer neuen Saison. Die Meisterschaft ist ihnen nicht mehr zu nehmen. Nun kommen die Wochen der schwierigen Spielen. Sie werden zeigen, ob die Bayern auch gegen die ganz großen Gegner so stark und stabil sind wie in den nationalen Wettbewerben.

Kapitän Philipp Lahm betont, dass Arsenal seiner Meinung nach nicht auf Augenhöhe mit den absoluten Topteams sei. Motto: Die wahren Tests kommen erst noch. Die Uefa lost am Freitag die Viertelfinals aus und zahlt den qualifizierten Mannschaften jeweils 3,9 Millionen Euro. Die Wettanbieter handeln den FC Bayern als Favoriten auf den Gewinn der Champions League, Experten sehen ihn als beste Mannschaft Europas. Die Münchner sehnen sich nach der Gelegenheit, nach dem verlorenen „Finale dahoam“ im vergangenen Mai wieder das Endspiel zu erreichen. „Natürlich will jeder Spieler diesen Titel gewinnen, es ist ein großer Traum von uns. Wir haben viel Selbstvertrauen“, so Lahm. Er glaubt, dass sich seiner Mannschaft wegen Arsenals offensiver Taktik viele Freiräume bieten werden.

Sein Trainer Jupp Heynckes hält den „Hype“ um seine Spieler für verfrüht. „Ich halte nichts davon, das Fell des Bären zu verteilen, bevor er erlegt ist. Die Champions League ist etwas anderes als die Bundesliga oder der Pokal“, so der 67-Jährige. Eine Mannschaft müsse gute Leistungen international bestätigen. Seine Spieler seien in der Saison bislang bescheiden und demütig aufgetreten. Er habe daher keinen Anlass zur Sorge.

Heynckes muss allerdings auf wichtige Spieler verzichten: Mittelfeldchef Bastian Schweinsteiger und Innenverteidiger Jerome Boateng fehlen gegen Arsenal gesperrt, für sie werden Luiz Gustavo und Daniel van Buyten spielen. Schweinsteigers Rolle im Spielaufbau soll der Spanier Javi Martinez übernehmen. Offensivstar Franck Ribery fällt mit einer Außenbanddehnung im linken Sprunggelenk aus. Der Franzose spielt eine herausragende Saison, dementsprechend groß war nach einem Foul des Düsseldorfers Andreas Lambertz die Sorge, dass Ribery länger fehlt. Am Dienstag gab Heynckes Entwarnung: „Es ist keine gravierende Verletzung.“ So ist der Mittwochabend die große Chance für Arjen Robben, auch international endlich mal wieder der entscheidende Mann zu sein.

Um noch auszuscheiden, müssten die Bayern ihre bislang höchste Heimniederlage in der Champions League zulassen. 0:2 – das war in 82 Spielen das schlechteste Ergebnis im eigenen Stadion. „Wir wollen sofort klar machen, dass für Arsenal nichts zu holen ist“, sagt Lahm. Und Thomas Müller will unbedingt gegen die ganz Großen spielen: „Wenn wir weiterkommen, wovon ich schwer ausgehe, wird es sowieso interessant. Da gibt es noch einige Teams, die unangenehm Fußball spielen können und gefährlich sind.“

Arsenal ist in dem Wettbewerb die letzte Hoffnung Englands. Sollte die Mannschaft von Trainer Arsene Wenger, bei der Lukas Podolski wegen Verletzung daheim blieb, wie erwartet ausscheiden, hätte sich erstmals seit 1996 kein Klub von der Insel für das Viertelfinale qualifiziert. Bayern-Trainer Heynckes sagt, er und seine Spieler seien auf alles vorbereitet. Demnach würde die Bayern selbst ein Eichhörnchen nicht überraschen.