Auszeichnung

Usain Bolt hängt Sebastian Vettel ab

Laureus Awards in Rio verliehen. Kaymer siegt mit dem Ryder-Cup-Team

„Oscar des Sports“ nennt sich der Laureus Award. Etwas unbescheiden, aber genau wie der Bruder im Filmbusiness elektrisiert die Vergabe der Silbertrophäe die Branche. Das „Who is who“ des Sports war nach Rio de Janeiro gereist, um dabei zu sein, als die Besten der Besten gekürt wurden. Edwin Moses, früher Weltklasse-Hürdenläufer und heute Vorsitzender der Laureus World Sports Academy, sagte: „Die Familie des Sports hat sich versammelt. Wir sind stolz auf das, was wir erschaffen haben.“

Zum 14. Mal wurde der Laureus Award vergeben, und auch deutsche Sportler waren nominiert. Da war Sebastian Vettel, der Formel-1-Weltmeister. Außerdem der Ruderachter mit den Berlinern Andreas Kuffner und Martin Sauer, der bei den Olympischen Spielen in London Gold gewonnen hatte, in der Kategorie „Comeback des Jahres“. Und Philip Köster, der 2012 zum zweiten Mal in Folge Windsurf-Weltmeister wurde, als „Action Sportsperson“. Zudem das europäische Ryder-Cup-Team, bei dessen Triumph über die USA bekanntlich Martin Kaymer den entscheidenden Putt versenkt hatte.

Er eröffnete quasi die Gala – wenn auch nur virtuell. Der Moderator des Abends, Oscar-Preisträger Morgan Freeman, hatte den Putt des deutschen Golfers als Beispiel für den Druck genommen, dem Spitzensportler ausgesetzt sind. Parallel wurde Kaymer als 3D-Hologramm eingespielt – scheinbar über den entscheidenden Ball gebeugt. Als Freeman weiterparlierte, wendete sich der projizierte Kaymer plötzlich dem Gastgeber zu und sagte: „Morgan, wenn du so viel redest, wird der Druck nicht weniger.“ Der Abend startete mit einem Lacher.

Und es blieb ein erfolgreicher Tag für die Golfer. Tatsächlich schaffte es das Ryder-Cup-Team, sich in der Kategorie „Mannschaft des Jahres“ unter anderem gegen die spanische Fußball-Nationalmannschaft und die Basketballer der Miami Heat durchzusetzen. „Dieser Preis bedeutet uns viel. Teamgeist war ein wichtiger Teil unseres Erfolgs. Dadurch hat jeder das gewisse Extra eingebracht“, sagte Teammitglied Ian Poulter in einer eingespielten Aufzeichnung; wegen der parallel stattfindenden Golf World Championship in Florida konnte kein Golfer in Rio sein.

Vor allem zählt die Wohltätigkeit

Mehr von den silbernen Trophäen sprang nicht heraus für deutsche Sportler. Vettel wurde als bester Sportler von Sprinter Usain Bolt überflügelt. Windsurfer Philip Köster musste Felix Baumgartner den Vortritt lassen, der aus 39 Kilometer Höhe aus einem Ballon gesprungen war. Und der Deutschland-Achter hatte beim „Comeback des Jahres“ das Nachsehen gegenüber Hürdenläufer Felix Sanchez. „Kein Problem. Hier zu sehen, was für wichtige Beiträge der Sport für benachteiligte Kinder leisten kann, war toll“, sagte Olympiasieger Andreas Kuffner.

Bei den Frauen setzte sich Siebenkämpferin Jessica Ennis durch, der „Durchbruch des Jahres“ gelang Tennisspieler Andy Murray. Als bester Sportler mit einer Behinderung wurde der brasilianische Schwimmer Daniel de Faria Dias ausgezeichnet, der sechsmal paralympisches Gold gewonnen hat. Für sein Lebenswerk bekam Sebastian Coe den Laureus Award verliehen – er hatte neben seinen großen Erfolgen als Mittelstreckenläufer auch entscheidenden Anteil daran, die Olympischen Spiele 2012 nach London zu holen und als Vorsitzender des Organisationskomitees zu einem großen Erfolg zu machen.

Doch auch, wenn es bei all dem Glamour im Theatro Municipal leicht in Vergessenheit geraten konnte: Laureus ist in erster Linie eine Wohltätigkeitsorganisation, die die Popularität ihrer Mitglieder einsetzt, um durch Sport benachteiligten Kindern und Jugendlichen zu helfen. „Wir haben seit der Gründung 60 Millionen Euro gespendet. Was aus dieser Organisation geworden ist, ist einmalig“, sagte Boris Becker, der im Academy-Ausschuss sitzt. Gemeinsam mit Franz Beckenbauer hatte er tags zuvor einen Mercedes-Benz-Transporter mit Sportgeräten dem Projekt „Bola par Frente“ übergeben, das sich in Rio de Janeiro um Kinder kümmert. Jorginho, der früher unter anderem bei Bayern München gespielt hat, hatte Beckenbauer auf das Projekt aufmerksam gemacht. „Was das für die Kinder hier in den Favelas bedeutet, ist kaum in Worte zu fassen“, sagte Jorginho.