Wintersport

Nach Pechstein-Attacke: Beckert-Lager spricht von Mobbing

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Berlinerin hat mit ihrem verbalen Angriff für Unmut im deutschen Team gesorgt und muss heftige Kritik einstecken

„Mobbing“, „Narrenfreiheit“, und „Verstoß gegen den Fairplay-Gedanken“: Die Verbalattacke von Eisschnellläuferin Claudia Pechstein hat im Lager ihrer Kontrahentin Stephanie Beckert für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Das Management der Erfurter Team-Olympiasiegerin Beckert forderte die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) auf, sich vor die Athletin zu stellen. Andernfalls werde Beckert keine Rennen mehr im Team bestreiten.

„Der Verband hat Stephanie vor den Attacken von Claudia Pechstein zu schützen. Er hat eine Fürsorgepflicht. Was Pechstein macht, ist Mobbing“, sagte Klaus Kärcher, der Beckert mit seiner Agentur berät: „Der Verband schützt Beckert, oder Beckert zieht die Konsequenz und startet nicht mehr im Team.“ Es sei auch nicht das erste Mal, dass Pechstein Beckert angreife. „In ihrem Buch hat sie das ebenfalls getan. Auch damals gab es keine Konsequenzen durch den Verband. Pechstein hat bei der DESG Narrenfreiheit“, sagte Kärcher. Auch Jochen Habermaier, der zu Beckerts Beraterteam zählt, forderte „Sanktionen“. „Nach dem, was in Heerenveen vorgefallen ist, sehe ich im Moment keine Chance, dass Stephanie bei der Teamverfolgung der WM in Sotschi mit Frau Pechstein auf dem Eis steht“, erklärte Jochen Habermaier.

Die fünfmalige Olympiasiegerin Pechstein hatte Beckert nach dem schwachen Rennen in der Teamverfolgung beim Weltcup-Finale in Heerenveen via Facebook „Arbeitsverweigerung“ vorgeworfen und eine Entschuldigung gefordert. Sie wolle in einem Team laufen, in dem Erfolg, Ruhm und Ehre Ziele seien und nicht nur das Einstecken von Antrittsprämien zum wichtigsten Aspekt werde, schrieb Pechstein.

Beim Management von Pechstein zeigte man sich verwundert über die Reaktionen aus dem Beckert-Lager. „Claudia hat eine indiskutable sportliche Leistung analysiert. Das ist ihr gutes Recht. Dass jetzt ausgerechnet das Management, das auch Anni Friesinger vertritt, persönliche Attacken gegen Claudia reitet, überrascht nicht“, sagte Ralf Grengel, der die Vorwürfe Kärchers entschieden zurückwies: „Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, über Narrenfreiheit zu sprechen, wenn es die eigene Klientin ist, die ein Teamtraining nach dem anderen platzen lässt.“

Langstrecken-Spezialistin Beckert, die als schwache Starterin bekannt ist, hatte ihren Mannschaftskolleginnen über eine Runde lang hinterherlaufen müssen. In 3:09,47 Minuten landete das Trio mit neun Sekunden Rückstand auf die siegreichen Niederländerinnen abgeschlagen auf dem vierten Rang.

Für ihre öffentliche Schelte hatte Pechstein bei Teilen des deutschen Teams Unverständnis geerntet. Sprint-Bundestrainer Thomas Schubert sagte: „Ich bin froh, nicht Bundestrainer Mehrkampf zu sein. Da muss mal Tacheles geredet werden.“ Auch weitere deutsche Athleten zeigten sich verwundert. „Es ist nicht geschickt, so etwas auf Facebook zu setzen. Aber das müssen Claudia und Stephanie selbst untereinander klären“, sagte Monique Angermüller, die von Pechstein als Beckert-Ersatz ins Spiel gebracht worden war: „Ich glaube nicht, dass jemand in unseren Leistungsregionen so etwas macht. Keiner treibt solche Spielchen.“

( sid )