Radsport

Ein Fall für Hollywood

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Jens Hungermann

Lance Armstrongs Leben bald als Kinofilm? Gleich zwei Produzenten treiben Pläne voran

Früher hätte ein Film über Lance Armstrong (41) Titel wie „Die glorreichen sieben (Toursiege)“ oder „Tourminator, die Rückkehr Teil 1–7“ provoziert. Heute, wo die Vita des vermeintlich besten Rennfahrers der Radsporthistorie als opulente Lüge entlarvt ist, fiele ein Film erst recht in die Kategorie Fiktion.

Während der Texaner sich in diesen Wochen infolge seines Dopingeingeständnisses für diverse juristische Schlachten wappnet, wittern in Hollywood manche ein lukratives Geschäft. Gleich zwei Filmunternehmen planen, die sagenhafte Geschichte um Lance A. ins Kino zu bringen. J.J. Abrams mit seiner Produktionsfirma „Bad Robot Productions“ erhält dabei Konkurrenz von Warner Bros., berichtet der für gewöhnlich bestens informierte Branchendienst Deadline Hollywood.

Anlehnung an Tylor Hamilton

Demnach steht als Drehbuchautor Scott Z. Burns („Das Bourne Ultimatum“) parat, Regie soll Jay Roach („Austin Powers“) führen. Es heißt, der von Warner Bros. geplante Film solle an die Vita von Lance Armstrongs früherem Teamkollegen Tyler Hamilton angelehnt werden, dem im realen Leben als Zeugen eine Schlüsselrolle bei der Demontage des Idols zukommt.

Vor einigen Jahren wurden auch Sony Pictures Ambitionen nachgesagt, das Leben des vom Krebsüberlebenden zum Seriensieger avancierten Radlers zu verfilmen. Offenbar verschwanden die Pläne aber in der Schublade, als sich abzeichnete, dass die Heldengeschichte gar keine ist. Sondern in Wahrheit allenfalls Satire.

Armstrong selbst hat seit seinem Auftritt bei Oprah Winfrey Mitte Januar öffentlich kaum gesprochen. Kürzlich erst gewährte er in seinem Haus in Austin/Texas einem Sports-Illustrated-Kolumnisten ein dreistündiges Interview, aus dem der allerdings nicht wörtlich zitieren durfte in der aktuellen Ausgabe des Magazins. Dennoch gibt es Neuigkeiten. Daran, dass er 1996 im Krankenhaus vor Zeugen Ärzten seinen Dopingmittelkonsum beichtete, will Armstrong sich nicht mehr erinnern („Ehrlich“). Bei Winfrey hatte er zu dieser Frage einen Kommentar abgelehnt. Und warum er Mitwisser und unliebsame Weggefährten mit Klagen überzog? Weil es exquisit dotierte Sponsoringverträge gefährdet hätte und weil seine Partner Armstrong den Eindruck vermittelt hätten, er müsse aggressiv alles abstreiten, berichtet Kolumnist Michael McCann.

Auf 125 Millionen US-Dollar (rund 96 Millionen Euro) wird Armstrongs Privatvermögen geschätzt. Vor allem die Klage des Staates, die Ex-Fahrerkollege Floyd Landis (37) ins Rollen gebracht hat, droht verheerend ins Kontor zu schlagen. Es könnte um mehr als 90 Millionen US-Dollar (rund 69 Millionen Euro) gehen. Als Miteigentümer der Rennstall-Betreiberfirma Tailwind Sports soll Armstrong die staatliche Post als Hauptsponsor im US-Postal-Team (1999 bis 2004) jahrelang betrogen haben, so die Argumentation.

Die Gegenargumentation seiner Anwälte zielt vor allem auf technische Detailfragen ab und auf eine These, die im Kern lautet: alles verjährt, mithin nichts mehr zu holen beim Sportmillionär. Ob Armstrong damit durchkommt, wird die spannende Frage der kommenden Monate sein. Nach der Versicherungsfirma SCA, die Armstrong in einem Schiedsverfahren 2005 unter Eid belog und die nun mehr als zwölf Millionen US-Dollar (9,2 Millionen Euro) Schadenersatz fordert, steht darüber hinaus bereits der nächste Kläger aus der Branche mit einer Klageandrohung in der Warteschleife.

Das Unternehmen Acceptance Insurance hatte Armstrong für die Jahre 1999 bis 2001, genau wie später SCA, Prämien für seine Toursiege auszahlen müssen. Der aktuelle Streitwert liegt bei drei Millionen US-Dollar, Schadenersatzforderungen noch nicht eingerechnet. Das berichtete der Sender ABC.

Unberührt von den Klageandrohungen sind bislang Armstrongs Comebackjahre 2009 und 2010 geblieben. Die Tour de France vor vier Jahren beendete er auf einem bemerkenswerten dritten Rang – diesmal clean, wie er beteuert. Nicht nur Fachleute bezweifeln das jedoch mit Blick auf frappante Blutwerte in jenem Jahr.

Bradley Cooper in der Hauptrolle

Auch Fahrer wie der seinerzeit viertplatzierte Brite Bradley Wiggins (32) glauben Armstrong kein Wort. „Ich erinnere mich, wie ich eng an eng neben ihm fuhr, ihn und seine Körpersprache beobachtete. Im Vergleich war der Mann, den ich 2009 oben in Verbier und den ich dann zwei Wochen später auf dem Gipfel des Ventoux sah, nicht derselbe Radfahrer.“ In Verbier noch abgehängt, hatte Armstrong Wiggins am Ventoux düpiert. Weil er gedopt war? Wiggins sagt ohne Umschweife: „Ich dachte: du verlogener Bastard!“

Facettenreich wird ein Film über Lance Armstrong werden, so viel steht fest. Für die Hauptrolle hat sich bei Produzent J.J. Abrams ja bereits Bradley Cooper (37) beworben, was eine prima Pointe mit sich bringt. 2011 glänzte der Hollywood-Beau im Film „Ohne Limit“. Englischer Untertitel: „Was, wenn eine Pille dich reich und mächtig machen könnte?“