1. FC Union

Aus der Traum von der Bundesliga

1. FC Union verliert trotz Überzahl das Verfolger-Duell bei Energie Cottbus

Die Schritte waren schwer, als die Spieler des 1. FC Union vor ihre Fans traten. Auch die Gesänge, mit denen die gut 4000 mitgereisten Anhänger im Stadion der Freundschaft die Mannschaft lautstark empfingen, wollten nicht wirklich Linderung verschaffen. Zu groß war die Enttäuschung, zu leer die Blicke der Profis nach dem Berlin-Brandenburg-Derby bei Energie Cottbus. „Die Niederlage ist noch schmerzlicher, weil sie in einem Derby passiert ist“, sagte Verteidiger Björn Kopplin mit leiser Stimme. Mit 1:2 (1:1) hatte Union verloren. Dabei spielte das Team von Trainer Uwe Neuhaus fast eine Stunde lang mit einem Mann mehr.

„Heute hat man gesehen, warum wir nicht weiter oben stehen. Die Mannschaft ist willig, sie arbeitet gut, spielt guten Fußball, erarbeitet sich Chancen“, bilanzierte Neuhaus: „Aber es fehlt der Killerinstinkt.“ Dieses unbedingte Wollen, dieser letzte Einsatz, ein nicht immer hochklassiges, jedoch zu jeder Zeit rassiges Derby für sich zu entscheiden, war gestern Nachmittag in letzter Konsequenz nur bei den Cottbusern zu sehen. Mit dem Fazit, dass der FC Energie mit nun 38 Punkten auf Rang fünf vorrückte, derweil Union mit weiter 35 Zählern lediglich Achter ist. Der zarte Traum von der ersten Liga dürfte damit ausgeträumt sein.

Die Partie hielt, was man sich von ihr versprochen hatte, zumindest was Kampf und Leidenschaft betraf. „Ein gutes Derby“, befand Neuhaus. Energie-Coach Rudi Bommer sprach von einem „richtig geilen Derby“. Doch schon in den ersten Szenen wurde deutlich, dass die Berliner vor nur 14.212 Fans einen schweren Stand haben würden. Cottbus wirkte frischer, war vor allem in der ersten halben Stunde stets einen Tick schneller am Ball. Dabei hatte Neuhaus die Seinen vorher noch entsprechend gebrieft. Genaues Passspiel sollte dafür sorgen, dass der Gegner mehr laufen muss. Die Rechnung ging nicht auf.

Rote Karte für Bittroff

Dazu passte, dass die Führung der Lausitzer aus dem berühmten Nichts fiel. Zehn Minuten waren gespielt, als Daniel Adlung einen Schuss ansetzte, dabei jedoch geblockt wurde. Im Anschluss schafften es Unions Roberto Puncec, Christian Stuff und auch Kopplin nicht, das Spielgerät einfach wegzuhauen. Zur Freude von Adlung, der noch einmal draufhielt. Der Schlenzer schlug neben dem linken Pfosten ein, 0:1. „Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt, dass er das öfter machen muss“, sagte Bommer über seinen Torschützen. Offenbar hatte dieser gut zugehört.

Erst der Platzverweis gegen Energies Alexander Bittroff brachte die Gäste wieder richtig zurück ins Spiel. Ein verunglückter Schuss des Cottbuser Torwarts Thorsten Kirschbaum direkt vor die Füße von Torsten Mattuschka leitete die erste Großchance für Union ein. Ein Pass des Kapitäns, Adam Nemec tauchte im Strafraum frei vor Kirschbaum auf – und wurde von hinten durch Bittroff umgestoßen. Schiedsrichter Felix Brych entschied zu Recht auf Elfmeter und Rot für den Cottbuser. Eine Chance, die sich Mattuschka nicht entgehen ließ. Gegen wütende und ohrenbetäubende Pfeiftiraden von den Rängen lief Unions Spielmacher, ein gebürtiger Cottbusser, an und versenkte den Strafstoß unaufgeregt rechts unten im Tor. Energie-Keeper Thorsten Kirschbaum hatte keine Chance, 1:1 (37.).

Was nach der Pause folgte, erklärten die Unioner wie folgt. „Wir haben einfach kein Rezept gefunden“, sagte Stuff. „Wir haben immer wieder versucht, Fußball zu spielen, aber es hat nicht so geklappt“, meinte Kopplin. „Die Vehemenz, mit der Cottbus nachgesetzt hat, war der Unterschied“, ergänzte Trainer Neuhaus.

Dabei waren die Berliner gut aus der Kabine gekommen. Björn Jopek schlenzte aus 16 Metern an die Latte (47.), einen Kopfball von Nemec konnte Torwart Kirschbaum entschärfen (50.). Zudem brachte Neuhaus mit Fabian Schönheim für Puncec einen Verteidiger „der sicherlich Vorteile gegenüber Puncec in der Spieleröffnung hat“. Auch Christopher Quiring (kam für Baris Özbek) sollte das spielerische Element beleben. Doch den Hausherren aus Cottbus gelang es immer wieder, den Gegner vom eigenen Tor fernzuhalten. Die Entscheidung fiel innerhalb von drei Minuten. Es lief die 67. Minute, als der Cottbusser Marc Andre Kruska einfach draufhielt. Der Ball klatschte an die Latte und von da auf die Linie des Union-Tores. Boubacar Sanogo, eigentlich einen Schritt hinter Union-Verteidiger Stuff, schaltete am schnellsten und köpfte den Ball mit vollem Einsatz über die Linie. Drei Minuten später setzte Mattuschka aus 14 Metern den Ball nur an den linken Pfosten. „Keine Frage, ich muss das 2:2 machen“, sagte Mattuschka hinterher. Quiring (79.) und Stuff per Drehschuss (88.) vergaben die letzten Möglichkeiten.

Es war der Cottbuser Ivica Banovic, der es auf den Punkt brachte. „Wir haben heute Charakter mal zwei gezeigt“, sagte der Kroate. Den Unionern blieben da nur der schwere Gang in die eigene Fankurve und die Erkenntnis, das Duell um die Nummer eins im Fußball-Osten verloren und auswärts erneut einen Big Point im Kampf um Platz drei verpasst zu haben.