Eisschnelllauf

Neuer Ärger mit Pechstein

Berlinerin wirft ihrer Teamkollegin Beckert Arbeitsverweigerung vor

Die Attacke der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein gegen ihre Teamkollegin Stephanie Beckert hat im deutschen Team beim Weltcup-Finale in Heerenveen für reichlich Unmut gesorgt. Die Berlinerin hatte Beckert nach dem schwachen Rennen in der Teamverfolgung am Freitag Arbeitsverweigerung vorgeworfen und eine öffentliche Entschuldigung gefordert.

„Wir haben es analysiert und werden es mit den Trainern intern weiter diskutieren. Wir sind in einer Evaluierungsphase“, sagte Teamchef Helge Jasch, der mögliche Konsequenzen für Pechstein nicht kommentieren wollte: „Wir werden die Ergebnisse der Gespräche nach dem Weltcup bekannt geben. Dass wir eine schlechte Zeit hatten, steht außer Frage.“

Pechstein, Beckert und Bente Kraus hatten beim Start der Teamverfolgung Abstimmungsprobleme. Langstrecken-Spezialistin Beckert, als schwache Starterin bekannt, musste ihren Mannschaftskolleginnen über eine Runde lang hinterherlaufen. Sie hatte gleich nach dem Start dem von der Berlinerin Bente Kraus angeschlagenen Tempo nicht folgen können. Die Erfurterin ließ sofort abreißen, so dass das Trio das Rennen praktisch schon in der ersten Runde verloren hatte. In 3:09,47 Minuten landete es mit neun Sekunden Rückstand auf die siegreichen Niederländerinnen (3:00,50 Minuten) abgeschlagen auf dem vierten Rang.

Pechstein und Beckert, die gemeinsam mit Anni Friesinger, Daniela Anschütz-Thoms und Katrin Mattscherodt in Vancouver 2010 Team-Olympiasiegerinnen geworden waren, hatten in der Vergangenheit bereits mehrfach Meinungsverschiedenheiten. Pechstein hatte in Vancouver wegen ihrer Dopingsperre gefehlt.

Wenig Verständnis für Äußerung

Einige deutsche Athleten zeigten sich allerdings verwundert über Pechsteins überaus kritisches Verhalten. „Es ist nicht geschickt, so etwas auf Facebook zu setzen. Aber das müssen Claudia und Stephanie selbst untereinander klären“, sagte beispielsweise Monique Angermüller zur Attacke der im Team nicht durchgängig beliebten 41-jährigen Pechstein. Angermüller weiter: „Ich glaube nicht, dass jemand in unseren Leistungsregionen so etwas macht. Keiner treibt doch solche Spielchen.“ Über 3000 m (Einzel) war Pechstein in 4:05,82 Minuten Vierte, Beckert kam in 4:09,92 nur auf Platz zwölf.

Angermüller selbst hat zum Abschluss der Weltcup-Saison eine Top-Ten-Platzierung knapp verfehlt. Über 1000 Meter lief die Berlinerin in 1:17,16 Minuten auf Rang zwölf. Der Tagessieg ging an Olympiasiegerin und Weltmeisterin Christine Nesbitt aus Kanada (1:15,48). „Um besser zu werden, muss ich künftig wohl die 1500 Meter laufen“, sagte Angermüller. Den Sieg im Gesamtweltcup holte die Amerikanerin Heather Richardson (525 Punkte) vor ihrer Landsfrau Brittany Bowe (480) und der Tschechin Karolina Erbanova (465). Angermüller belegte Rang 13 (188).

Auch Samuel Schwarz ist in den Niederlanden klar an einem Spitzenresultat vorbeigelaufen. Der Berliner wurde am Sonnabend über 1000 Meter lediglich Neunter. Nach einem Fehlstart baute Schwarz auf den letzten Metern entscheidend ab und kam im Duell mit Olympiasieger Shani Davis nach 1:10,01 Minuten ins Ziel.

Den Sieg vor heimischem Publikum holte sich Weltmeister Stefan Groothuis aus den Niederlanden in 1:08,91 Minuten vor seinen Landsleuten Mark Tuitert (1:09,22) und Kjeld Nuis (1:09,24) sowie US-Boy Davis (1:09,24). Dank Rang drei gewann Nuis auch die Weltcup-Gesamtwertung über 1000 Meter. Schwarz, dem in dieser Saison sein zweiter Weltcup-Erfolg gelungen war, blieb insgesamt auf Rang vier. Er hatte im Dezember in Harbin/China das Rennen über die von ihm bevorzugte Distanz gewonnen.