Motorsport

Reifeprüfung für Rosberg

Der Mercedes-Pilot muss den Sprung vom Talent zum Siegfahrer schaffen

Nico Rosberg muss noch viel lernen. Ausgerechnet sein Rivale Lewis Hamilton soll ihm einige Tricks verraten – aber nur auf der Gitarre. „Ich will spielen wie Keith Richards“, sagt Rosberg, „ich habe aber gerade erst angefangen – Lewis spielt schon sehr gut.“ Im Auto kann und will er sich dagegen nicht mehr viel abgucken von einem der Superstars der PS-Branche.

Eine Woche vor dem Start in die neue Formel-1-Saison in Melbourne/Australien (17. März) präsentiert sich Rosberg selbstbewusst. „Ich bin top motiviert und so gut vorbereitet wie noch nie“, sagt Rosberg, „ich brenne auf die Saison.“ Es wird wohl die wichtigste seiner bisherigen Karriere. In seinem vierten Jahr im Mercedes ist der 27 Jahre alte Blondschopf davon beseelt, im Vollgaszirkel endlich den Sprung vom ewigen Talent zu einem Siegfahrer zu schaffen. Auf dem Weg nach ganz oben steht ihm dabei ausgerechnet sein Kumpel und neuer Teamkollege im Weg – der Brite Lewis Hamilton.

Doch Rosberg ist überzeugt, jeden schlagen zu können. Auch einen Hamilton. „Ich weiß, dass Lewis sauschnell ist. Aber ich muss mich nicht verstecken“, sagt Rosberg, „natürlich ist es wichtig, den Teamkollegen zu schlagen. Deshalb ist der Druck da, aber wie vor jeder anderen Saison auch. Und klar: Ich bin lieber vor meinem Teamkollegen als hinter ihm.“ Zur Vorbereitung hat der Sohn von Keke Rosberg, der 1982 Weltmeister wurde, sein Trainingsprogramm umgestellt – weniger Ausdauer, mehr spezifisches Krafttraining. Während er Liegestütze macht, spielt er noch Memory – so soll die Konzentration geschärft werden.

Aber darüber redet Rosberg nicht gern. Auch nicht darüber, dass ihm nach Michael Schumacher (2010 bis 2012) nun mit Hamilton wieder ein Topstar vor die Nase gesetzt wurde. Doch frustriert darüber, dass der Cosmopolit aus Wiesbaden, der neben Deutsch auch noch Englisch, Französisch und Italienisch spricht, nicht zur Nummer eins befördert wurde, ist er nicht. „Bei uns gibt es keine Nummer eins oder Nummer zwei. Wir bekommen das gleiche Material, das ist unsere Philosophie – so war es auch in den vergangenen drei Jahren mit Michael. Lewis und ich begegnen uns auf Augenhöhe“, sagt Rosberg. Hamilton hält sich verbal zurück: „Das ist Nicos Team.“

Die Fans erwartet bei Mercedes in diesem Jahr jedenfalls das spannendste teaminterne Duell – einer der beiden Kumpel, die in Monaco im gleichen Appartementhaus wohnen, muss am Ende als Geschlagener einen Karriereknick verarbeiten. Rosberg erwartet indes nicht, dass die Freundschaft wegen der Rivalität leidet und Hamilton ihm in der Tiefgarage den Lack zerkratzen könnte. „Klar, der Teamkollege ist der erste Konkurrent. Aber was meinen Lack betrifft, mache ich mir keine großen Sorgen. Lewis und ich kennen uns schon sehr lange, sind schon zusammen Kart gefahren und Freunde geworden – gleichzeitig waren wir auch Mega-Konkurrenten“, sagt er, „es wird ein harter Kampf auf der Strecke, keine Frage. Aber wir fahren beide für Mercedes und wollen gemeinsam für Erfolge sorgen.“

Mit Schumacher hat Rosberg schon einmal einen höher eingeschätzten Teamkollegen entzaubert – Rosberg gelang 2012 in China der einzige Sieg seit der Rückkehr der Silberpfeile. 2013 soll, muss für die Marke mit dem Stern aber mehr rausspringen. „Wir haben bei den Testfahrten eine gute Basis geschaffen, und das Team marschiert voran. Wir gehen in die richtige Richtung – aber wo wir wirklich stehen, wird sich erst in Melbourne zeigen“, sagt Rosberg, „der nächste Schritt, konstant vorne unterwegs zu sein, muss jetzt unser Ziel sein.“