Fußball

Kampf um die Nummer eins im Osten

Der 1. FC Union will heute mit einem Sieg in Cottbus auch seine Ambitionen auf den dritten Platz in Liga zwei untermauern

Es waren deutliche Worte, die Uwe Neuhaus gewählt hatte. „Wenn wir in irgendeiner Weise in dieser Saison noch etwas erreichen wollen, dann müssen wir unsere Qualität in den Auswärtsspielen deutlich erhöhen. Sonst ist der Platz in der Region, in der wir uns befinden, nicht zu halten.“ Die klare Aussage des Trainers des 1. FC Union vor dem Berlin-Brandenburg-Derby heute bei Energie Cottbus (13 Uhr/Sky) machte deutlich: Union will unbedingt noch einmal eingreifen in den Kampf um Relegationsplatz drei. Und nebenbei auch seine Stellung als Nummer eins im Fußball-Osten untermauern. „Deshalb fordere ich auch von der Mannschaft ein, mit einem Sieg in Cottbus anzufangen“, fügte Neuhaus hinzu.

Der Saisonverlauf und der Spielplan wollen es so: Wieder stehen die Köpenicker Kicker vor einem richtungsweisenden Spiel. Wieder besteht die Chance, an den 1. FC Kaiserslautern bis auf zwei Zähler heranzurücken. Und es war Dirk Zingler, Unions Klubchef, der angesichts der Tatsache, dass sich kein Konkurrent aus dem Verfolgerfeld bislang entscheidend absetzen konnte, folgendes formulierte: „Jeder einzelne Spieler muss sich sagen: Es ist das Geilste überhaupt, in die Bundesliga aufzusteigen. Wenn sich die Tür öffnet, dann werden wir versuchen durchzuspringen.“

Sportlich lief es nur 2001/02 besser

Keine Frage, es wäre das i-Tüpfelchen auf eine insgesamt gute Zweitligasaison der Berliner. Sportlich stand Union nach 24 Spieltagen nur bei der Zweitliga-Premiere 2001/02 besser da (Fünfter mit 41 Punkten). Wirtschaftlich hingegen so gut wie noch nie. Mit einem Lizenzspieleretat (inklusive Scouting) von knapp 10,1 Millionen Euro (Gesamtetat: 19,5 Mio. Euro) in der laufenden Spielzeit hat Union die Konkurrenz aus Cottbus (7 Mio. Euro), Dresden (6,2) und Aue (5,5) längst abgehängt. Was die Mitgliederzahlen betrifft, hat Union (11.000) nur noch Dresden (11.806) vor sich, Cottbus kommt auf knapp 1900 Mitglieder. Auch in der Zuschauergunst haben die Lausitzer (10.784) gegenüber Union (16.284) klar das Nachsehen. Und mit dem neuen Stadion, das zudem noch in den Händen des Vereins und seiner Mitglieder liegt, scheint der Aufschwung in Köpenick noch nicht an seinem Ende angelangt zu sein. „Wenn man auf unsere ehemaligen Konkurrenten aus DDR-Oberligazeiten schaut, muss man sagen: Wir sind klar die Nummer eins“, sagte Zingler unlängst auf der Mitgliederversammlung.

Dazu passt, dass erst Ende Januar das Nachwuchsleistungszentrum erneut vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit zwei von drei möglichen Sternen zertifiziert wurde. Gleichzeitig wurde die Flatow-Schule, mit der Union zusammenarbeitet, vom Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) gestern als Berlins beste Eliteschule des Sports ausgezeichnet.

Allein schon deshalb ist die Mannschaft aufgefordert, sich mit einem Sieg in Cottbus die Minimalchance auf einen Sprung nach ganz oben zu bewahren. „Cottbus hat natürlich eine andere Klasse als Aue“, blickte Mittelfeldspieler Baris Özbek auf das 3:0 vor einer Woche zurück: „ Aber wir müssen weiter Spiel für Spiel sehen und konzentrieren uns jetzt nur auf Cottbus.“ Dort ist man jedenfalls gewillt, den sportlichen Angriff der Unioner abzuwehren. „Wir werden es zu Hause nicht zulassen, dass Union hier so einfach reinspaziert und mal so die drei Punkte mitnimmt“, meinte Energie-Coach Rudi Bommer. Im Gegenteil, aus dem Hinspiel, das Union 3:1 gewann, sei noch eine Rechnung offen. „Wir sind auf der Trainerbank von einigen Union-Spielern verbal provoziert worden, das vergisst man nicht“, meinte der Fußballlehrer. Und fügte hinzu: „Wir alle sind heiß auf das Derby. Alle meine Spieler sind fit und brennen darauf, auf dem Rasen um jeden Zentimeter zu kämpfen.“ Zur Extramotivation hat er sogar den Zeitungsausschnitt eines Berliner Boulevardblatts („Wir sind geil auf die erste Liga“) in die Kabine gehängt.

Spielerisch setzen die Lausitzer vor allem auf Stürmer Boubacar Sanogo, der vor einer Woche in Paderborn seine Torflaute beendet hat. „Sanogo hatte ja auch vor dem Hinspiel einen Lauf, dennoch konnten wir ihn stoppen“, glaubt Verteidiger Christian Stuff an eine Wiederholung. Anders als die Gastgeber wird Union personell jedoch nicht aus dem Vollen schöpfen können. Linksverteidiger Patrick Kohlmann (Adduktorenprobleme) fällt ebenso aus wie Stürmer Steven Skrzybski (Grippe). Und auch der Einsatz von Top-Torjäger Simon Terodde (acht Treffer) ist wegen eines grippalen Infekts stark gefährdet. „Seine Einsatzchance sehe ich bei 40:60. Aber dass er hundertprozentig fit wird, kann ich ausschließen“, sagte Trainer Neuhaus. Der Brasilianer Silvio steht als Ersatz bereit. „Er hat sich in der vergangenen Woche im Training so bemüht, wie ich mir das vorstelle“, erklärte der Coach.

Schließlich gab der Übungsleiter seinen Spielern noch etwas mit auf den Weg: „Unser Bestreben ist es, genau so passsicher zu spielen wie gegen Aue und den Gegner dadurch läuferisch ordentlich zu fordern.“ Das ist Union in den bisherigen elf Auswärtsspielen nur sehr selten gelungen. Angesichts des Restprogramms mit den Fahrten zu den Mitverfolgern FSV Frankfurt, SC Paderborn und 1860 München ist die Mannschaft aufgerufen, die Hoffnung auf Rang drei mit einem Sieg in Cottbus am Leben zu erhalten, so wie es Neuhaus gefordert hat.