Kriminalität

Bahn handelt Randale-Klausel mit Hertha aus

Verein muss verstärktes Fan-Engagement garantieren

In dem neuen Vertrag, den Hertha BSC und die Bahn unterzeichnen werden, gibt es ein Novum. Erstmals lässt ein Hauptsponsor bei einem Fußball-Profiverein festschreiben, dass das Verhältnis zu den Fans mit einem breiten Bündel an Maßnahmen zu verbessern ist. Die Bahn und Hertha werden die Vereinbarung als „Fan-Klausel“ darstellen. Aber auch die Begriffe „Anti-Krawall-Klausel“ oder „Randale-Klausel“ beschreiben das Problem. „Wir werden uns verpflichten, gemeinsame Aktivitäten in Angriff zu nehmen“, bestätigte Ingo Schiller, der Finanzchef von Hertha BSC.

Gemeint ist ein breites Spektrum an Maßnahmen. Das betrifft das konsequente Vorgehen gegen Einzeltäter, die negativ ausgefallen sind. Nach den Vorfällen in Dresden, als im Hertha-Block Pyros, Nebeltöpfe und Böller gezündet wurden sowie Spieler im Innenraum mit Gegenständen beworfen wurden, hatte der Tabellenführer der Zweiten Liga eine neue Linie der Härte gezeigt: Der Klub hatte zwischen der großen Menge der friedlichen Fans und den Randalierern unterschieden. Aber erstmals publiziert, dass Täter, die identifiziert werden, in Regress genommen werden. Eigentlich geht es in der Klausel aber um positive Aktivitäten, die den Zusammenhalt zwischen Fans, Spielern und Klub fördern sollen. Auch hier wird sich Hertha gegenüber der Bahn verpflichten, diesen Bereich auszubauen. Ein Sprecher der Bahn sagte: „Verstärkte Aktivitäten der Vereine mit den Fans sind wichtig, um das tolle Erlebnis in den Stadien zu erhalten.“

Wie vermeldet, geht die seit 2006 dauernde Liaison zwischen der Bahn als Brustsponsor und Hertha in die vierte Runde. Der neue Kontrakt, der in diesem Monat unterschrieben wird, läuft bis Juni 2015. Der Hauptstadt-Klub wird in der kommenden Saison – den Aufstieg vorausgesetzt – 4,5 Millionen Euro erhalten.

Im Idealfall wollen die Bahn und Hertha den „Berliner Weg“ („Bild“) gehen – ein sicheres und friedliches Erleben von Fußballspielen samt An- und Abreise. Die Klausel solle dazu beitragen, dass „partnerschaftlich und fair gespielt und miteinander umgegangen werde“, sagte ein Bahn-Sprecher der Morgenpost.

Nicht vorgesehen sind finanzielle Sanktionen gegen Hertha, sollte es im kommenden Jahr dennoch zu Problemen mit Fans kommen. Sinn der Vereinbarung sei nicht, dass der Klub zusätzlich zu Strafen seitens des DFB auch von der Bahn sanktioniert werde. „Hertha begibt sich nicht in die Hand einzelner“, sagte ein mit der Sache Vertrauter, „es sollen jene Fans gestärkt werden, die auf Fairplay setzen.“ Einzelne Anhänger von Hertha sind, wie bei anderen Vereinen auch, mehrfach auffällig geworden, vor allem auswärts. Allein in dieser Saison musste Hertha 17.000 Euro Geldstrafe nach Vorfällen in Cottbus, Aue und Paderborn zahlen.

Man darf gespannt sein, ob die neue Klausel Wirkung zeigt. Die Bahn und Hertha gehen davon aus, dass sich die zumeist „guten“ Fans und die wenigen schwarzen Schafe, die für Randale sorgen, trennen lassen. In der Wahrnehmung aber vor allem vieler Auswärtsfans gehört ein Stück Anarchie zum Lebensgefühl, wenn sie mit Hertha auf Tour sind.