Interview

„Mein Ziel ist ein Titel mit Hertha“

Torjäger Adrian Ramos über seine Zukunft, Trainer Luhukay und den Traum von der WM 2014

In jeder Taktikbesprechung der Gegner von Hertha BSC widmet der Trainer ein Kapitel Adrian Ramos (27). Der Stürmer der Berliner ist schnell und beweglich. Vor seiner Kopfballstärke wird vor jedem Spiel gewarnt. Doch der Kolumbianer ist Herthas Mann für entscheidende Tore. Wenn es gilt, das 1:0 zu erzielen oder eine Aufholjagd (wie beim 2:2 gegen Union) einzuleiten, ist regelmäßig der Torjäger zur Stelle. Außerhalb des Platzes ist der durchsetzungsstarke Profi ein ebenso scheuer wie höflicher junger Mann. Bei einem seiner seltenen Presse-Interviews begrüßt Ramos formvollendet Marta Alvarenga, die Übersetzerin, mit einem angedeuteten Diener. Außerdem waren für die Morgenpost Jörn Meyn und Uwe Bremer dabei.

Berliner Morgenpost:

Herr Ramos, Hertha hat in Dresden verloren. Sind Sie überrascht, dass auch Braunschweig in Duisburg verloren hat, und Sie immer noch Tabellenführer sind?

Adrian Ramos:

Nein. Im Fußball kann alles passieren. Wie wir gegen Dresden verlieren konnten, konnte eben auch Braunschweig gegen Duisburg verlieren. Das war unser Glück. Jetzt müssen wir uns weiter anstrengen. Dann denke ich, dass wir Tabellenführer bleiben.

Am Sonntag empfängt Hertha selbst den MSV. Ist die Mannschaft nach dem Sieg der Duisburger gegen Braunschweig gewarnt?

Der Sieg wird Duisburg noch einmal extra motivieren, denn sie kämpfen gegen den Abstieg. Wir wissen, dass sie uns alles abverlangen werden und müssen uns darauf einstellen. Wir müssen am Sonntag ein gutes Spiel zeigen und uns wieder mehr Tormöglichkeiten erarbeiten als zuletzt. Wir sind gewarnt.

In der laufenden Saison haben Sie bisher in 22 Spielen acht Tore geschossen und sechs Treffer vorbereitet. Sind Sie zufrieden damit?

Als Fußballprofi will man immer mehr und ist nie zufrieden. Natürlich will ich noch mehr Tore schießen. Der Saisonbeginn war für mich nicht so erfolgreich, doch nach und nach wurde es besser. Jetzt fühle ich mich persönlich auch wohler, und ich bin mit Hertha auf einem guten Weg. Aber ich weiß: Ich kann noch viel mehr. Ich hatte schon bessere Momente. Dennoch spielen wir derzeit erfolgreich, und das heißt, dass wir alle einen guten Job machen.

Sie waren vor zwei Jahren dabei, als Hertha aufgestiegen ist. Auch in diesem Jahr ist Ihrem Team der Aufstieg kaum noch zu nehmen. Welche Mannschaft war stärker: Hertha 2010/11 mit Raffael und Ramos? Oder Hertha 2012/13 mit Ronny und Ramos?

Beides sind verschiedene Mannschaften, die man schwer vergleichen kann. Mit Raffael war Hertha sehr stark. Aber auch mit Ronny sind wir derzeit sehr erfolgreich. Vor zwei Jahren hatten wir tolle Momente, aber auch einige Rückschläge. In diesem Jahr haben wir schlechter begonnen, dafür aber 21 Partien nicht verloren. Wenn wir so weitermachen, werden wir unser Ziel erreichen.

Wie wichtig ist es Ihnen, nicht nur zu gewinnen, sondern auch schönen Fußball zu spielen?

Ich versuche, beides zu erreichen. Im Fußball zählen nun mal in erster Linie die Ergebnisse. Dafür gibt es die Punkte und nicht für das schöne Spiel. Dennoch will jeder Spieler auch immer gut und schön spielen. Wenn das alle tun, ist die Wahrscheinlichkeit auch höher, dass wir am Ende gewinnen.

Sie gewinnen in dieser Saison zwar viele Spiele. Dennoch gab es zuletzt viel Kritik, dass Hertha nicht attraktiv genug spiele. Woran liegt das?

Ja, wir haben zuletzt fußballerisch nicht immer überzeugen können. Aber das geht anderen Mannschaften in der Liga auch so, und wir arbeiten daran. In der Zweiten Liga geht es darum, Punkte zu holen, um so schnell wie möglich wieder zurück in die Bundesliga aufzusteigen. Natürlich wollen wir auch für unsere Fans attraktiven Fußball spielen. Aber am Ende zählt nur, dass wir aufsteigen.

Ihr Trainer Jos Luhukay hat ein besonderes Verhältnis zu Ihrem Freund Ronny. Wie ist Ihr Verhältnis zum Trainer?

Ich denke, dass wir ein gutes Verhältnis haben. Er ist ein toller Trainer und ein guter Mensch. Er versucht, die Mannschaft zusammenzuhalten. Ich respektiere ihn sehr. Er hat immer zu mir gehalten, und ich habe viel von ihm gelernt.

In der kommenden Saison will Hertha wieder in der Bundesliga spielen. Wie groß ist die Differenz zur Zweiten Liga, und kann Hertha dort bestehen?

Das Niveau in der Bundesliga ist natürlich höher. Dort sind Mannschaften, die einen hervorragenden Fußball spielen können. Wenn wir es wirklich zurück in die Erste Liga schaffen sollten, was ich hoffe, dann müssen wir noch härter an uns arbeiten. Dann müssen wir uns noch einmal verbessern. Aber im Moment brauchen wir noch nicht darüber nachzudenken. Jetzt gilt unsere Konzentration nur der Zweiten Liga.

Muss die Mannschaft verstärkt werden?

Wir haben gute Spieler mit Perspektive. Aber jeder von uns muss sich für die Bundesliga noch verbessern. Der Trainer und die Verantwortlichen im Verein werden entscheiden, ob die Mannschaft neue Spieler braucht.

Sie sind 27 Jahre alt und spielen seit zehn Jahren professionell Fußball. Was wollen Sie in Ihrer Karriere noch erreichen?

Mein Traum ist es, irgendwann für einen großen Klub in Europa zu spielen. Aber zurzeit denke ich nur an Hertha. Wir wollen zurück in die Bundesliga. Es wäre auch ein Traum, mit Hertha einen Titel zu gewinnen. Das ist für uns alle ein großer Traum. Wir wissen, dass es schwer ist, aber dafür wollen wir arbeiten.

Ein anderer Traum von Ihnen ist die Weltmeisterschaft 2014 mit Kolumbien. Müssen Sie dafür zu einem anderen Klub wechseln?

Es war schon immer mein Traum, bei einer Weltmeisterschaft für mein Land zu spielen. Zurzeit werde ich nicht für die Nationalmannschaft nominiert. Aber meine Leistungen bei Hertha sind gut, und ich hoffe, dass ich bis 2014 alles richtig mache, um bei der WM dabei zu sein

Zu Beginn Ihrer Zeit in Berlin hatte Ihre Frau Maryi Probleme, sich zurechtzufinden. Sind Sie nun heimischer geworden?

Ja, sie hat sich mittlerweile gut eingelebt. Wir sind sehr glücklich in Berlin und genießen den Moment. In bin Gott dankbar, dass es meiner Familie gut geht.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Treffen Sie sich mit Kollegen? Oder sind Sie froh, mal niemanden aus dem Team zu sehen?

Manchmal treffen wir uns mit Ronnys Familie und gehen zusammen mit den Kindern in den Park. Sie laufen dann herum, und es gibt immer viel Essen. Manchmal treffe ich mich auch mit Freunden aus Kolumbien und aus Deutschland. Ich versuche, auch einmal vom Fußball abzuschalten und viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Herr Ramos, wer spricht besser deutsch: Sie oder Ihre Tochter Maria-Paula (4), die in Berlin in den Kindergarten geht?

(lacht) Ich glaube, Maria-Paula. Sie spricht schon fast perfekt deutsch. Da kann ich nicht mithalten.