Fußball

„Der Schiedsrichter hat Manchester getötet“

Nach Champions-League-Aus gegen Madrid erbost sich England über eine umstrittene Rote Karte

– Wie von Sinnen zeigte Sir Alex Ferguson nach dem Abpfiff auf Schiedsrichter Cüneyt Çakir. Manchester Uniteds Trainer-Ikone verweigerte anschließend sogar das Interview mit dem vereinseigenen Sender MUTV. Der 71-Jährige, seit neun Jahren mit Herzschrittmacher an der Seitenlinie, sei „verzweifelt“ und „nicht in fittem Zustand“, um über die spielentscheidende Rote Karte für Nani zu sprechen, erklärte Co-Trainer Mike Phelan. Er vertrat Ferguson bei der Pressekonferenz nach dem Aus in der Champions League gegen Real Madrid. Der europäische Verband Uefa hat sogar ein Disziplinarverfahren gegen Ferguson eingeleitet. Doch selbst Spaniens Sportblatt As schrieb: „Referee Cüneyt Çakir beging einen historischen Fehler.“

Der türkische Unparteiische wurde nach dem Achtelfinal-Rückspiel zur Zielscheibe heftiger Twitter-Attacken. Real-Coach José Mourinho schämte sich fast für den Sieg. „Das bessere Team hat verloren“, sagte der Portugiese. Zuvor hatte „Mou“ seinen Lieblingstrainerrivalen und Wein-Freund Ferguson kurz umarmt und war schon vor dem Schlusspfiff durch den Spielertunnel verschwunden.

Mit dem 1:1 aus dem Hinspiel im Rücken kontrollierte United das Spiel gegen die Madrilenen um den starken deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Sami Khedira – und ging durch Sergio Ramos’ Eigentor in Führung (48.). Nanis Platzverweis drehte die Partie komplett. Der Flügelspieler traf Gegenspieler Alvaro Arbeloa zwar mit gestrecktem Bein am Oberkörper (56.). Allerdings sah er seinen Gegenspieler nicht.

Ein Fan rief sogar die Polizei an

Ein United-Fan war sogar derart erbost, dass er kurzerhand die Polizei anrief. Der 18-Jährige aus der Nähe von Birmingham schwärzte Çakir unter der Notrufnummer 999 wegen eines „Verbrechens“ an, wie die Nottinghamshire Police berichtete. Inzwischen hat sich der Fan entschuldigt, er sei wirklich sehr aufgebracht gewesen.

Der englische Ex-Nationalspieler Gary Lineker twitterte: „Der Schiedsrichter hat Manchester getötet.“ Die Zeitung El País meinte: „Ein einziger Augenblick schleuderte Real ins Viertelfinale.“ Uniteds Schockzustand nutzten Joker Luka Modric (66.) und Cristiano Ronaldo (69.) zum Doppelschlag aus. Ausgerechnet der Heimkehrer Ronaldo. Aber der 28-Jährige hielt nach seinem Treffer im „Theater der Träume“ geradezu entschuldigend seine Handflächen nach oben. „Ich habe mein Tor nicht bejubelt aus Respekt vor den Manchester-Fans, die mir so viel gegeben haben“, sagte Ronaldo. „Das hier ist mein zweites Zuhause. Ich bin glücklich, weil Madrid weiter ist, aber auch ein bisschen traurig, weil United raus ist.“ Uniteds Akteure sagten nichts. Auch nicht Ryan Giggs, dessen 1000. Spiel als Fußballprofi ruiniert wurde. „Wir dürfen nichts sagen“, erklärte Nani. Sie sollten vor Schimpf-Tiraden auf den Referee bewahrt werden.

Englands selten zimperliche Presse hielt sich zurück mit einer Verschwörungstheorie, obwohl United in drei Partien unter Cakir nie gewann. Die Daily Mail befand: „Nur weil dein zu Unrecht beschuldigter Flügelspieler vom Platz fliegt, musst du in den nächsten zwölf Minuten nicht zwei Tore kassieren.“ Damit droht erstmals seit 1995/96 kein Premier-League-Klub das Viertelfinale der Königsklasse zu erreichen. Es sei denn, der FC Arsenal schafft gegen Bayern München nach dem 1:3 im Hinspiel noch das Fußball-Wunder.