Eishockey

Anführer wie Ustorf verzweifelt gesucht

Eisbären tun sich schwer im Endspurt um die Play-off-Plätze in der DEL

– Irgendwann, das war klar, musste der Tag kommen, an dem es offiziell gemacht wird. Im Endeffekt hätte es das zwar nicht gebraucht, denn Stefan Ustorf war immer anzusehen, dass er nicht mehr in den Sport würde zurückkehren können. Obwohl er diese Hoffnung nie aufgeben wollte. Mittlerweile hat er sich damit abgefunden, dass das Ende seiner Eishockey-Karriere unausweichlich ist. Am Donnerstag will der 39-Jährige es öffentlich bekannt geben.

Ja, so einen wie ihn, den könnten die Eisbären jetzt gut gebrauchen. Einen Kämpfer, einen willensstarken Leader, der die Mannschaft zusammmenhält, koste es, was es wolle. Aber es geht nicht mehr, seine Kopfverletzung (Schädel-Hirn-Trauma) nach einem Check im Dezember 2011 lässt Ustorf noch immer leiden. Im Prinzip leidet aber auch die Mannschaft darunter. Ustorf fehlt, aber nicht nur er. Auch Sven Felski oder Denis Pederson, ein Steve Walker, ein Richie Regehr, auch Derrick Walser.

Groß war in den vergangenen Jahren der Aderlass an Topspielern, die den EHC Eisbären zum führenden Klub in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) machten. Manche hörten aus Altersgründen auf, andere wie Ustorf wegen Verletzungen, einige verließen den Verein wegen besserer Verdienstmöglichkeiten. Auffangen konnte der Klub diese Verluste bislang nicht. Spiele wie das am Dienstag gegen Nürnberg verdeutlichen das, 2:5 unterlag der EHC drei Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde. „Das war das komischste Spiel der Saison, da ging nicht viel zusammen“, sagte Kapitän André Rankel. In einer entscheidenden Phase der Saison kein einfaches Bekenntnis beim sechsfachen Meister und Titelverteidiger.

Gedanken an die Jahre mit Ustorf und Co. kommen da schnell auf. Einigen wird das allmählich zu viel. „Vergleiche mit früher finde ich nicht gut“, so Rankel. Ihm werde zu sehr draufgehauen, statt auch mal das Positive zu sehen. „Natürlich lief nicht alles so, wie wir uns das vorgenommen haben, aber wir haben auch Wege gefunden zu gewinnen“, erzählt der Kapitän, der in dieser Position Ustorfs Nachfolger ist bei den Eisbären.

Besonders alarmiert fühlt sich auch Trainer Don Jackson nicht. „Wir hatten schon schwierigere Phasen in dieser Saison“, sagt er. Allerdings war die Ausbeute aus den vergangenen vier Spielen, die alle daheim stattfanden, mit nur zwei Siegen und permanenten Schwächephasen bei jedem Auftritt nicht gerade ideal. „Unsere eigene Vorgabe war es, alle Spiele zu gewinnen. Wir wollten nicht auf andere schauen müssen“, sagt Stürmer Travis James Mulock. Gegen Nürnberg hätten die Berliner bereits Platz vier und damit das Heimrecht im Viertelfinale sichern können. Nun ist die Entscheidung auf das Wochenende vertagt.

Um bei André Rankel zu bleiben, es gibt etwas Positives. „Wir haben alles selber in der Hand“, sagt er. Mit zwei Siegen in den Auswärtspartien beim EHC München am Freitag und bei den Straubing Tigers am Sonntag würden die Berliner den angestrebten dritten Rang erklimmen, da die Krefeld Pinguine nur noch ein Spiel auszutragen haben. Allerdings bestünde genauso die Möglichkeit, bei den beiden um das Pre-Play-off kämpfenden Kontrahenten mit zwei Niederlagen auf den sechsten Platz abzurutschen.

An den möglichen Gegnern für das Play-off-Viertelfinale ändern sich eventuell verschiebende Platzierungen an den letzten beiden Hauptrundenspieltagen nichts mehr. Die Berliner werden auf Krefeld, die Hamburg Freezers oder den ERC Ingolstadt treffen; Dritter gegen Sechster und Vierter gegen Fünfter der Tabelle lauten die Ansetzungen für das Viertelfinale, das am 20. März beginnt. „Für die letzten beiden Spiele brauchen wir jeden Mann, um zu gewinnen“, sagt Travis James Mulock, „aber wir sind eigentlich eine Gruppe mit Selbstvertrauen, die nicht nervös ist.“ Als Stefan Ustorf und die anderen noch für die Eisbären aufliefen, da war das ohne Frage so. Jetzt entsteht häufiger ein anderer Eindruck.