Finanzierung

Hertha verlängert das Bahn-Ticket

Neuer Vertrag mit dem Trikotsponsor bis 2015. Kommende Saison gibt es 4,5 Millionen Euro

– Der 15. März ist ein Schlüsseltag. Für jeden Fußball-Profiklub im Lande, so auch für Hertha BSC. Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller wird die Unterlagen zum Lizenzierungsverfahren für die Spielzeit 2013/13 kommende Woche in die Zentrale der Deutschen Fußball-Liga nach Frankfurt/ Main schicken. Ein wesentlicher Baustein des kommenden Haushaltes ist gesichert. So werden die Berliner den Vertrag mit Hauptsponsor Deutsche Bahn um zwei weitere Jahre bis 2015 verlängern. Als Tabellenführer der Zweiten Liga mit beruhigendem Vorsprung auf Relegationsrang drei wird Hertha in der (mutmaßlich) kommenden Bundesliga-Saison 4,5 Millionen Euro kassieren.

Die Summe liegt ziemlich exakt auf dem Niveau, das Hertha auch beim letzten Bundesliga-Gastspiel 2011/12 erhalten hat. Was den Erlös aus dem Brustsponsoring angeht, reiht sich Hertha im Vergleich zu anderen Erstligisten auf Platz zehn ein (Spitzenreiter ist Bayern München/ bis zu 25 Mio.). Schon vor einigen Wochen hatte der Bahnvorstand die Signale für eine weitere Zusammenarbeit auf Grün gestellt. Derzeit wird dieser Beschluss zwischen der Bahn, Hertha und Sportrechtevermarkter Sportfive umgesetzt. Unterschriften unter die Verträge werden in diesem Monat erwartet.

Für Hertha BSC ist der erfolgreiche Abschluss mit der Bahn unter mehreren Gesichtspunkten ein Erfolg. Zum einen geht die Partnerschaft zwischen den ungleichen Beteiligten, die seit 2006 währt, in die mittlerweile vierte Runde. Das ist nicht selbstverständlich. Eigentlich war die Bahn (größter Arbeitgeber in Deutschland mit 38 Milliarden Euro Umsatz in 2011) unter ganz anderen Vorzeichen im emotionalen Fußball-Geschäft angetreten. 2006 formulierte der damalige Unternehmens-Chef Hartmut Mehdorn, dass er Hertha nicht länger im Uefa-Cup, sondern bald in der Champions League erleben will. Die Entwicklung indessen ging in die entgegengesetzte Richtung. Nicht nur, dass Hertha die Königsklasse verpasste, in den Jahren 2010 und 2012 stiegen die Blau-Weißen gar in die Zweite Liga ab. Doch trotz der wilden Fahrt bekennt sich die Bahn für zwei weitere Jahre zu Hertha.

Und, anders als bei der vergangenen Laufzeit, wird der neue Vertrag keine Ausstiegsklausel enthalten, der Kontrakt hat sowohl für die erste als auch für die Zweite Liga Gültigkeit. Bahnchef Rüdiger Grube hat schon bei der Verlängerung im Februar 2011 gesagt: „Ich habe die Hoffnung, dass 2013 noch lange nicht Schluss sein muss.“

Ein anderer Aspekt dieser Entscheidung: Kritiker sprechen dem Klub seit Längerem Strahlkraft und Coolness-Faktor ab. Doch mit der Bahn als Brustsponsor und Nike als Ausrüster setzen zwei prominente Marken darauf, dass Hertha BSC sehr wohl eine attraktive Zukunft vor sich habe. Ein Puzzlestein ist, neben dem sportlich souveränen Auftreten in der laufenden Spielzeit, die Akzeptanz von Hertha in Berlin. Der aktuelle Zuschauerschnitt von 35.520 Zuschauern ist ein Topwert für Zweitligisten in Europa.

Dennoch wissen alle Beteiligten: Hertha hat Verbindlichkeiten von 41 Millionen Euro aufgetürmt, dieser Berg wird durch das aktuelle Zweitliga-Jahr noch ein Stück weiter wachsen. Die Entwicklung wird nur in kleinen Schritten vorangehen. Die Rückkehr in die Bundesliga im Mai soll ein erster sein.

63-Millionen-Etat für die Bundesliga

Auch mittelfristig ist für den Hauptstadt-Klub ein Start in der Champions League eher nicht realistisch. Statt dessen muss sich Hertha bemühen, dem Schicksal eines Fahrstuhlteams zwischen Ober- und Unterhaus zu entgehen und wieder ein etablierter Erstligist zu werden.

Die Bahn transportiert Wochenende für Wochenende Zehntausende von Fußball- Fans quer durch die Republik. Sie hat massiv mit den Schattenseiten dieser Aufgabe zu tun. Deshalb werden die Bahn und der mit 29.100 Mitgliedern größte Sportverein der Stadt versuchen, den Transport sicherer zu machen und den Respekt aller Beteiligten untereinander zu fördern. Nicht vorgesehen im Vertrag ist eine „Randale-Klausel“, wonach die Zuwendungen an Hertha abhängig wären vom Verhalten einzelner Störenfriede.

Der Aufstiegsaspirant will den Schwung der Verlängerung mit dem Brustsponsor nutzen. Auch die Verträge der Exklusivpartner Audi, Coca Cola und Carlsberg laufen aus. Da laufen die Verhandlungen.

Für die Bundesliga-Saison 2013/14 plant Hertha mit einem Etat von rund 63 Millionen Euro. Weil aber niemand weiß, was für einen wilden Verlauf die aktuelle Zweitliga-Saison nehmen kann, beantragen die Blau-Weißen vorsorglich eine Lizenz für das kommende Zweitliga-Jahr. Allerdings dann mit einem vergleichsweise kleinen Haushalt von 30 Millionen.