Champions League

Dortmund setzt auf die Offensive

Gegen Donezk will der Deutsche Meister heute ins Viertelfinale der Champions League stürmen und danach den Kader aufrüsten

Es kommt nicht so oft vor, dass Robert Lewandowski und Jakub Blaszczykowski einer Meinung sind. Die beiden Polen verbringen zwar große Teile ihres Lebens gemeinsam, sind sowohl in der Nationalmannschaft als auch bei Borussia Dortmund wichtige Leistungsträger, pflegen jedoch eher ein professionelles als ein freundschaftliches Verhältnis.

Doch was die Anforderungen für das Rückspiel im Achtelfinale der Champions League angeht, sind sie sich einig: Trotz des 3:1-Sieges über Hannover 96 in der Bundesliga – ohne eine nachhaltige Steigerung könnte es heute (20:45 Uhr) gegen Schachtjor Donezk eine böse Überraschung geben. „Da müssen wir noch besser spielen“, sagte Lewandowski, der mit einem Treffer beim 2:2 im Hinspiel maßgeblich mit dazu beigetragen hatte, dass die Dortmunder eine gute Ausgangsposition haben.

Spekulationen um Lewandowski

Die könnte allerdings auch trügerisch sein, mahnt Blaszczykowski. „Wir müssen die Probleme abstellen, die wir zuletzt hatten“, sagte der Rechtsaußen und meinte damit Defizite, die in den letzten drei Pflichtspielen zu Tage getreten waren: Teilweise fehlende Konzentration in der Defensive und Probleme im Spielaufbau. Das Fehlen von Abwehrchef Mats Hummels, der wegen einer Grippe pausieren musste, konnte nur schwer kompensiert werden. Die Mannschaft, die mit viel Elan in die Rückrunde gestartet war, hatte in den vergangenen Wochen die Zügel etwas schleifen lassen. Gegen Hannover war zwar das Bemühen erkennbar, sich gegen diesen Trend zu stemmen – doch ausgemerzt sind die Schwächen noch nicht.

In Dortmund wird zurzeit viel geredet, allerdings wenig über das Rückspiel gegen Schachtjor. Die anhaltenden Spekulationen über die Zukunft von Robert Lewandowski, die verbalen Auseinandersetzungen mit den Münchner Bayern rund um das verlorene DFB-Pokalspiel (0:1), die Attacken von Hans-Joachim Watzke gegen die sogenannten Werksvereine und schließlich die Ankündigung des Geschäftsführers, dass im kommenden Sommer „deutlich investiert“ werden soll, bestimmen die Schlagzeilen.

„Mit diesem ganzen Gerangel und den Gerüchten leben wir ja schon eine ganze Zeit“, erklärte Michael Zorc und forderte gestern, den Fokus ausschließlich auf Donezk zu richten: „Das hat der Trainer den Spielern auch klar zu verstehen gegeben.“ Die Mannschaft hätte speziell in der Champions League mittlerweile eine „sehr große Motivation“, sagte der Sportdirektor: „Wir wollen diesen Wettbewerb weiterhin mitgestalten und ihn nicht vom Sofa aus verfolgen.“

Zumal ein weiterhin erfolgreiches Abschneiden in der Champions League auch ein wesentlicher Faktor für die Zukunftsplanung ist. Wenn auch eher aus psychologischen Gründen. Die 3,9 Millionen Euro aus dem Prämienpool der Uefa, die fließen werden, wenn der Sprung unter die besten Acht gelingen sollte, wären nicht viel mehr als ein Bonus. Denn aus der laufenden Champions-League-Saison haben die Dortmunder bereits etwa 40 Millionen Euro eingenommen.

Der einzige börsennotierte Bundesligist ist auch wirtschaftlich wieder kerngesund. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte ein Rekordgewinn von 34 Millionen Euro ausgewiesen werden, im ersten Halbjahr 2012/13 wurden 17,5 Millionen verbucht. „Diese Zahlen sind ein weiterer Beleg für die kontinuierlich wachsende wirtschaftliche Stärke des BVB“, sagte Watzke, der schon bald die Weichen für eine Verstetigung des sportlichen Erfolges der letzten beiden Spieljahre stellen will.

Suche nach formbarem Stürmer

Sowohl was „die Breite“, als auch was „die Tiefe“ des Kaders betrifft, werde es im Sommer Optimierungen geben. Mit anderen Worten: Die Schwachstellen, beispielsweise bei den mangelhaften Alternativen für die Außenverteidigerpositionen, sollen beseitigt werden. Zusätzlich muss auf Sicht ein Ersatz für Lewandowski gefunden werden, der den BVB spätestens nach Ablauf seines Vertrags im Juni 2014 verlassen wird. Dies ist die wohl schwierigste Aufgabe, die Sportdirektor Michael Zorc zu lösen hat. „Wir werden gut vorbereitet sein“, kündigte er an, will sich jedoch, was das Anforderungsprofil eines neuen Stürmers angeht, nicht in die Karten schauen lassen. Fakt ist: Ein Ausnahmekönner wie Lewandowski dürfte sich nur schwer ersetzen lassen.

Hinzu kommt, dass trotz des nicht unbeträchtlichen finanziellen Spielraums, den Zorc ausschöpfen kann, immer noch das alte BVB-Prinzip „Nachhaltigkeit vor Schnelligkeit“ (Watzke) gilt: Ein neuer Stürmer muss bereit sein, sich dem laufintensiven Spiel bedingungslos unterzuordnen. Er muss talentiert, aber auch jung und noch formbar sein. Und er muss in den Gehaltsrahmen passen. Es gibt trotz der Ankündigungen von Watzke keinen grundsätzlichen Paradigmenwechsel in der Transferpolitik. Spekulationen, der BVB werde gar 40 oder 50 Millionen Euro in neue Spieler investieren, entbehren jeglicher Grundlage. „Aber es stimmt, dass wir unabhängig von Transfereinnahmen aktiv werden wollen“, sagte er. Derzeit wird der Markt gesichtet.