Motorsport

Elf Starts, elf Siege

Russe Khomitsevich dominiert das 40. Berliner Eisspeedwayrennen

Es war eine perfekte Vorstellung, die der fünfmalige Eisspeedway-Weltmeister Vitali Khomitsevich beim 40. Eisspeedwayrennen in Berlin den rund 6500 Zuschauern geboten hatte. Elfmal ging der 34-jährige Russe im Stadion Wilmersdorf ans Startband, elfmal sah er als Erster das Ziel. „Es ist wirklich unglaublich, aber die Russen haben einfach immer eine bärige Auswahl an Weltklasse-Fahrern.“ Für Max Niedermaier, der 1983 an der Seite von Helmut Weber und Gunther Brandt mit dem Gewinn der Team-Weltmeisterschaft für die größte Sensation in der Geschichte des Berliner Rennens gesorgt hatte, war es die pure Freude, Khomitsevich zuzusehen. „Außerdem treffe ich in Berlin immer reichlich Leute, mit denen man über alte Zeiten ratschen kann“, sagte der 61-jährige Ex-Champion – und ließ sich die ohnehin schon gute Laune durch ein kühles Bier noch einmal verbessern.

Für die Konkurrenz des Ausnahme-Russen war es eher frustrierend. Allen voran für den heimlichen Berlin-Favoriten Franz Zorn. Der Österreicher, immerhin siebenmal WM-Zweiter, erwischte ein „durchzogenes“ Wochenende. Nach Getriebeproblemen am Sonnabend reichte es im Finale nur zu Rang vier. Vor dem 42-Jährigen kamen Khomitsevich-Landsmann Eduard Krysow (29) und der Pole Gregorz Knapp (33) über die Ziellinie. Für Knapp, im Sommer auch erfolgreich als Bahnfahrer unterwegs, war es der erste Auftritt in Berlin. „Ich hoffe, ich kann wiederkommen. Das war ein richtig gutes Wochenende, nicht nur weil es für mich gut gelaufen ist. Jetzt hoffe ich noch, dass es auch in der WM noch ein bisschen besser wird.“ Knapp liegt nach zwei von fünf Rennen auf dem 13. Rang.

Neue Führungsspitze

Mit dem 40. Rennen geht eine Zäsur einher. Künftig sind nicht mehr die Gründerväter von der Berliner Landesgruppe des Deutschen Motorsport Verbands (DMV) für die Austragung in der Pflicht. Ab 2014 zeichnet die neu gegründete Eisspeedway Union Berlin verantwortlich.

„Wenn die es gut mit uns Fahrern und den Fans meinen, dann sollten sich die Neuen viel von den Alten abschauen“, empfahl Deutschland derzeit bester Starter Günther Bauer. Ganz sicher werden sich die Neuen überlegen müssen, inwieweit sie sich wieder um ein WM-Prädikat bemühen sollten. Momentan sieht es in der Szene so aus, dass sich ein Einladungsrennen wie in Berlin besser, weil freier im Regelwerk, bewerkstelligen lässt. Außerdem entfallen happige Genehmigungsgebühren. Dass Bauer nicht den angepeilten dritten Rang – sondern Platz sieben – belegt hatte, störte den 42-Jährigen aus Reit im Winkl nicht wirklich. „Das passt schon. Ich war nicht in bester Form und die Abstände waren sehr eng.“

Und der Mann des Wochenendes? Nach jedem Laufsieg verkroch sich Khomitsevich in seine Box, setzte sich in einen Regiestuhl, nippte an einem Mineralwasser und sah dem Mechaniker-Treiben rund um ihn herum zu. „Manchmal braucht man auch Glück. Mein Motorrad war gut – und ein bisschen auch ich“, ließ er nur einen Hauch Selbstlob zu.