Volleyball

BR Volleys: Neuer Vertrag für den Meistertrainer

Australier Mark Lebedew bleibt bis 2015 – mindestens

Manchmal hilft der Blick über den Tellerrand, um eine Entscheidung zu erklären. „Sehen Sie nur die Füchse, die auch langfristig mit Dagur Sigurdsson zusammenarbeiten“, sagt also Kaweh Niroomand, Geschäftsführer der BR Volleys. Das langfristige Engagement des Isländers habe sich bezahlt gemacht. Und Niroomand folgt dem guten Beispiel des erfolgreichen Berliner Handball-Bundesligisten: Am Dienstag verlängerte er den Vertrag mit Trainer Mark Lebedew (45) um zwei Jahre. Der deutsche Volleyball-Meister vertraut weiter den Fähigkeiten des in Adelaide geborenen Australiers. Der Kontrakt zu „angepassten“ (sprich: erhöhten) Bezügen beinhaltet die Option, 2015 um ein weiteres Jahr verlängert zu werden.

Natürlich gibt es noch ein paar andere gute Gründe neben dem Vorbild des Nachbarn in der Schmeling-Halle. Da ist einmal die sportliche Bilanz. In seiner ersten Saison erreichte Lebedew gleich das Meisterschaftsfinale, scheiterte 2010/11 mit der Berliner Mannschaft aber noch am VfB Friedrichshafen. Ein Jahr später hat er den Titel durch ein begeisterndes 3:2 in der Endspielserie gegen Generali Haching tatsächlich gewonnen – es war der erste im Volleyball für die Stadt seit 2004. Und in der aktuellen Spielzeit sieht es erneut sehr gut aus. Nur einmal verloren die BR Volleys in der Punkterunde, gehen als Tabellenerster und hoher Favorit ins Play-off. „Wir trauen uns zu, den Titel zu verteidigen“, sagt Lebedew in seiner gewohnt zurückhaltenden Art.

Stundenlange Videostudien

Seine Vorgesetzten trauen ihm offenbar noch ein bisschen mehr zu. Bei Sponsoren und Fans komme Lebedew ebenfalls gut an, sagt Niroomand. Das Wichtigste jedoch: „Wir haben nicht das Gefühl, dass Mark sich verbraucht gegenüber der Mannschaft“, lobt der Geschäftsführer, „er bildet sich ständig fort, war vor der Saison etwa in einem Camp in den USA. Und er bildet für den Weltverband auch Trainer aus.“ Lebedew habe einen guten Mix aus traditionellen Trainingsmethoden und modernen Inhalten gefunden, was im Team sehr gut ankommt.

Er ist außerdem ein akribischer Arbeiter. Erst nach stundenlangen Videostudien bereitet er seine Spieler auf die Gegner vor. So ist es auch zu erklären, dass die individuell sicher schwächer als das mit Olympiasiegern gespickte Team von Zenit Kasan besetzten Berliner den Titelverteidiger bei ihren beiden 2:3-Niederlagen in der Champions League zweimal in höchste Bedrängnis bringen konnten.

Nicht zuletzt schafft es Lebedew, eine gute Stimmung in der Mannschaft zu erhalten, obwohl etliche Nationalspieler oft zuschauen müssen, weil andere auf dem Feld stehen. Das Team ist eben sehr ausgeglichen besetzt. Aber jeder hat schon seine Chance bekommen, sich zu beweisen. So muss sich niemand als Reservist fühlen. Zuletzt integrierte der Trainer den erst 18-jährigen Ruben Schott vom VC Olympia in nur wenigen Trainingseinheiten, als sei es das Einfachste der Welt.

Wie er es schaffe, dass kein Neid aufkomme, dass die Grundeinstellung immer positiv bleibe? „Du musst nur gewinnen“, sagt er und lacht, „mit Gewinnen ist alles viel einfacher. Als Trainer“, redet er zugleich seinen Anteil am Erfolg etwas kleiner, „macht es sehr viel Spaß mit dieser Mannschaft.“ Er könne sich ganz auf den technischen, taktischen und strategischen Part konzentrieren, „Motivation und mentale Bereitschaft sind nie ein Thema. Diese Spieler sind immer motiviert“.

Traum vom Final Four

Für den Australier gilt dies offenbar auch. „Es ist gut, als Trainer langfristig arbeiten zu können“, sagt Lebedew und freut sich sehr, in Berlin bleiben zu können. „Das Projekt soll ja weiterlaufen. Und die europäische Bühne wird wichtiger.“ Sprich: das Abschneiden in der Champions League. Der 45-Jährige ist ein Stammgast bei den Final-Four-Turnieren dieses Wettbewerbs – bisher allerdings nur als Tribünengast. „Für einen Volleyball-Fan“, sagt er, „ist dieses Wochenende das beste des ganzen Jahres. Aber ich würde gern auch mal als Trainer mit meiner Mannschaft dabei sein.“ Ob ihm das mit den BR Volleys gelingen kann, steht in den Sternen. „Ich habe mir bis jetzt nur über diese Saison Gedanken gemacht“, sagt er, „wir bereiten uns auf das Play-off vor, dann sehen wir weiter.“ Seit Dienstag kann Lebedew seinen Blick sogar viel weiter schweifen lassen, bis 2015. Mindestens.