Handball

Niederlage und schweres Los für die Füchse

In der Bundesliga verlieren die Berliner Handballer gegen Kiel mit 33:40. In der Champions League wartet Atletico Madrid

Erst ein schweres Los fürs Champions-League-Achtelfinale, dann eine klare Niederlage im Bundesliga-Spitzenspiel beim Titelverteidiger THW Kiel: Es war gestern kein leichter Tag für das Handballteam der Füchse Berlin. Knapp acht Stunden, bevor die Füchse mit 33:40 (18:22) gegen Kiel verloren, wurde ihnen mit Atletico Madrid die wohl schwerstmögliche Aufgabe in der europäischen Eliteliga zugelost.

In Kiel sah es bis zur 21. Minute gut aus für die Füchse. Sie gingen das schnelle Spiel der Kieler mit und trafen selbst mit Tempogegenstößen. 15:15 stand es zu diesem Zeitpunkt. Ohne Nationalspieler Sven-Sören Christophersen (Knieprobleme) und den an Grippe erkrankten Cheftrainer Dagur Sigurdsson ließen sich die Füchse bis dahin nicht von der emotionalen Atmosphäre in der Kieler Halle anstecken. Nicht nur die THW-Spieler, auch die gut 10.000 Kieler Fans schienen besonders motiviert zu sein. Schließlich hatten die Berliner in der Hinrunde am 16. September 2012 mit einem 26:26 die 40 Bundesligaspiele dauernde Siegesserie des THW beendet.

Berliner machen viele Fehler

Aber nach dem starken Beginn leisteten sich die Berliner bis zum Wechsel auf einmal viele Unkonzentriertheiten, die die Kieler gnadenlos nutzten. Ballverlust Füchse, Tor Kiel – so lief es ein ums andere Mal. Zudem profitierten die Kieler von einer Zwei-Minuten-Strafe für den Berliner Mark Bult. Bis auf fünf Tore wuchs der Rückstand der Berliner (17:22), bevor Iker Romero den Halbzeitstand besorgte.

Die Fehlerquote der Füchse blieb hoch, die Folge: Berlin lag nach 40 Minuten 22:29 zurück. Geschäftsführer Bob Hanning und Assistenztrainer Alexander Haase, die Sigurdsson vertraten, nahmen eine Auszeit, aber auch das stoppte den Kieler Elan nicht. Seit dem Aufstieg 2007 hatten die Füchse bisher achtmal in Kiel gespielt und achtmal verloren. Niederlage Nummer neun war gestern gegen die meisterlichen Kieler nicht zu verhindern. Dazu waren die chancenlosen Berliner, die in Johannes Sellin (sieben Tore) ihren besten Werfer hatten, nicht gut genug. „Am Ende hat uns auch die Kraft gefehlt“, meinte Sellin. „Dann sind wir volle Kanne in die Kieler Konter gelaufen.“

In Europa gegen Madrid wird es, so hoffen die Füchse zumindest, nicht ganz so schwer. Der Wunsch von Kapitän Torsten Laen erfüllte sich nicht. „Bloß nicht Atletico“, hatte der Däne vor der Auslosung noch gesagt. Er sprach mit Blick auf die Spanier von einem „Angstgegner“. Doch kurz vor 12 Uhr wurde den Berlinern in Wien eben Madrid zugelost. Frust also bei den Berlinern über das Hammerlos? Weit gefehlt. Am weitesten lehnte sich Klub-Präsident Frank Steffel aus dem Fenster: „Das ist ein absolutes Traumlos“, jubelte er. Und der Bundestagsabgeordnete blickte gleich weit nach vorn: „Wir wollen ins Final Four nach Köln, und dafür müssen wir gewinnen.“

Das ist doch mal eine Ansage. Zwar würde nach einem Weiterkommen gegen die Spanier erst noch ein Viertelfinale auf dem Programm stehen, aber es spricht fürs gesunde Selbstbewusstsein der Berliner auf europäischer Bühne, dass man sich nicht kleiner macht, als man ist. „Das Rückspiel im Fuchsbau gegen Atletico wird erneut ein großes Fest“, ist sich der Präsident sicher.

Die Termine stehen noch nicht genau fest. Klar ist zumindest: Zuerst müssen die Füchse zwischen dem 13. und 17. März in der spanischen Hauptstadt antreten. Das Rückspiel findet dann zwischen dem 20. und 24. März in Berlin statt, der Vorverkauf läuft bereits. Wie von Frank Steffel angekündigt, wird im „Fuchsbau“ Max-Schmeling-Halle gespielt. Einen Umzug in die größere O2 World – wie beim Sensationssieg gegen Barcelona – wird es definitiv nicht geben.

Laens ungutes Gefühl hat einen realen Hintergrund: In der vergangenen Saison trafen beide Teams in der Gruppenphase schon einmal aufeinander. Zweimal unterlagen die Füchse (27:32, 33:37).

Doch inzwischen haben sich die Berliner noch ein Stück mehr auf dem Kontinent etabliert. „Wir sind in Europa eine feste Größe“, sagte Bob Hanning. Für ihn steht fest: „Es ist für uns sportlich das schwerste Los.“ Für die Fans hingegen sei es ein Traum: „Zwei Spiele gegen dieses spanische Spitzenteam…“ Atletico – Traum oder Albtraum für die Füchse? Die Spanier haben bisher dreimal die Champions League gewonnen – 2006, 2008 und 2009, damals noch als BM Ciudad Real.

Atletico gibt sich siegessicher

In der vergangenen Saison schaffte es Madrid bis ins Finale der Champions League. In dieser Spielzeit belegte Madrid in der Hauptrundengruppe B hinter dem THW Kiel und MKB Veszprem den dritten Platz. „Wir verstecken uns nicht, mittlerweile können wir mit allen Mannschaften mithalten“, betonte Hanning. Luis Miguel Lopez, der Sportdirektor von Atletico, stellte klar: „Unser Ziel ist natürlich das erneute Erreichen des Final Four.“ Man habe Berlin ja schon zweimal besiegt, „ich denke, wir werden das wiederholen können“. Momentan habe seine Mannschaft zwar Verletzungsprobleme, er hoffe aber, „alle werden wieder rechtzeitig fit sein.“

In der vergangenen Saison, der Premieren-Spielzeit der Füchse in der Königsklasse, schalteten die Berliner in der Runde der besten 16 Mannschaften den HSV Hamburg aus, den Deutschen Meister des Jahres 2011. Im Viertelfinale bezwangen die Füchse anschließend Ademar Leon aus Spanien – erst im Halbfinale des Final-4-Turniers in Köln war gegen den späteren Champions-League-Sieger THW Kiel Endstation für die Berliner.

Die Kieler treffen in der Runde der letzten 16 auf Medwedi Tschechow (Russland). Der HSV hat es mit den Slowenen von RK Celje zu tun. Flensburg trifft auf RK Velenje (Slowenien).