Dortmund gegen München

Lewandowski sollte heute lieber keinen Elfmeter schießen

Vor zwei Jahren schickte sich Borussia Dortmund an, eine Supermacht im deutschen Fußball zu werden.

Allerlei Rekorde pulverisierten die Westfalen dabei, aber sie brachten auch einen in ihren Besitz, den niemand halten möchte. Sie konnten 2010/2011 nämlich alles außer Elfmeter – alle fünf wurden verschossen. Gut, dass sie das Problem seither in den Griff bekamen, in den beiden Jahren danach saßen fünf von sechs Schüssen.

Am meisten wird sich Robert Lewandowski darüber freuen, dass sie wieder sichere Schützen haben beim BVB, denn wo sein Elfmeter gegen die Bayern hingehen würde, dürfte ja wohl klar sein. Denn auch Spieler, die gegen ihren künftigen Verein spielen, können alles außer Elfmeter.

So war es im Mai 1984 im legendären Pokalfinale zwischen den Bayern und Mönchengladbach, als Lothar Matthäus sich seinen Abschied so richtig vermasselte mit einem Uli-Hoeneß-Gedächtnisschuss. Was hilft es, dass er hinterher beteuerte, er habe ja nicht schießen wollen, doch Trainer Jupp Heynckes habe ihn gedrängt? Fortan war Matthäus, wann immer er an den Bökelberg zurückkehrte, für die Borussen-Fans nur der „Judas“. Dass es eventuell auch Nervenschwäche statt Hochverrat gewesen sein könnte, kam den Fans nicht in den Sinn.

Schon Dante schoss daneben

Ein Spieler, der in einem bedeutenden Spiel gegen seinen neuen Arbeitgeber aufläuft, steckt in einer verteufelten Situation. Am besten lassen sie ihn auf der Bank, im schlimmsten Fall schicken sie ihn zum Elfmeterpunkt. So verdonnerte auch Gladbachs Brasilianer Dante im Vorjahr im Pokalhalbfinale gegen die Bayern einen Elfmeter. Hoeneß, so sehr er sich über den Finaleinzug freute, fand: „Ich hätte Dante nicht schießen lassen. Die Diskussion um den Wechsel hat den Druck sicher nicht weniger werden lassen.“

Es geht im Kern wohl darum, dass die Spieler es besonders gut machen wollen, weil ja alle denken, dass sie es schlecht machen. Für Herrn Lewandowski, der zu den wenigen Eingeweihten gehört, die wissen, ob er überhaupt nach München geht, wird es auf alle Fälle ein spezielles Spiel. Wünschen wir ihm, dass er nicht zum Elfmeterpunkt gehen muss!

Im letzten Spiel der Saison 2008/2009 musste Mario Gomez mit seinem VfB Stuttgart zu den Bayern, für beide ging es um den zweiten Platz, der direkt in die Champions League führte. Der VfB verlor 1:2, nur Gomez „gewann“ irgendwie doch. Ein Jahr später erschien ein Buch von Jens Lehmann, der im VfB-Tor gestanden hatte. Darin behauptete Lehmann, Gomez habe eine große Chance vergeben „weil er einen Tag später nach München wechselte und sich mit seinem neuen Verein partout nicht die Mühle einer Champions-League-Qualifikation antun wollte“. Lehmann entschuldigte sich, als Hoeneß rechtliche Schritte androhte.

Aber auch wer sich besonders reinhängt, kann alles falsch machen. Anfang 2007 verpflichteten die Bayern Jan Schlaudraff von Aufsteiger Aachen, der beim 1:0 der Alemannia kurz darauf bester Mann war („Ich will es dem Allerletzten zeigen“). „Jetzt wechselt er zu einem Uefa-Cup-Teilnehmer“, frozzelten Mitspieler – und so kam es. München verpasste die Champions League, Aachen stieg ab – und weil die Bayern aus Frust den Transfermarkt plünderten (Franck Ribery, Luca Toni, Miroslav Klose), kam Jan Schlaudraff kaum zum Einsatz.