Basketball

Nowitzki bekommt in der NBA einen deutschen Gegner

Houston Rockets verpflichten Tim Ohlbrecht bis Saisonende

– Eine der ältesten Weisheiten amerikanischer Basketballtrainer lautet: „You can’t teach size.“ Frei übersetzt heißt das in etwa: Du kannst einem Spieler fast alles beibringen, ihn aber nicht länger machen, als er ist. Tim Ohlbrecht misst 2,10 Meter, die Spannweite seiner Arme ist entsprechend, und diese natürlichen Gaben haben ihm jetzt den ganz großen Karrieresprung ermöglicht.

Der 24 Jahre alte Center ist seit Montag neben Dirk Nowitzki und Chris Kaman der dritte Deutsche in der besten Basketballliga der Welt, der NBA. Ohlbrecht unterschrieb bei den Houston Rockets einen Vertrag bis zum Ende dieser Saison mit einer Option für zwei weitere Jahre. „Ich habe es geschafft!!! Ich kann es nicht glauben“, jubelte Ohlbrecht nach der Unterschrift unter den Vertrag, der ihm in dieser Saison noch 142.081 Dollar und – sollte die Option gezogen werden – in den folgenden zwei Spielzeiten weitere 788.872 und 915.243 Dollar einbringen wird.

Ohlbrechts Freude ist verständlich, denn in der heimischen Bundesliga war der 84-malige Nationalspieler, der zuvor bereits in Leverkusen, Bamberg, Bonn und Frankfurt aktiv war, nicht erste Wahl. Obwohl er mit Nowitzki und Kaman bei den Olympischen Spielen in Peking für Deutschland gespielt hatte. Unbeständig und zu weich sei er, hieß es. So entschloss er sich im vergangenen November zum wenig lukrativen Schritt in die NBA-Aufbauliga (D-League) und ging zu den Rio Grande Valley Vipers, dem Farmteam der Rockets. Dort absolvierte er 32 Spiele, kam im Schnitt auf 13,4 Punkte und 7,4 Rebounds und wurde ins All-Star-Team gewählt, wo er sich mit zwölf Punkten und zwölf Rebounds erneut für höhere Aufgaben empfahl. Jetzt wurde er für die Ochsentour belohnt.

„Es zeugt von großem Willen und Ehrgeiz, den harten Weg durch die D-League zu gehen“, gratulierte Bundestrainer Frank Menz. „Er musste sich richtig durchbeißen und jeden Tag beweisen – in einem Team, in dem jeder Spieler nur für seine Statistiken spielt.“

Zu weich? Zu unbeständig? Dass er die Vorbehalte widerlegt hat, dürfte für Ohlbrecht jetzt noch die Kirsche auf der Sahne sein. „Für mich ist ein Traum wahr geworden, den ich trotz diverser Rückschläge in der Vergangenheit nie vollständig aus den Augen verloren habe“, sagte der Center, der beim Draft 2010, der Talentschau der NBA, noch unberücksichtigt geblieben war. „Ich werde jetzt noch intensiver arbeiten, um diese Chance zu nutzen.“

Reifeprüfung bestanden

Im Vergleich zu Dirk Bauermann gratulieren zumeist eher entfernte Bekannte. Der ehemalige Bundestrainer war es, der den 17-jährigen Schlaks in Bamberg erstmals in der Bundesliga einsetzte und mit ihm prompt die Deutsche Meisterschaft gewann. „Ich freue mich sehr für ihn. Tim ist im Vergleich zu anderen Spielern seiner Generation oft schlecht weggekommen“, sagt Bauermann, der von seinem früheren Schützling überzeugt ist. „Tim ist gereift. Er kann sich dort durchsetzen.“

Mit den Rockets steht Ohlbrecht derzeit in der Western Conference der NBA mit 31 Siegen auf dem achten Tabellenplatz, dem letzten, der zur Play-off-Teilnahme berechtigt. Die Dallas Mavericks mit Nowitzki und Kaman kommen auf nur 25 Siege und müssen schnell eine Siegesserie starten, um das Play-off nicht zu verpassen. Die Mavericks treten Sonntag in Houston an. Ob Ohlbrecht das Texas-Duell schon zu einem direkten der deutschen Nationalspieler machen darf, bleibt abzuwarten. Aber Nowitzki freut sich mit ihm. „Sich durch die D-League zu kämpfen, ist verdammt schwer. Riesen Respekt. Willkommen in der NBA“, twitterte er.