Leichtathletik

Schlangen plant nun ein Leben abseits der Norm

Berliner 1500-Meter-Läufer wagt sich auf neue Wege

Carsten Schlangen wird am Wochenende sozusagen fremdlaufen. Etliche deutsche Meistertitel hat der 1500-Meter-Läufer von der LG Nord über seine Spezialstrecke in den vergangenen Jahren in der Halle und unter freiem Himmel gewonnen. Doch diesmal geht er bei den deutschen Hallenleichtathletik-Meisterschaften in Dortmund über 3000 Meter an den Start. Er spricht von „Loslösen von meiner Hauptstrecke“.

Es geht auch darum, ohne Druck locker zu laufen, Spaß zu haben. Mit freiem Kopf. „Es war ein schwieriges Jahr“, sagt der 32-Jährige, EM-Zweiter 2010 in Barcelona, im Rückblick auf 2012. Lange hatte er vergeblich versucht, die Norm für die Olympischen Spiele in London zu knacken. „Die ganze Zeit hatte ich nur London, London, London im Kopf.“ Und die Tatsache, dass ihm immer noch die Normzeit fehlte. Nun kann man nicht alle paar Tage ein Rennen bestreiten. Man braucht gute Bedingungen, aber auch gute Konkurrenz – und muss überhaupt zu einem entsprechenden Meeting eingeladen werden.

Wenige Stunden vor Ultimo schaffte es Schlangen in Bottrop in einer Zeit (3:33,64 Min.), die seit 15 Jahren kein Deutscher mehr erreicht hatte. Bei den Spielen verpasste er dann jedoch das Finale. „Ich hatte in den Wochen davor zu viele Körner verloren und konnte dann nicht zeigen, was ich wirklich drauf habe.“

WM-Teilnahme nicht um jeden Preis

Schlangen hat für sich Konsequenzen gezogen. „Ich werde nicht wieder auf Teufel komm raus der Norm hinterherjagen.“ Deshalb kommt zum Beispiel eine Teilnahme an der Hallen-EM in Göteborg (1.-3. März) gar nicht in Betracht. Was aber nicht heißen soll, dass Schlangen für den Sommer keine Ziele hat. Natürlich lockt die WM im August in Moskau. Aber nicht um jeden Preis. „Ich will auf alle Fälle zeigen, dass ich von der Leistung her gut mitlaufen kann.“ Dass er in guten Feldern etwas zu suchen hat. Wenn das klappt, wird er eine gute Zeit laufen – und sich auch für Moskau qualifizieren. Was möglich ist, hat er schließlich in Bottrop bewiesen.

Schlangen will einfach versuchen, sich von der Fixierung auf die Norm zu lösen. „Sonst machst du dich bei jedem Lauf verrückt.“ Und von Versuch zu Versuch „wird die Luft dünner“. Er kennt das alles aus leidvoller Erfahrung. Seine Hoffnung, dass sich der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) der bisher geltenden Regel des Weltverbandes (IAAF) anschließt und auch Leistungen aus dem Vorsommer als Normen herangezogen werden können, hat sich vor ein paar Tagen zerschlagen: Die IAAF hat den Passus gestrichen.

Der studierte Architekt Schlangen, der neben dem Sport als freier Mitarbeiter für Architekturbüros arbeitet, wird aber auch in Dortmund ehrgeizig starten. Denn er weiß um seine Chancen über 3000 Meter: „Das sieht gar nicht schlecht aus.“

Bauschke hofft auf Weitsprungtitel

Gute Titelchancen hat auch Melanie Bauschke von der LG Nike im Weitsprung. Die 24-Jährige hat beim Meeting in Karlsruhe am 2. Februar ihre persönliche Bestweite um einen Zentimeter auf 6,68 Meter verbessert. Damit hat sie sich für die Hallen-EM qualifiziert. Im vergangenen Jahr war ihr großes Ziel die Teilnahme an den Olympischen Spielen gewesen. Doch Bauschke scheiterte an der Norm. „Das war schon sehr enttäuschend für mich“, gibt sie zu. Entsprechend schwer sei es ihr gefallen, „wieder in die neue Saison einzusteigen“. Jetzt aber sagt sie klipp und klar: „Mein Ziel ist der Titel.“

Viel hatte sich auch Lucas Jakubczyk vorgenommen. Der Sprinter vom SCC, 2012 Deutscher Meister über 100 Meter und bei der EM mit der Staffel Silbermedaillengewinner, hatte sich zuletzt bei Starts in Linz, Luxemburg und Birmingham kontinuierlich gesteigert. Beim British Athletic Grand Prix am vergangenen Sonnabend war er in 6,71 Sekunden noch Sechster geworden. Doch am Montag wurde beim 27-Jährigen eine Mandelentzündung diagnostiziert. „Jetzt kann man nur die Daumen drücken, dass es vielleicht doch für einen Start reicht.“