Kritik

Fachverbände setzen Dopingagentur Wada unter Druck

Es hagelt Vorwürfe von allen Seiten.

Zu wenig kooperativ, zu selbstherrlich und zu ineffektiv – so sehr stand die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in ihrer 14-jährigen Geschichte noch nie im Kreuzfeuer. Auf Druck der internationalen Sportfachverbände hat das IOC eine Sonderkonferenz beschlossen, auf der Ende April oder Anfang Mai in Lausanne die Rolle der Wada ausführlich diskutiert werden soll. Bei der außerordentlichen Sitzung, zu der die Weltverbände, Spitzenfunktionäre Nationaler Olympischer Komitees und Athleten eingeladen werden, soll auch die künftige Führung der Wada besprochen werden.

Das Verhältnis zwischen dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und der Wada gilt seit geraumer Zeit als stark belastet. Nicht nur der Konflikt zwischen der Wada und dem Radsport-Weltverband (UCI) nach dem Dopingskandal um Lance Armstrong signalisierte atmosphärische Störungen. Mit den Beleidigungen, die UCI sei „hinterlistig“, „einseitig“ und „arrogant“, hatte die Wada die ohnehin angespannte Lage weiter angeheizt. „Inzwischen hat die Situation einen Tiefstand erreicht, und es besteht die echte Sorge, dass die Kooperation noch schlechter wird, wenn es so weitergeht“, sagte Andrew Ryan, Direktor aller olympischen 26 Sommersportverbände (Asoif).

Vor allem das Auftreten von Wada-Chef John Fahey, dessen Amtszeit am Jahresende ausläuft, stößt auf breite Ablehnung. Knapp eine halbe Milliarde Euro werde pro Jahr für Dopingkontrollen ausgegeben, aber nur wenige Athleten würden mit positiven Tests erwischt, lautet der Hauptvorwurf an Fahey. „Das Vertrauen ist zerbrochen. Es gibt inzwischen verschiedene Verbände, die gegen die Wada giften und umgekehrt“, gab Ryan zu.