Bayern-München

Heynckes spielt auf Zeit

Bayern-Trainer entzieht sich vor dem Champions-League-Spiel bei Arsenal allen Spekulationen

Bayern Münchens Trainer Jupp Heynckes ist schon häufig attestiert worden, er sei ein Vorbild. Als Spieler, als Trainer und natürlich auch als Arbeitnehmer. Der Mann ist schließlich 67 Jahre alt und führt seine Mannschaft am Dienstag ins Champions-League-Achtelfinale beim Londoner Klub FC Arsenal. Heynckes ist somit einer, der das von der Politik so vergeblich schmackhaft gemachte allgemeine Renteneintrittsalter auch wirklich erreicht hat. Und Heynckes, dessen Stuhl zur neuen Saison vom ehemaligen Barcelona-Coach Pep Guardiola eingenommen wird, will vermeintlich noch mehr. Irrer Plan! Holt Schalke Heynckes? schrieb die „Bild-Zeitung“.

Kein Kommentar

An dieser Stelle folgt, was folgen muss. Viele Worte, wenig Konkretes. „Ich kann nicht verhindern, dass mein Name bei dem einen oder anderen Klub gehandelt wird und es ein gewisses Wunschdenken gibt. Ich nehme das zur Kenntnis, aber wie ich schon gesagt habe: ich werde mich frühestens Ende der Saison oder spätestens dann, wenn ich mich entschieden habe, dazu äußern“, sagte Heynckes auf der Pressekonferenz vor dem Champions-League-Duell am Dienstag beim Podolski-Klub in London.

„Ich kann bestätigen, dass Jupp Heynckes quickfidel ist und einen super Job bei uns macht. Aber ich weiß nicht, was Schalke und Jupp Heynckes für Pläne haben. Ich denke, dass Jupp Heynckes die Entscheidung über seine Zukunft in aller Ruhe fällen wird“, vermeldete der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bereits vor dem Abflug nach London. Und Uli Hoeneß, Präsident beim deutschen Rekordmeister, ging noch einen Schritt weiter: „Das kann ich mir jetzt überhaupt nicht vorstellen. Das ist wohl ein kleiner Aprilscherz.“

Bliebe die Seite der Königsblauen. „Unser Kommentar dazu lautet: kein Kommentar!“, gab sich Schalkes Pressesprecher Thomas Spiegel zugeknöpft. Und Manager Horst Heldt vermied es ebenfalls, so etwas wie Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. „Da wird ein Name genannt und damit spekuliert wie mit vielen anderen Namen vorher auch, und es wird vermutlich auch nicht der letzte sein. Wir werden das nicht mehr kommentieren“, ließ der 43-Jährige wissen.

Heynckes war bereits von Juli 2003 bis September 2004 Cheftrainer der „Königsblauen“, wurde damals nach einem Fehlstart in die neue Saison durch Ralf Rangnick ersetzt. Ob das Interesse an Heynckes mehr als eine wilde Spekulation aus dem Schalker Umfeld ist, wird sich zeigen. Manager Horst Heldt war für einen Stellungnahme am Montag nicht zu erreichen. „Bild“ führte einige einleuchtende Argumente für die Liaison mit dem in Mönchengladbach geborenen Heynckes an: Er besitzt nach wie vor sein Haus in Schwalmtal am Niederrhein nahe der niederländischen Grenze, nur etwa 90 Kilometer von Gelsenkirchen entfernt. Er fühlt sich fit genug, um weiter Tag für Tag auf dem Trainingsplatz zu stehen und er korrigierte vor Wochen die Bayern-Darstellung, er würde in den Ruhestand gehen, wenn ihm Pep Guardiola in München nachfolgt. „Ich höre beim FC Bayern auf. Aber ich habe nicht gesagt, dass ich meine Trainerkarriere beende“, widersprach Heynckes seinerzeit der Hoeneß-Darstellung. „Es sind noch fünf Monate Zeit.“

Dass Schalke 04 zum 1. Juli einen Coach mit großer Persönlichkeit sucht, ist ausgemachte Sache. Seitdem wird beinahe täglich spekuliert. Zuletzt wurde Stefan Effenberg als Kandidat genannt. Zahlreiche weitere Namen wurden schon ins Spiel gebracht: Martin Jol (FC Fulham), Arsène Wenger (FC Arsenal), der sofort dementierte, Ex-Profi Mike Büskens, (Greuther Fürth) und Armin Veh von der Frankfurter Eintracht.

Die Bayern freuen sich jedenfalls, nach fünf ungefährdeten Rückrundensiegen mit 13:0 Toren im Bundesliga-Alltag nun auch auf der europäischen Fußballbühne ihre Titelreife nachweisen zu können. „Das sind die Spiele, die Spaß machen“, verkündete Toni Kroos voller Vorfreude. Und der Spielmacher stellte selbstbewusst klar: „Wenn wir eine Topleistung bringen, haben wir die bessere Mannschaft.“

Pokal-Pleite schmerzt Arsenal

Selbst der als Dauernörgler bekannte Momentan-Reservist Arjen Robben, der „gerne spielen“ würde, aber sein Ego im Zaum zu halten versucht, stellte fest:. „Das Thema muss Bayern gegen Arsenal sein – und dass wir gewinnen“, sagte der Holländer. Robben empfahl sogar insgesamt Demut: „Wir müssen nicht jetzt schon über das Finale reden. Davon sind wir noch weit weg. Jetzt kommt erst mal Arsenal.“ Die Causa Heynckes kann warten.

Die „Gunners“ wirken angeschlagen, denn nach dem 0:1 mit einer B-Elf im englischen Pokal gegen den Zweitligisten Blackburn Rovers steht auch Trainer Arsène Wenger in der Kritik. Rummenigge hat die Arsenal-Blamage gar nicht gefallen: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man dann wütend ist, Druck hat und dass das manchmal auch Kräfte freisetzt.“ Gegen Bayern wird Wenger wieder sein A-Team aufbieten, mit Walcott, Cazorla, Giroud und dem Ex-Bayern Podolski.