Fußball

Klinsmann bringt Debütant Morales in die richtige Spur

Herthaner profitiert vom Lehrgang in den USA

Das Foto wurde unmittelbar nach der Abfahrt aus Aalen im Mannschaftsbus aufgenommen. Alfredo Morales (22) im blauen Hertha-Polo schaut erleichtert in sein Mobiltelefon. Neben ihm grinst John Brooks. Den Schnappschuss lud Morales im Internet im Programm Instagram hoch, versehen mit der Nachricht an seine Anhänger: „Drei wichtige Punkte!! Jetzt chillen mit Kumpel John.“

Die Überraschung war weniger der Hertha-Sieg in Aalen. Die Überraschung war, dass Morales spielte – Zweitliga-Debüt für das Eigengewächs am 21. Spieltag. Endlich. Ob Stürmer, Spielmacher oder Manndecker – in der Jugend war Morales auf allen Positionen besser als die meisten seines Jahrgangs: beweglich, technisch stark und nicht so schnell zu beeindrucken. Trotz seiner schmalen Figur kann Morales auch austeilen. Dazu brachte der gebürtige Berliner das Flair des Weltläufigen mit sich, ausgestattet mit einem deutschen Pass, einem amerikanischen und einem peruanischen.

Doch Trainer Jos Luhukay war nicht beeindruckt. Morales ging unter im Konkurrenzkampf bei Hertha. Null Einsatzminuten bis Weihnachten. Intern wurde ihm der Spitzname „Eiskunstläufer“ verpasst. Niemand segelte so elegant über den Rasen wie Morales, der seinen Vortrag aber zu häufig mit nutzlosen Kringeln beendete. Das hat sich geändert. Hertha entschied, dass Morales nicht an der üblichen Wintervorbereitung teilnimmt, sondern an einem dreiwöchigen Lehrgang der US-Nationalmannschaft, zu dem Jürgen Klinsmann geladen hatte. Trainiert wurde in einem Vorort von Los Angeles. „Der Ruf der US-Fitnesstrainer ist bekannt“, erzählte Morales, „das Training war extrem anstrengend. Aber danach bist du richtig fit.“ Morales kam zu seinem ersten A-Länderspiel für die USA (0:0 gegen Kanada) – und erstaunte nach der Rückkehr nach Berlin.

Dynamisch, konzentriert mit betont sachlicher Spielweise sowie einer auffallenden Körperspannung präsentierte er sich. Die Zweitliga-Premiere in Aalen war die logische Folge. Morales übernahm die Mittelfeld-Position von Peer Kluge, der gelbgesperrt fehlte. Kluge war von seinem Vertreter angetan: „Alfredo hat sich nahtlos eingefügt. Aber ich hatte von ihm nichts anderes erwartet.“

Gefragt, was sich bei ihm in den USA verändert habe, lobte Morales den US-Nationaltrainer. „Jürgen Klinsmann ist vielleicht nicht der ganz große Taktik-Fuchs, aber ein unglaublicher Motivator.“ Zu den Klinsmann’schen Lehren gehört, sich in der gesamten Lebensführung dem Fußball zu verschreiben. Eine Beobachtung, die auch Kapitän Peter Niemeyer gemacht hat: „Alfi steht stellvertretend für einige der Hertha-Talente. Er ist schon länger dabei. Aber jetzt bekommt er die Kurve. Da hat ein Umdenken stattgefunden, alles ist professioneller.“