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Körbeweise Dollar

Warum die NBA heute den 50. Geburtstag Michael Jordans zelebriert

Bombastischer kann ein Geburtstagsgeschenk kaum sein. Mit seinen schillerndsten Persönlichkeiten verneigt sich der Basketball vor dem wichtigsten Spieler seiner Geschichte: Kobe Bryant, LeBron James, Kevin Durant – sie alle werden am Sonntag beim All-Star-Game in Houston für reichlich Spektakel sorgen. Und trotzdem bleibt ihnen nur ein Platz im Rahmenprogramm (und Dirk Nowitzki ist diesmal gar nicht erst dabei). Am Tag, an dem Michael Jordan 50 Jahre alt wird, gehört die Hauptrolle ihm allein. Daran kann keiner seiner Nachfolger etwas ändern.

Schon vorab hat Jordan seine Erben eingenordet. Natürlich sei LeBron James nicht so gut wie Kobe Bryant, teilte er mit: „Wenn ich Teammanager wäre und wählen müsste, würde ich Kobe nehmen.“ Damit degradierte er nicht nur den aktuell besten Spieler der Welt, sondern wahrte auch die eigene Unantastbarkeit. Diese Geburtstags-Botschaft war ihm wichtig.

Er traf mit geschlossenen Augen

Schon als Kind war Jordan von dieser Einstellung durchdrungen, sie trug ihn zu sechs NBA-Titeln, 32.292 Punkten und 32 bis heute gültigen Einzelbestmarken. Als Schüler riefen sie ihn „Black Cat“. Er fühlte sich diskriminiert, doch der Schmerz entfachte nur noch mehr Ehrgeiz. Nachdem er beim Draft 1984 erst als Dritter von den Chicago Bulls gezogen worden war, war er später besonders motiviert, wenn es gegen die Erst- und Zweitplatzierten ging. Selbst seine Rede bei der Aufnahme in die Hall of Fame geriet zu einer Abrechnung. 23 Minuten erzählte Jordan, wie er einen nach dem anderen besiegt hatte.

Der Mann, der wie eine Naturgewalt über die NBA kam und den gesamten Sport veränderte, definierte sich stets mehr über die Niederlagen, die er anderen beibrachte, als über seine sagenhaften Leistungen. Einmal verwandelte er einen Freiwurf mit geschlossenen Augen, um den vorlauten Debütanten Dikembe Mutombo zu demütigen. „Es war nie einfach, mit Michael zu spielen“, sagte sein früherer Teamkollege Dave Corzine: „Wenn wir verloren haben, lag es immer an uns.“ Als Jordans Vater 1993 ausgeraubt und umgebracht wurde, erschien nur ein Mitspieler zur Beerdigung. Kurze Zeit später beendete Jordan erstmals seine Karriere und wurde Baseball-Spieler, um der Welt zu beweisen, dass er in jeder Sportart mithalten kann. Er scheiterte und gab anderthalb Jahre später sein Comeback.

Während die anderen Spieler zum Korb sprangen, flog Jordan. Auf alten Videos sieht es aus, als würden sich alle in Zeitlupe bewegen, nur der Mann mit der Nummer 23 nicht. „Jeder wollte sein wie er“, sagte sein langjähriger Rivale „Magic“ Johnson: „Er war das Beste, was dem Sport passieren konnte.“ Die Welt bewunderte den 1,98-Meter-Mann, doch wirklich beliebt war Jordan nur bei Sponsoren und Fans.

Die vergötterten ihn so sehr, dass er aus Selbstschutz nur noch unter falschem Namen in Hotels eincheckte – als Leroy Smith. So hieß ein Junge, der in der Nachbarschaft seines Elternhauses in Wilmington/North Carolina aufgewachsen war und ihm einmal den letzten Platz im Kader der Schulauswahl weggeschnappt hatte.

Und auch den Jungen, die ihn früher in der Schule wegen seiner Hautfarbe gehänselt hatten, zahlte er es auf seine Weise heim. Eine seiner Schuh-Kollektionen taufte er in Anlehnung an seinen ungeliebten Spitznamen „Black Panther“ – sie verkaufte sich millionenfach.

US-Sportartikelriese Nike verdankt ihm seinen Aufstieg. Mit Jordan revolutionierte die Firma die Sportler-Vermarktung. Ein CNN-Experte hat errechnet, dass Jordans Werbepartner rund zehn Milliarden Dollar mit ihm verdienten. Kein anderer Sportler war lukrativer.

„Jordan hat Nike damals vor dem Ruin gerettet“, sagt Professor Andre Bühler, Direktor des Deutschen Instituts für Sportmarketing. „Nike war auf dem absteigenden Ast und man hat sich dann 1984 entschieden, das gesamte Marketing-Budget von 500.000 Dollar in Jordan zu stecken. Es war ein verdammt hohes Risiko, das sich aber ausgezahlt hat. Allein in seiner aktiven Zeit hat das Unternehmen mit ihm mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz generiert. In dem Ausmaß war das das erste Mal, das es so etwas gab.“

Jordan ließ er sein unvergleichliches Lächeln tausendfach fotografieren, nutzte jeden freien Tag zu Werbedrehs und begann als einer der ersten Athleten, sich den Schädel kahl zu rasieren. Die herausgestreckte Zunge hatte globalen Wiedererkennungswert. Bei der Siegerehrung des so genannten Dreamteams bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona warf er sich eine US-Flagge über die Schulter. Die patriotische Geste diente vor allem dazu, das Logo des Team-Ausrüsters Reebok zu verdecken. Bis heute zahlt Nike Jordan angeblich 80 Millionen Dollar im Jahr.

Dabei besteht sein Leben längst nicht mehr aus der Jagd nach Rekorden. Nach seinem zweiten Karriereende vor 14 Jahren kaufte er Anteile der Washington Wizards, einem notorischen Verliererteam. Als die von ihm verpflichteten Spieler weiter ohne Unterlass verloren, streifte er sich noch mal das Trikot über, um ihnen das Siegen beizubringen. Er scheiterte. 2003 geschah das Unvorstellbare: Michael Jordan wurde gefeuert.

Scheidung kostete Millionen

Drei Jahre später kaufte er Anteile an den Charlotte Bobcats, die 2012 einen neuen Rekord für die schlechteste Saisonbilanz aufstellten. Er verlor eine dreistellige Millionensumme durch die Scheidung von seiner Ehefrau Juanita Vanoy, kürzlich wurde der begeisterte Golfer (Handicap 4) von einem Golfplatz geworfen, weil er unangemessen gekleidet war. Im Arbeitskampf mit der Spieler-Gewerkschaft, der vor anderthalb Jahren die gesamte NBA-Saison gefährdet hatte, spielte er die Rolle eines zu keinem Kompromiss bereiten Managers, der den Profis die Gehälter kürzen wollte. Dabei hatte er als Aktiver mehr als jeder andere von einer starken Gewerkschaft profitiert und bis zu 34 Millionen Dollar pro Saison eingestrichen.

„Auf dem Basketball-Court finde ich immer Zuflucht“, hat der dreifache Vater einmal gesagt: „Es ist, als könnte ich dort mit dem Spiel selbst sprechen.“ Mittlerweile ist er nur noch selten auf dem Platz. Seitdem Michael Jordan nicht mehr mit dem Spiel sprechen kann, wird der Mann, den die Amerikaner zu ihrem „Sportler des Jahrhunderts“ wählten, nur noch bewundert. Geliebt wird er nicht mehr.