DEL

Eisbären fürchten den Absturz

Der Eishockey-Meister startet heute gegen Düsseldorf in die letzten zehn Spiele der Hauptrunde

Zu tun gibt es genug, da braucht niemand Ablenkung. Auch der Manager des EHC Eisbären nicht. Der hatte zuletzt indirekt die Aufforderung zur Mehrarbeit bekommen, formuliert vom Präsidenten des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB). Uwe Harnos wünscht nämlich, dass sich die Sportkommission von Verband und Deutscher Eishockey-Liga (DEL), der auch Peter John Lee angehört, um die Analyse des Olympia-Aus kümmert, das die Nationalmannschaft gerade in der Länderspielpause ereilte.

Lee hat dafür nicht den Nerv. Die Eisbären treten am Freitag mit dem Spiel gegen die Düsseldorfer EG (19.30 Uhr, O2 World) in die entscheidende Phase der Hauptrunde der DEL ein; zehn Spiele sind noch zu absolvieren, dann steht fest, wer von welcher Position in das Play-off startet. Zwar gehen die Berliner als Dritter in den Endspurt, doch Baustellen taten sich reichlich auf, auch zuletzt noch. Und außerdem: „Ich weiß nicht, was die wollen.“ Über Monate, klagt Lee, habe niemand der Sportkommission eine Aufgabe gegeben. Bei der Bundestrainersuche etwa wurden Lee und Kollegen nicht eingebunden. „Jetzt ist wieder etwas schief gegangen, da dürfen wir wieder ran“, sagt der Berliner und fühlt sich an die Demission von Jakob Kölliker vergangenen Sommer erinnert. Die Drecksarbeit musste die Kommission machen, für die angenehmen Dinge waren andere zuständig.

Bei den Eisbären funktioniert die Arbeitsteilung besser, nicht umsonst wurden sie in den vergangenen acht Jahren sechsmal Deutscher Meister. In dieser Saison würde allerdings nach den durchwachsenen Monaten kaum jemand auf einen weiteren Titel wetten. Außer Julian Talbot vielleicht. „Ich denke, dass wir so stark sind wie im vergangenen Jahr“, sagt der Stürmer. Doch sein Nachsatz ist nicht unerheblich: „Wir müssen es nur beweisen.“ Bislang spielten die Berliner zu wechselhaft, als dass es jemand glauben könnte.

Kein Problem, zumindest nicht, wenn es nach Don Jackson geht. Der Trainer der Berliner meint: „Zehn Spiele sind genug Zeit, um die richtige Konstanz zu finden.“ Die Voraussetzungen dafür könnten nicht besser sein. Während der Titelverteidiger in der ganzen Saison ständig von Verletzungsproblemen verfolgt wurde, herrscht nun personeller Luxus. Lediglich Travis Mulock muss am Wochenende noch aussetzen, sonst ist der Kader inklusive der beiden Neulinge Corey Locke und Ryan Caldwell vollzählig. „Das hilft im Hinblick auf das Play-off sicher“, sagt Kapitän André Rankel. Jackson kann nun viel probieren, den Feinschliff vornehmen.

Das sieht zunächst einmal so aus: Der Trainer trennt die bislang immer gesetzte Top-Reihe mit Florian Busch, Darin Olver und Barry Tallackson. Für Busch steckt er Rankel zu den beiden anderen. „Das bringt frischen Wind“, sagt Busch, der nun mit Matt Foy und Corey Locke aufläuft. Vielleicht tut es wirklich allen gut, denn richtig bissig wirkte die Topreihe bislang nicht oft. „Wir müssen nun die richtigen Gruppen finden. Ganz einfach wird das nicht, weil es immer Verletzte gab“, sagt Jackson. Er hätte manche Kombinationen in den Reihen vorher schon gern einmal getestet, doch das ging eben nicht.

Durch die Verpflichtung von Verteidiger Caldwell verfügt der Trainer nun im Angriff über mehr Optionen, denn Julian Talbot wird seinen Platz im Sturm wieder einnehmen. Fast die ganze Saison über hatte er hinten ausgeholfen. „Das war anfangs schon ganz anders, aber mit der Zeit ging es. Langfristig wird es sich für mein Spiel bestimmt auszahlen“, sagt Talbot. Für die dringendsten Bedürfnisse der Mannschaft in der nächsten Zeit hat ihn die Erfahrung jedenfalls sensibilisiert. „Wir müssen die Konter minimieren und hinten besser stehen“, so der Kanadier. Nicht nur für das Play-off ist das wichtig, sondern auch für die Einspielzeit davor.

Denn die wird es in sich haben, zwischen Platz drei und Platz sieben, der nicht mehr direkt ins Viertelfinale führt, liegen lediglich sechs Punkte. „Es ist sehr eng, das wird ein harter Kampf bis zum Ende“, ahnt Talbot. Nach oben schauen die Berliner gar nicht mehr, Köln und Mannheim sind viel zu weit voraus. „Wir wollen den dritten Platz sichern und nicht nach unten abrutschen“, gibt Rankel die Richtung für die nächsten Wochen vor. Auch Platz vier würde wenigstens im Viertelfinale Heimrecht bedeuten. Dem Anspruch der Eisbären würde dieser Rang aber nicht ganz gerecht werden.