Fußball

Herthas Wanderarbeiter

Marcel Ndjeng ist die Allzweckwaffe bei den Berlinern. Gegen Aalen soll er die Offensive beleben

– Wenn man mit Marcel Ndjeng über seine Position bei Hertha BSC spricht, dann lächelt er viel und kommt ins Reden. Denn der 30-Jährige weiß, dass es im Grunde nicht eine Position ist, über die er sprechen muss, sondern viele. „Am liebsten“, sagt Ndjeng, „spiele ich im offensiven Bereich. Da fühle ich mich wohl. Aber durch die Verletzungsmisere bei uns in der Hinrunde wurde ich ein wenig hin und her geschoben“.

Hin und her wurde er vor allem zwischen zwei Abteilungen im Spiel des Berliner Zweitligaklubs geschoben, die ganz unterschiedliche Aufgaben haben und die daher auch unterschiedliche Anforderungen an den Profi stellen: dem Block der fünf offensiv ausgerichteten Akteure und dem der fünf defensiveren. In allen 21 Partien der laufenden Spielzeit stand Ndjeng auf dem Platz, zwölfmal davon auf seiner Lieblingsposition im rechten Mittelfeld. Neunmal aber musste der gebürtige Bonner mit kamerunischen Wurzeln auch in der Viererkette in der Abwehr aushelfen. Zudem wechselte er, als es während der Partie gegen Ingolstadt (0:0) in der Hinrunde Bedarf gab, sogar ins defensive Mittelfeld. Damit ist Marcel Ndjeng so etwas wie Herthas Wanderarbeiter, der die Löcher stopft und dort aushilft, wo er gebraucht wird. Wenn er am Sonnabend mit seiner Mannschaft beim Aufsteiger VfR Aalen antritt (13 Uhr/Sky und im Live-Ticker bei morgenpost.de), dann wird er wieder einmal auf einer anderen Position gebraucht. Auf der rechten Außenbahn soll er mithelfen, die augenscheinlichen Probleme der Blau-Weißen im Offensivspiel zu beheben.

Lob von Manager Preetz

Diese Rolle war ihm auch zugedacht, als Ndjeng vor der Saison aus Augsburg verpflichtet wurde. Doch weil durch den Ausfall von Christoph Janker zunächst kein adäquater Rechtsverteidiger zur Verfügung stand, sprang Ndjeng ein. Mit Peter Pekarik fand Herthas Manager Michael Preetz eine gute Lösung für die Viererkette, und Ndjeng rückte eine Position nach vorn. Doch als Pekarik sich am 13. Spieltag gegen den St. Pauli die Schulter auskugelte, war er wieder in der Abwehr gefragt.

„Natürlich ist es jedes Mal eine Umstellung“, sagt Ndjeng. In der Abwehr sei es etwas leichter, denn da kümmere er sich vornehmlich um den Spielaufbau und habe viele Anspielstationen. „In der Offensive ist das etwas schwerer. Denn da bin ich ja dafür zuständig, anspielbar zu sein und mit Dribblings und Läufen Räume zu schaffen.“ Das Wandeln zwischen den beiden Welten empfinde er nicht als belastend, sagt Ndjeng: „Natürlich will man sich als Profi lieber auf einer einzigen Position festspielen. Aber es hat auch etwas mit dem Charakter zu tun, ob man dafür bereit ist, sich umzustellen.“ Letztlich sei es unwichtig, wo er spielt, „denn es macht ja trotzdem Spaß, auf dem Platz zu stehen und der Mannschaft weiterzuhelfen“.

Eben jene Fähigkeit, sich zurückzunehmen und die eigenen Vorlieben beiseite zu schieben, ist der Grund, warum Hertha Manager Preetz sagt: „Marcel tut der Mannschaft unglaublich gut, nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine. Er ist ein echter Teamplayer, und wir sind sehr zufrieden mit ihm.“

Vertrauensverhältnis zu Luhukay

Auch Herthas Cheftrainer Jos Luhukay lässt keinen Zweifel an seiner Wertschätzung für Ndjeng: „Es ist enorm wichtig, so flexible Spieler wie Marcel im Kader zu haben. Er ist als Allrounder geschult und hat uns zuletzt sehr geholfen. Ich bin froh, dass er mit den unterschiedlichen Aufgaben in den vergangenen Monaten so professionell umgegangen ist“, sagt der Niederländer. Schon bei Luhukays Stationen in Paderborn, Mönchengladbach und Augsburg haben beide miteinander gearbeitet, und daher stammt auch das Vertrauen, das der 49-Jährige in ihn hat, glaubt Ndjeng: „Er kennt mich gut und weiß, dass er mich hinstellen kann, wo er mich braucht. Ich werde immer versuchen, die Position auszufüllen.“

Am Sonnabend in Aalen braucht Luhukay seine Allzweckwaffe wieder einmal in der Offensive. Pekarik ist zurück in der Viererkette, und Ndjeng soll über die rechte Seite die spielerische Armut der Herthaner beheben, die nach der Winterpause noch ihren Rhythmus suchen. „Es ist wichtig, dass Marcel mit dafür sorgt, dass wir offensiv wieder ein Stück stärker sind als zuletzt“, sagt Luhukay. Er weiß, dass die Auftritte seiner Mannschaft in Regensburg (5:1) und beim Stadtderby gegen den 1. FC Union (2:2) zwar vom Ergebnis zufriedenstellend, aber was die von ihm gewünschte Dominanz im Angriff angeht noch ausbaufähig waren. „In Aalen treffen wir auf einen Gegner, der sehr diszipliniert ist und wenig Gegentore zulässt. Sie stehen kompakt und lassen wenig Raum zum Spielen. Da brauchen wir dann Lösungen, um uns in den letzten 30 Metern vor dem Tor durchzuspielen“, sagt der Trainer.

Für diese Lösungen soll auch Marcel Ndjeng sorgen, der nicht nur 1800 von 1890 Minuten in dieser Saison auf dem Platz stand, sondern auch drei Tore und drei Vorlagen auf seinem Konto verbuchen kann. Und außerdem habe man in Aalen ja einen strukturellen Vorteil, sagt Ndjeng: „Wir haben uns bisher auswärts immer etwas leichter getan als zu Hause.“ Egal, auf welcher Position er spielte.