Wintersport

Pechstein will ins Finale der Mehrkampf-WM

Infekt behinderte Vorbereitung der Berliner Eisschnellläuferin

Sie hatte gut lachen. Warum auch nicht? Keine Landsfrau war schneller gewesen beim Weltcup in Inzell vor ein paar Tagen. Was immer wieder erstaunlich ist, denn Claudia Pechstein wird nächste Woche zarte 41 Jahre alt. Nach ihrem Ziel für das kommende Wochenende gefragt, lag die Antwort also nah. Beste Deutsche wolle sie werden bei der Mehrkampf- Weltmeisterschaft der Eisschnellläufer. Pechstein grinste wieder.

Dieser spezielle Titel ist der Berlinerin gar nicht zu nehmen – sie ist die einzige deutsche Starterin in Hamar. Ein solcher Fakt legt kein gutes Zeugnis ab über den Zustand des hiesigen Kufenflitz-Gewerbes. Was auch Pechstein findet. „Wir müssen uns wohl daran gewöhnen, dass die Plätze eins, zwei und drei nicht mehr so oft vorkommen“, sagte Pechstein nach dem Weltcup im eigenen Land, der ganz ohne deutsche Medaille endete. Bei der Allround- WM in Norwegen steht erneut ein derartiges Szenario bevor.

Trotzdem kann Pechstein zufrieden sein. Sie lief gut in Inzell, wurde Vierte, ihre Zeit über die 3000 Meter lag nur um zwei Zehntel hinter dem zweiten Rang. Das war wichtig, es gab ihr Bestätigung. Denn bei der Mehrkampf-EM im Januar hatten ausgerechnet die langen Strecken, ihre Spezialdisziplinen, nicht gut funktioniert. Das Problem scheint behoben.

Große Erwartungen schürt die Berlinerin dennoch nicht für den Mehrkampf, bei dem 500, 1500, 3000 und 5000 Meter gelaufen werden. „Das Ziel ist das Finale. Höhere Ziele zu formulieren, wäre vermessen“, sagt die Berlinerin. Zum einen, weil sie seit 2006 keine Medaille mehr bei einer Mehrkampf-WM gewonnen hat. Zum anderen: „Schon die EM hat gezeigt, wie schwierig es ist, unter die besten Acht zu kommen. In Hamar ist jetzt auch noch die Konkurrenz aus Nordamerika und Asien am Start.“ Außerdem plagte sie in den vergangenen Tagen ein Infekt, der kein Training zuließ. Der Start stand sogar in Frage, aber sie will es versuchen.

Nebenbei besitzt die Zielvorgabe Finale inzwischen eine andere Wertigkeit als früher. Seit dieser Saison werden die abschließenden 5000 Meter nur noch von den besten Acht des Gesamtklassements nach drei Strecken gelaufen. Bisher waren es die besten Zwölf. Bei der EM hatte Pechstein etwas Glück, dass sie die neue Marke nicht verpasste. Stephanie Beckert, die nationale Haupt-Konkurrentin, scheiterte an dieser Hürde. Deshalb verfügt Deutschland bei der WM auch nur über einen einzigen Startplatz. In Inzell wurde Beckert Fünfte und war anders als Pechstein nicht zufrieden. Mal wieder plagen die Erfurterin Rückenprobleme, sie kann nicht richtig trainieren und verfügt deshalb nicht über die notwenige Kraft.

Die ist bei Pechstein, die sich ohnehin mehr an der Einzelstrecken-WM in fünf Wochen orientiert als an der Mehrkampf- WM, kein Grund zur Sorge. Zwar dürfte ein Podestplatz dennoch nur äußerst schwer zu realisieren sein, der Ort gibt allerdings auch etwas Motivation mit in den Wettkampf. Vor vier Jahren wurde sie in Hamar nach zwei Rennen aus dem Wettbewerb der Mehrkampf-WM genommen und später wegen schwankender und überhöhter Retikulozyten-Werte für zwei Jahre gesperrt. Zu halten ist das wissenschaftlich nicht mehr, eine vererbte Blutanomalie verursacht die Werte. Pechstein befindet sich inzwischen in einem Schadensersatzprozess gegen den Weltverband ISU. Der kann sich allerdings noch hinziehen. So lange strebt die Berlinerin nach guten Platzierungen, denn die schmecken der ISU auch nicht.