Niederlagenserie

Albas Basketballer brauchen den Befreiungsschlag

Der Glaube an die eigene Stärke ist total verschüttet

Die Formdelle rund um den Jahreswechsel, als eine Serie von fünf Niederlagen mit einem indiskutablen 65:90 in Bayreuth endet, war schon deftig. Jetzt sucht das Basketballteam von Alba Berlin wieder nach dem Notausgang aus der Krise. In der Europa- und der Bundesliga stehen jetzt zusammengezählt sechs Auswärtsniederlage hintereinander zu Buche. Das Selbstvertrauen im Team ist nahe Null, denn die Mannschaft hat in Kaunas, Oldenburg und am Sonntag bei den Münchener Bayern nicht nur verloren. Sie war chancenlos.

Auch die Perspektive macht nicht gerade Mut. Am Donnerstag (19 Uhr) kommt in den Top 16 der Europaliga Unicaja Malaga in die O2 World. Die Berliner kennen das spanische Spitzenteam bereits aus der Vorrunde, verloren damals – weit besser in Schwung – auswärts 62:67 und zu Hause 63:74. Die Chance für den so ersehnten Befreiungsschlag scheint also gering.

„Man kann uns nicht den Vorwurf machen, dass wir nicht kämpfen“, sagt Heiko Schaffartzik, der sich in München mit 21 Punkten als Einziger sichtlich gegen die Niederlage stemmte. Ein entscheidendes Manko sei bei dem Spiel deutlich zu erkennen gewesen. „Die Bayern waren sich sicher, dass sie das Spiel gewinnen können. Genau dieser Glaube scheint uns zur Zeit abhanden gekommen zu sein.“

Wer nicht wirft, kann nicht treffen

Woran auch die anerkennenden Worte von Bayern-Coach Svetislav Pesic nichts ändern dürften. „Alba hat ein ganz anderes Spiel gezeigt als zuletzt gegen Oldenburg oder Tübingen“, attestierte der Meistermacher seinem ehemaligen Klub. „Beide Mannschaften haben sehr gut verteidigt. Am Ende hatten wir etwas mehr Kräfte zuzusetzen und haben die entscheidenden Würfe getroffen“, sagt Pesic.

Dass Alba in der Schlussphase nicht entscheidend getroffen hat, lag überspitzt formuliert daran, dass außer Schaffartzik keiner mehr geworfen hat. Deon Thompson, mit einem Schnitt von 14,2 Punkten pro Spiel bester Alba-Spieler, kam auf sechs Punkte, traf einen von fünf Versuchen aus dem Feld (20 Prozent). DaShaun Wood (Saisonschnitt: 10,3) traf zwei von neun Würfen und steuerte mit einer Trefferquote von 22 Prozent fünf Zähler bei. Die Trefferquote der Mannschaft insgesamt lag bei 29,7 Prozent (München: 41,3). Mit solch einer Ausbeute muss man nicht erst zu den Bayern reisen, um zu verlieren.

„Ich habe keine Ahnung, ob wir härter trainieren sollten oder vielleicht eher weniger“, sucht Schaffartzik wie alle anderen im Team den Notausgang, der zurück in die Erfolgsspur führt. „Ich weiß nur eines, es wird nur über den Kampf gehen. Wir müssen uns wieder auf unsere Stärken besinnen, die wir ja in dieser Saison auch schon gezeigt haben.“

Ein Sieg wäre hilfreich

Auch Mithat Demirel weiß, Dass man sich den Weg aus der „chronischen Selbstbewusstseinslosigkeit“ nur erarbeiten kann. „Erst im Training, dann in Spielen und natürlich sind Siege da hilfreich.“ Der Kreuzbandriss von Vule Avdalovic, der sich ganz klar als Kopf der Mannschaft etabliert hatte und das Umstellen des Spiels auf den nachverpflichteten Je’Kel Foster habe das Team weit zurückgeworfen. merkt Albas Sportdirektor an. Demirel ist aber auch nicht entgangen, dass „viele Spieler derzeit nicht an ihrem Limit spielen und wieder zu sich finden müssen.“ Was natürlich umso schwieriger wird, je länger sie als Verlierer vom Feld trotten.

Die Zeit, aus der Mannschaft eine Selbstfindungsgruppe zu machen und dann wieder ein Team, hat Alba angesichts des gedrängten Terminplans aus den Top16 Europas und der Bundesliga nicht. An dem Rhythmus von zwei Spielen pro Woche bis zum Play-off-Start Anfang Mai wird sich nichts mehr ändern. „Ruhig bleiben und weiter arbeiten“, gibt Geschäftsführer Marco Baldi aus. Nachdem sich seine Hoffnung, dass sich seine Mannschaft mit einem Sieg bei den Bayern schlagartig aus der Krise spielen würde, nicht erfüllt hat, blickt er jetzt auf das nächste Spiel.

Malaga steht mit zwei Siegen aus sechs Spielen nur einen Platz vor den Berlinern. Mit einem Erfolg könnte Alba die Andalusier in der Tabelle überholen. Nach dem Spiel bei den Bayern fällt der Glaube an einen Sieg schwer, aber das war im Oktober vor dem allerersten Auswärtsspiel in Siena auch nicht anders. Alba gewann 92:82.