Kommentar

Eine Stadt voller Gewinner

Michael Färber stört beim Derby nur das Pyrofeuer

Das war es also, das vierte Derby um die Stadtmeisterschaft. Ohne einen Verlierer, aber unter dem Strich einen ganz klaren Gewinner – Berlin. Jeder, der die Partie verfolgt hat, sei es im Stadion, sei es am Fernseher in einer der vielen Sportbars oder daheim auf dem Sofa, wird festgestellt haben: Es tut sich (doch) etwas in der Hauptstadt.

Hertha gegen Union, das war mehr als nur das Duell zweier Mannschaften um die Vorherrschaft in der Stadt. Es war ein Versprechen an alle Fans dieses Sports, dass es auf absehbare Zeit wieder Bundesliga-Fußball zu sehen geben wird. Dank den Herthanern, denen die Rückkehr in die deutsche Eliteklasse nicht mehr zu nehmen sein wird. Dafür ist die individuelle Qualität in der Mannschaft von Trainer Jos Luhukay einfach zu gut. Und dank den Unionern, die nun einem großen Publikum bewiesen haben, dass weit mehr in ihnen schlummert als nur ein guter Zweitligist. Das hat die Leistung der Mannen von Trainer Uwe Neuhaus gezeigt.

Viel war in den vergangenen Tagen von Sicherheit die Rede, wenn man auf das Derby zu sprechen kam. Von Fan-Trennung und restriktiven Einlasskontrollen. Von der Sorge um massive Ausschreitungen in der City-West. Um so schöner, dass es in der Arena und auch davor zumeist friedlich zuging. Nicht selten sah man Hertha- und Union-Fans im Stadion Seite an Seite in Erwartung eines tollen Fußballfestes, trotz der klirrenden Kälte – so macht Derby Spaß. Dass es immer wieder unverbesserliche Unioner gibt, die im Stadion Pyrotechnik zünden und damit nicht nur sich selbst, sondern auch die Personen in ihrem unmittelbaren Umfeld hochgradig gefährden, ist offenbar immer noch nicht ganz auszuschließen. Ebenso wenig wie jene Schmierfinken, die es für nötig hielten, im Vorfeld den Union-Mannschaftsbus mit Hertha-Fahne und -Schriftzug zu besprühen. Um so schöner, dass die absolute Mehrheit der rund 75.000 Zuschauer sich entschied, die Begegnung als das anzusehen, was sie schließlich auch sein sollte: als ein Fest, mit dem sich trefflich für Berlin und den Fußball in der Stadt werben lässt.

Wenn es denn einen Wermutstropfen gibt, dann ist es der Umstand, dass dieses Derby nur in der Zweiten Liga stattfand und nicht im Oberhaus. An dem Abend, als ganz Fußball-Deutschland auf Berlin schaute, hat die Hauptstadt jedenfalls bewiesen, dass sie zu mehr berufen ist. Dank Hertha und dank Union.