Nigeria

Die Könige von Afrika feiern ihren Beckenbauer

Nigerias Trainer Keshi tritt trotz Mega-Prämie zurück

Über seine finanzielle Zukunft muss sich Stephen Keshi wohl keine Sorgen mehr machen. Noch in der Nacht zu Sonntag, wenige Stunden nachdem Nigerias Trainer sein Team zum Gewinn des Afrika-Cups geführt hatte, gab Mobilfunk-Milliardär Mike Adenuga junior bekannt, die Dienste des Fußballfachmanns mit 200.000 Dollar Prämie zu honorieren, und er wolle fortan auch sein Gehalt bezahlen. An die Mannschaft werde er insgesamt 740.000 Euro geben, womit er Aliko Dangote, Afrikas reichsten Bürger, geradezu knauserig erscheinen ließ, der 610.000 Euro spendierte.

Keshi (51) hat Erfahrung, wie überschwänglich in Nigeria bisweilen mit Gewinnern umgegangen wird. 1994 war er Kapitän der nigerianischen Nationalmannschaft, als die „Super Eagles“ mit dem Afrika-Cup ihren bis Sonntag letzten internationalen Titel gewannen. Keshi bekam damals wie jeder Stammspieler ein Haus geschenkt. Nun, da ihm die Wiederholung des Titelgewinns als Trainer gelungen ist, dürfte ihm eher eine Entlohnung von der Dimension eines Schlosses winken. Denn dieses Kunststück war bislang nur dem Ägypter Mahmoud El Gohary gelungen. Eine Nummer kleiner als der doppelte WM-Triumph von Franz Beckenbauer, Keshis Status in Nigeria aber stößt in ähnliche Regionen.

„Kings of Africa“, titelte die nigerianische Zeitung „The Punch“, was ein eher alltägliches Selbstverständnis der Nation ist, die sich anschickt, Südafrika als größte Volkswirtschaft des Kontinents abzulösen. Nach dem 1:0 über Burkina Faso in Johannesburg/Südafrika und dem dritten Afrika-Cup-Triumph spiegelte die Zeile die Gemütslage aber treffend wieder.

Es wurde also nach dem verdienten Erfolg ein gelöster Trainer Keshi erwartet. Der kräftige Hüne aber trat mit ernster Miene vor die Presse. Er weiß, wie nah Triumph und Desaster im Fußball beieinander liegen, im letzten Vorrundenspiel gegen Äthiopien stand es bis zur 80. Minute 0:0. Hätte Stürmer Victor Moses nicht kurz vor Schluss noch zwei Elfmeter zu Toren genutzt, wäre das Team ausgeschieden und Keshi wohl noch im Stadion entlassen worden.

Keshi nutzte den Moment der Unkündbarkeit, um für seinen Berufsstand in der Heimat zu werben. „Ich widme diesen Erfolg allen nigerianischen Trainern“, sagte er, „in Afrika geben sie dir heute einen Job und erwarten am nächsten Tag den WM-Titel. Das kann nicht funktionieren.“ Einheimische Trainer bräuchten Zeit für Erfolg, sie müsse ihnen nur gegeben werden. Und überhaupt eine Chance. Von den 16 Nationen, die bei dem Turnier antraten, wurden nur sieben von Afrikanern trainiert. Keshi hat dieses Misstrauen am eigenen Leib gespürt. 2006 schaffte er als Trainer mit Togo die Qualifikation für die WM, wurde aber dann durch den Deutschen Otto Pfister ersetzt.

Am Abend des Triumphs überraschte Keshi dann alle. „Ich habe dem nationalen Fußballverband gleich nach dem Finale mein Rücktrittsschreiben überreicht“, sagte er dem Radiosender SABC. Eine Antwort habe der 51-Jährige, der Nigeria 1994 als Mannschaftskapitän zum Sieg beim Afrika-Cup geführt hatte, aber noch nicht erhalten. Dabei hatte Keshi für sein Team gute Chancen für den Konföderationen-Pokal und die WM 2014 gesehen. Nun geht er vielleicht in die Politik.