Hallenhockey

Eine Werbung für Hallenhockey

Über 8000 Zuschauer bei der Endrunde in der Schmeling-Halle. Natascha Keller führt den BHC zur sechsten Meisterschaft

– Die letzten Sekunden zählten die Fans des Berliner HC in der Schmeling-Halle mit, dann begann die erste Meisterparty bei den 52. deutschen Hallenhockey-Titelkämpfen. 5:3 (1:1) gewann das Team um die dreifache Torschützin Natascha Keller das Endspiel gegen den Club an der Alster Hamburg. Die jungen Frauen bildeten einen Kreis und lachten und weinten und tanzten, dass jedem Betrachter klar werden musste: Dieser Tanz würde noch bis tief in die Nacht hinein weitergehen. Die beste Spielerin des Turniers, 35 Jahre jung, wollte von einem baldigen Ende der sportlichen Feiertage nichts wissen: „Ich will noch mal alles mitnehmen, was geht. Ich hoffe, es kommen noch viele Jahre.“

Jetzt lockt der Europacup

Es sieht gut aus für Keller und ihre Mitspielerinnen. Auf dem Feld liegt der BHC zur Saisonhälfte ebenfalls deutlich vorn in der Tabelle, dann lockt der Europacup. Und die nächsten beiden Hallenendrunden finden ja auch in Berlin statt. Was es für sie bedeute, dass der BHC seinen insgesamt sechsten Hallentitel in der Heimatstadt gewonnen hat, wurde Keller gefragt. Die trockene Antwort: „Der Weg in den Klub ist nicht so weit.“

Der Weg zum Titel allerdings war nicht so leicht zu bewältigen. Alster begann taktisch geschickt und ließ die individuell deutlich stärkeren Berlinerinnen nicht recht in Schwung kommen. Kurz nach der Pause führte das Team aus Hamburg gar 2:1, dazu schied BHC-Nationalspielerin Katharina Otte mit einem Bänderriss aus. „Aber das ist genau unsere Stärke“, sagte Natascha Keller, „da ging ein Ruck durch unsere Mannschaft. Wenn es drauf ankommt, können wir immer noch einen draufsetzen.“ Umso konzentrierter gingen nun die anderen zu Werke und erarbeiteten sich Chance auf Chance. Gleich die erste nutzte Kerstin Holm zu ihrem ersten von zwei Treffern.

Danach zeigte einmal mehr Keller ihr überragendes Können, dribbelte in den Hamburger Schusskreis und vollendete mit einem technisch fast unglaublichen Schlenzer in den oberen Torwinkel. Und Holm verwandelte eine Ecke zum 4:2, alles innerhalb von vier Minuten. Damit war die Partie quasi entschieden. Die 31-Jährige, erst vor einem Jahr zum BHC gewechselt, hat gleich in ihrem ersten Anlauf den ersten Titel abgeholt. „Das“, sagte sie, „war das große Ziel. Schön, dass es gleich im ersten Jahr geklappt hat.“ Neben ihr und Keller ragte aus dem Berliner Team Lena Jacobi heraus, die viele Bälle eroberte, aber kaum einen hergab. Auf der Tribüne feierten auch die BHC-Männer mit, die tags zuvor erst in der Verlängerung am Harvestehuder THC gescheitert waren bei ihrem Versuch, ebenfalls ins Finale einzuziehen. Die Hamburger sicherten sich den Titel bei den Männern durch ein 6:5 (4:4) gegen Uhlenhorst Mülheim.

Vielleicht lag es daran, dass keine Berliner Männer-Mannschaft im Endspiel stand, dass das mutige Ziel von 10.000 Zuschauern an beiden Tagen verpasst wurde. Aber auch so freuten sich die Ausrichter über eine rundherum gelungene Veranstaltung. BHC-Präsident Michael Stiebitz hatte „Top-Hockey gesehen, Dramatik pur und eine Super-Stimmung in der Halle“ – eine Werbung für die Sportart. Auch BHC-Geschäftsführerin Julia Walter wollte sich nicht beklagen: „Ich bin zufrieden.“ 7150 Tickets wurden verkauft, weitere 1000 Freikarten vergeben, eine Steigerung gegenüber der Endrunde vor drei Jahren, als 7000 Zuschauer gezählt wurden.

Präsident lobt Präsident

Ob sich Stiebitz‘ Traum von einer einteiligen Bundesliga oder gar der olympischen Aufwertung des Hallenhockeys erfüllen wird, steht in den Sternen. Immerhin wird sich der Präsident des Deutschen Hockey-Bundes, Stephan Abel, ab 1. März im Weltverband als Leiter einer neuen Kommission dafür stark machen, „dass Hallenhockey weltweit etabliert wird“. Eine olympische Chance sieht er kurzfristig nicht, dennoch lobt er Stiebitz für dessen Vorstellungen: „Wer keine Visionen hat, entwickelt sich nicht weiter.“