Basketball

Alba geht bei Pesics Bayern unter

Berlins Basketballteam enttäuscht in München. Und Hoeneß redet schon von einer doppelten Meisterfeier

Die Basketballprofis von Alba Berlin durchleben dieser Tage schwere Zeiten, beim 61:79 (30:37) in München waren sie nach den Auswärts-Niederlagen in Kaunas (Litauen) und Oldenburg zum dritten Mal in Folge auf fremdem Parkett ohne Chance.

Dabei hätte es ein Spiel werden können, in dem sich das Team mit einem Mal „aus dem selbst gegrabenen Loch hätte befreien können“, wie Geschäftsführer Marco Baldi vor dem Spiel erklärt und viel mehr noch gehofft hatte. Die Möglichkeit dazu bestand sogar einen Moment lang, als Alba durch Heiko Schaffartzik zwischenzeitlich 42:40 (26. Minute) führte. Am Ende aber verlor Alba nicht nur das Spiel, sondern nach dem 82:70-Sieg beim Hinspiel im Dezember auch den direkten Vergleich. Bei Punktgleichheit am Ende der Hauptrunde würde das Team von Trainer Sasa Obradovic also hinter den Bayern in das Play-off starten.

Aus dem Stand ein Klassiker

Dass das Duell mit Bayern München schon im zweiten Jahr nach deren Aufstieg in die Bundesliga zum Klassiker geworden ist, zeigte das Scharmützel auf der Chef-Ebene in der Woche vor dem Spiel. Axel Schweitzer hatte Bayern-Boss Uli Hoeneß via „Bild“ als „anmaßend“ und „diffamierend“ beschimpft, weil dieser über einen möglichen Wechsel von Dirk Nowitzki gesagt hatte, dass dieser wohl erst in die Bundesliga wechseln würde, „wenn er kaum noch laufen kann“ und die Bayern bei allem Respekt vor dem Superstar „kein Altersheim für Basketballer seien“.

Mit dem rot-weißen Schal um den Hals bemerkte der Bayern-Boss daraufhin nun am Spielfeldrand, dass „aus Berlin unfair argumentiert worden“ und er „ein großer Fan von Nowitzki“ sei und dass da jemand versucht habe, „die Bayern von der Seite anzuschießen“. Das sei doch aber nichts im Gegensatz zu der Freude darüber, „wie schnell es Svetislav Pesic geschafft hat, ein Spitzenteam zu formen“. Er habe die Mannschaft „total im Griff“.

Was sich dann auch gegen Alba zeigte. Den Klub, den der Meistermacher einst auf die Weltkarte des Basketballs hievte. Pesic eröffnete die Partie mit einer kleinen Überraschung für seinen Musterschüler Sasa Obradovic. Bis auf Center Jared Homan saßen die ausländischen Stars der Münchener vorerst auf der Bank. Mit Steffen Hamann, Demond Greene, Robin Benzing und Jan-Hendrik Jagla standen vier aktuelle oder ehemalige deutsche Nationalspieler in der ersten Fünf – das sind ganz nebenbei mehr als Alba in Gänze aufzubieten hat. In dieser Aufstellung übernahmen die Hausherren sofort die Kontrolle. Nach 0:6 (2.) stand es bald 6:16 (7.). Baldi hatte in den wenigen Minuten ein Bayern-Team gesehen, das nach dem Pokalsieg in Bamberg am Donnerstag „sehr selbstbewusst“ auftrat. Baldi ahnte: „Wenn wir nicht auf dem gleichen Aggressivitätslevel wie die Bayern spielen, geht das hier nicht gut.“

Obradovic muss während der Auszeit Ähnliches gefordert haben, denn die Berliner kamen besser ins Spiel, konnten zwar nie ganz aufschließen, blieben aber dank Schaffartzik, der mit 21 Punkten bester Berliner Werfer war, in Schlagdistanz. Sein zweiter Dreier an diesem Nachmittag verkürzte auf 30:37 zur Halbzeit.

Schaffartzik zog weiter beherzt aus der Distanz ab. Dreier Nummer drei brachte das 39:40, Nummer vier das 42:40 (26.), die erste und bis zum Ende einzige Berliner Führung. Kurze Zeit sah es so aus, als würde die Partie zu einem Privatduell zwischen Schaffartzik und seinem Nationalmannschafts-Kollegen auf Seiten der Bayern, Robin Benzing. Der eroberte mit seinem vierten Dreier die Führung dann prompt zurück.

Der feine Unterschied im weiteren Verlauf: Benzing bekam Unterstützung, Schaffartzik nicht. Die Bayern versenkten im zweiten Durchgang zehn Dreier. Für Alba folgte noch Schaffartziks Nummer fünf. Kein anderer Berliner traf aus der Distanz – 17 Versuche, 17 Fahrkarten. Von Deon Thompson (6 Punkte), DaShaun Wood (5), Albert Miralles (4) oder anderen vermeintlichen Leistungsträgern war offensiv nichts zu sehen. Bis zum 57:63 (36.) schien die Wende dennoch möglich. Dann aber endete die Partie im Dreier-Hagel vor 6700 Zuschauern – unter ihnen Edelfan Bastian Schweinsteiger. Schon während der Schlussminuten klatschte Pesic auf der Bank jeden seiner Spieler ab. Die Berliner schlichen dagegen vom Parkett. Im vierten Duell gegen Bayern setzte es die erste Niederlage. „Jede Serie endet irgendwann. Das ist okay“, so Schaffartzik.

„Wir sind derzeit nicht in der Verfassung, gegen solche Teams mithalten zu können, vor allem auswärts nicht“, musste Sportdirektor Mithat Demirel eingestehen. „Wir haben uns durch Kampf im Spiel gehalten. Als wir uns die Führung erkämpft hatten, haben wir sie gleich wieder leichtfertig aus der Hand gegeben.“

Während Alba die zehnte Niederlage aus den vergangenen 14 Spielen bis Donnerstag (Europaliga gegen Malaga) verarbeiten muss, hat der Gegner dank Pesic ganz andere Pläne. Bayerns Boss Hoeneß muss womöglich nicht nur seiner Fußballabteilung eine Meisterfeier organisieren. Danach gefragt, sagte er selbstbewusst: „Es wäre ein Traum, und Träume sind dazu da, sie zu leben.“