Trotz Sieg gegen Österreich

Olympia-Aus: Debakel für das deutsche Eishockey

Für vier Eisbären kommt der Sieg gegen Österreich zu spät

Als die Nationalhymne erklang, kämpften einige Spieler mit den Tränen. Sie hatten gewonnen und doch alles verloren. Der 3:2 (1:0, 0:1, 1:1, 1:0)-Sieg nach Verlängerung gegen Österreich im letzten Qualifikationsspiel war wertlos. Erstmals in der Olympia-Geschichte hat eine deutsche Eishockey-Nationalmannschaft auf sportlichem Weg die Winterspiele verpasst. Und mit Rob Zepp, Constantin Braun, Jens Baxmann und André Rankel trauerten vier Eisbären mit, denn nur ein Sieg in regulärer Spielzeit hätte nach der Pleite gegen Italien am Freitag noch gereicht.

„Die Nationalhymne hören zu müssen, wenn das Olympia-Ticket vergeigt ist, das ist das Schlimmste, was ich je erlebt habe“, sagte Verteidiger Felix Petermann. Am Ende fehlte der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) ein Punkt, nach 16 Olympia-Teilnahmen in Folge findet Sotschi 2014 ohne die deutschen Eishockey-Stars statt. „Es ist sehr, sehr schade. Das Herz schmerzt“, sagte DEB-Generalsekretär Franz Reindl nach dem historischen Debakel. Bislang hatten deutsche Eishockeyspieler nur 1920, 1924 und 1948 bei Olympia gefehlt – nach den Weltkriegen aus politischen Gründen.

362 Tage vor der Eröffnungsfeier reichten die Tore des Wolfsburgers Benedikt Kohl (19.) und des Iserlohners Michael Wolf (47.) nicht zum Sieg in 60 Minuten gegen. Nach der 1:2-Pleite nach Verlängerung gegen Italien am Freitag hätte die DEB-Auswahl in der regulären Spielzeit gewinnen müssen. Der Ex-Kölner Andre Lakos (32.) und Markus Peintner (53.) besiegelten das Olympia-Aus. Der Siegtreffer von Patrick Reimer (63.) war wertlos.

Horrorszenario für den Verband

Für den DEB wird damit ein Horrorszenario wahr. Drei Jahre nach der grandiosen Heim-WM mit Platz vier und dem historischen Sieg gegen den Rekordweltmeister Russland 2011 liegt das deutsche Eishockey am Boden. „Uns ist eine Riesenchance genommen worden, unseren Sport zu präsentieren“, sagte Reindl.

Nicht nur der Imageverlust ist enorm, auch die finanziellen Folgen treffen den Verband womöglich hart. Es droht eine Kürzung der öffentlichen Förderung, auch die Sponsorensuche für die Nationalmannschaft wird schwieriger. „Die Olympischen Spiele sind die große Bühne, dort hast du weltweite Präsenz. Das hätte die Verhandlungen leichter gemacht“, erklärte DEB-Präsident Uwe Harnos. In den Verhandlungen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) über die künftige Förderung aus Mitteln des Bundesinnenministeriums hat der DEB nun schlechte Karten. 2011 hatte der Verband noch 383.000 Euro Grund- und 98.000 Euro Projektförderung erhalten.

Auch die Position des Bundestrainers Pat Cortina ist geschwächt. Der Italo-Kanadier, der nach dem WM-Debakel 2012 den Schweizer Jakob Kölliker beerbte und für viele als Notlösung galt, hat die wichtigste Aufgabe seiner Amtszeit nicht erfüllt. „Natürlich mache ich weiter“, sagte der 48-Jährige, der bis 2015 unterschrieben hatte. DEB-Präsident Uwe Harnos stärkte Cortina den Rücken. „Dass die Tore nicht gefallen sind, kann man nicht dem Trainer anlasten“, sagte er.