Zweite Liga

Herthas Franz geht auf Lasogga los

Luhukay bricht Trainingsspiel ab und spricht sogar von Verletzungsabsicht. Kluge ist zurück

Am Mittag freute sich Jos Luhukay noch: „Nachher stehen erstmals in dieser Saison alle 24 Feldspieler auf dem Platz.“ Doch nur eine Stunde später zeigte sich die Brisanz bei Hertha BSC, wenn alle Profis einsatzbereit sind. Immerhin 14 dieser Feldpieler werden nicht in der Startelf stehen, wenn es am Montag zum Prestigeduell gegen den 1. FC Union kommt. Und sieben Akteure werden nicht mal auf der Bank Platz nehmen, sondern müssen zuschauen. Und so gerieten zwei der Unzufriedenen rabiat aneinander: Zwischen Maik Franz und Pierre-Michel Lasogga eskalierte die Situation derart, dass Trainer Luhukay dazwischen ging, dass Spiel abbrach und ankündigte: „Dass lasse ich nicht durchgehen. Wir wollen vor dem Derby Feuer haben. Aber es kann nicht sein, dass sich die Spieler so bekämpfen, dass sie sich absichtlich verletzen. Ich werde mit beiden sprechen, das wird Konsequenzen haben.“

Lasogga (sieben Monate Pause) und Franz (vier Monate) kommen beide nach langen Verletzungspausen zurück. Lasogga ist seit Mitte Dezember im Trainingsbetrieb, Franz seit Jahresbeginn. Beide Profis sind betont ehrgeizig. Und beide sind unzufrieden, weil sie auch am Montag keine Kandidaten für die Anfangsformation sind. Gestern nun attackierte Lasogga Franz beim Spiel Drei-gegen-Drei auf kleinem Feld mehrfach hart. Irgendwann platzte Franz der Kragen, er lief auf Lasogga zu und packte ihm am Kragen: „Wenn du das noch mal machst, gibt’s was auf die Fresse.“ Wenig später im nächsten Duell hielt Lasogga Franz an der Trainingsjacke fest. Worauf sich Franz keine Minute später revanchierte, in dem er dem Ballführenden Lasogga mit gestreckten Beinen in die (schienbeinschonerlosen) Beine sprang. Da griff der Trainer ein. „Schluss, dieses Trainingsspiel ist zu Ende.“ Als fünf Minuten später die Teams mit dem nächsten Spiel an der Reihe waren, durfte Lasogga spielen. Der Trainer beschied jedoch Franz: „Maik, du bist draußen, du spielst heute nicht mehr.“

Luhukay findet grundsätzlich, dass ein guter Verteidiger wenig grätschen muss. Aber dass ein Spieler so wütend ist, dass er in Kauf nimmt, einen Kollegen mit einer „Blutgrätsche" zu verletzen, ist für ihn indiskutabel. „Das geht nicht.“ Schon mehrfach haben Mitspieler Lasogga bedeutet, es mit seinem Einsatz nicht zu übertreiben. Doch es gab am Freitag auch positive Nachrichten für Hertha. Peter Niemeyer meldete sich endgültig zurück. „Alles gut, ich bin wieder da“, sagte der Kapitän, nach überstandener Zehenprellung. Trainer Luhukay teilte mit, dass einem Einsatz von Rechtsverteidiger Peter Pekarik (drei Monate Pause nach Schulter-Operation) nichts mehr im Wege stehe. Und Peer Kluge absolvierte fünf Tage, nachdem bei ihm ein Bänderanriss am Sprunggelenk diagnostiziert worden war, wieder das Mannschaftstraining. „Keine Probleme, ich konnte normal trainieren“, sagte Kluge danach. Damit wird der 32-Jährige womöglich gegen den 1. FC Union am Montagabend dabei sein. Dann winkt Hertha durch das 1:1-Unentschieden des Tabellenführers Eintracht Braunschweig gegen den VfR Aalen am Freitagabend dank der besseren Tordifferenz bei einem Sieg sogar Platz eins.