Wintersport

Plötzlich kehrt die Lockerheit zurück

Maria Höfl-Riesch überrascht sich mit WM-Gold in der Super-Kombination selbst am meisten

Es war nur eine kleine Geste inmitten des einsetzenden Trubels, des In-die-Menge-Winkens, des Arme-in-die-Höhe-Reckens. Flüchtig fasste Maria Höfl-Riesch sich mit einer Hand an die lila Pudelmütze, und für einen Moment sah es dann doch so aus, als könne sie ihren Erfolg womöglich nicht fassen.

Gold in der Super-Kombination, dem zweiten Wettbewerb der alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Schladming – damit hätte zuletzt ja längst nicht jeder Fachmann gerechnet. Und die 28-Jährige selbst? „Klar, ich habe schon einmal WM-Gold gewonnen“, sagte sie, „ich hab’s immer wieder gesagt in letzter Zeit, wo es geheißen hat, mir fehlt der Biss, weil ich schon alles gewonnen habe. Das ist jetzt noch mal eine Steigerung, vor allem nach den vergangenen Wochen. Es ist ein richtiger Befreiungsschlag. Ich könnte glücklicher nicht sein.“

In einem spannenden, weil engen Wettkampf setzte sich Höfl-Riesch mit 0,46 Sekunden vor der slowenischen Super-G-Weltmeisterin Tina Maze und 1,00 Sekunden vor Niki Hosp durch, die mit Bronze die erste Medaille für Österreich bei der Heim-WM holte. „Dass ich Tina Maze hier schlagen kann, vor allem mit der Fahrt, und wenn man weiß, wie sie momentan drauf ist und mit einer Goldenen im Gepäck – das hätte ich nicht gedacht“, staunte Höfl-Riesch selbst. „Gold, das ist Wahnsinn. Wahnsinn.“

Die hochaufgeschossene Bayerin ist damit die erste Skirennläuferin, die nach Olympiagold in der Super-Kombination – bestehend aus einer Abfahrt und einem einzelnen Slalomlauf – auch den WM-Titel in dieser Disziplin gewinnt. „Maria war einfach besser“, lobte die Weltcupführende Maze. Sie selbst habe im Slalom „zu viel gebremst. Aber eine Silbermedaille ist trotzdem super“.

Mit der ersten Medaille in Schladming für den Deutschen Skiverband (DSV) hat Höfl-Riesch einmal mehr nachgewiesen, dass mit ihr bei Großereignissen seit vier Jahren stets zu rechnen ist – seien die Ergebnisse vorab auch noch so mau. In den vergangenen beiden Weltcup-Slaloms beispielsweise war die Olympiasiegerin jeweils vorzeitig ausgeschieden.

Warum sie nun am Freitag mit der zweitschnellsten Zeit einen wunderbar geschmeidigen Lauf auf die Piste zauberte, vermochte sie selbst nicht recht zu erklären: „Man hat einfach Tage – das habe ich in letzter Zeit sehr oft gesagt, manchmal als Entschuldigung, heute als Erklärung –, da geht’s leichter und Tage, da geht’s schwerer.“

Nun geht auch was in der Abfahrt

Eines war ihr aber klar vor der Super-Kombination: „Ich habe gewusst: Das ist vielleicht meine beste Chance auf eine Medaille heute. Ich war vom Kopf her locker genug drauf und habe die Nerven behalten. Ich bin einfach nur froh, dass es funktioniert hat und dass ich jetzt eine Goldene habe.“ Die zweite deutsche Starterin, die junge Veronique Hronek (21), wurde Zwölfte.

Knifflig ist die Super-Kombination für die Rennläuferinnen und Rennläufer vor allem deshalb, weil sie sich innerhalb weniger Stunden von den rund 2,15 Meter langen Abfahrtslatten am Morgen auf die rund 40 Zentimeter kürzeren Slalomskier am Nachmittag umstellen müssen. Das liegt längst nicht jeder Rennläuferin. Als langjährige Allrounderin ist eine wie Höfl-Riesch klar im Vorteil.

Dabei hat sie zuletzt „einfach wenig Zeit gehabt zum Slalomtraining“. Eine Erkrankung der Atemwege machte ihr noch kurz vor der WM zu schaffen, weswegen sie auch die Reise zum Parallelslalom in Moskau sausen ließ. Am Freitag verzichtete sie nach der Abfahrt klugerweise darauf, sich auf der offiziellen Einfahrpiste flink mit den Slalomskiern anzufreunden. Stattdessen fuhren Höfl-Riesch und ihre Trainer zu der einige Kilometer von Schladming entfernten Reiteralm, um ganz in Ruhe finale Schwünge zu proben. Heraus stellte sich: „Das war perfekt.“

Schon heute muss sie sich gleichwohl wieder die langen Skier unterschnallen, um 13.30 Uhr beginnt das letzte Training für die Spezialabfahrt. Sie findet Sonntag statt, und der Sieg in der Super-Kombination hat Höfl-Riesch neues Selbstbewusstsein eingeimpft. „In der Abfahrt hatte ich ein super Gefühl“, sagt die 28-Jährige. Nun dämmert ihr: „Nach dem Tag heute zähle ich in der Abfahrt sicher mehr zu den Favoritinnen als vor der WM. Ich habe mit der Goldmedaille meine Ziele erreicht, ich kann jetzt locker drauflosfahren. Vielleicht geht ja noch ein bisschen mehr...“