Personalien

Schicksalstage für Schalkes Trainer und Manager

Große Personalsorgen vor der Partie gegen den FC Bayern

– Dass den Schalkern derzeit der richtige Durchblick fehlt, behaupten Spötter schon länger. Zu trist waren die Auftritte der Mannschaft in den vergangenen Wochen. Da passt es ins Bild, dass nun auch noch der wertvollste Spieler im Kader ausfällt, weil die Sicht behindert ist. Stürmer Klaas-Jan Huntelaar plagt eine Augenverletzung, er soll derzeit auf dem linken Auge nur eine Sehkraft von 50 Prozent besitzen, nachdem eine Ader geplatzt ist. Huntelaar fehlt damit im Spitzenspiel bei Bayern München (Samstag, 18.30 Uhr, Sky) und vergrößert so die ohnehin schon riesigen Sorgen der Schalker. „Wir wissen im Moment nicht, wann Klaas-Jan wieder einsetzbar ist“, sagte Trainer Jens Keller. Dabei bräuchten sie einen Huntelaar in Bestform mehr denn je, denn nun stehen die schwierigen Auswärtspartien in München, Mainz und in der Champions League bei Galatasaray Istanbul an. Weitere Misserfolge würden nicht nur die Position des ohnehin schon stark angezählten Trainers Keller schwächen, sondern auch einen anderen prominenten Schalker in Erklärungsnöte bringen: Sportdirektor Horst Heldt (43).

Auch Manager Heldt unter Druck

Nie zuvor seit seinem Dienstbeginn im Juli 2010 waren die Zweifel an der Arbeit Heldts größer als in diesen Tagen. Vor Saisonbeginn hatte er bereits mit seinen Transfers gehörig danebengelegen und in Tranquillo Barnetta (Bayer Leverkusen), Chinedu Obasi (TSG 1899 Hoffenheim, gekauft nach Leihe zuvor) und Ibrahim Afellay (FC Barcelona) entweder nur Mitläufer oder äußerst verletzungsanfällige Spieler verpflichtet. Einzig der Ex-Mönchengladbacher Roman Neustädter schlug ein. Dann war es Heldt, der nach dem Rauswurf von Klubikone Huub Stevens Kumpel Keller als Nachfolger des glücklosen Niederländers durchdrückte. Keller hatte zuvor die B-Jugend-Mannschaft betreut und passt mit seinen zwar ehrlichen, aber auch blutleer wirkenden Auftritten ungefähr so gut zu Schalke wie Dortmunds Mittelfeldspieler Kevin Großkreutz. Zudem ist seine bisherige Bilanz seit seinem Start am 16. Dezember nahezu vernichtend: Erst das Pokal-Aus gegen Mainz, dann das 0:5-Debakel im Testspiel gegen die Bayern in Doha und schließlich zwei sieglose Spiele gegen die Bundesliga-Schlusslichter FC Augsburg und Greuther Fürth. Bereits acht Punkte trennen die Königsblauen von Platz drei, der die direkte Qualifikation für die Champions League bedeuten würde.

Nicht wenige behaupten daher, die nächsten drei Spiele würden auf Schalke über Kellers Schicksal entscheiden und auch das weitere Wirken von Heldt bei den Königsblauen beeinflussen. Auffallend oft macht sich Heldt daher für den von ihm installierten Trainer stark. „Wir werden mit Jens auf jeden Fall bis zum Saisonende arbeiten“, sagte er vor der Partie gegen Bayern. Es sei „sehr schade, dass er von Teilen der Öffentlichkeit keine Chance bekommen hat“, meinte Heldt.

Der angespannten Grundstimmung gilt es nun entgegenzuwirken. Heldt versucht sich daher vor dem schweren Auftritt in München in Zweckoptimismus: „Ich kann die Einstellung nicht teilen, dass wir dort ohnehin keine Chance haben“, so Heldt. „Wir sind in der Lage, alles zum Positiven zu drehen.“ Mithelfen müssen nun notgedrungen auch Profis, die zuletzt auf Schalke wenig bis gar nicht mehr im Fokus gestanden haben. Da Huntelaars Ersatzmann Ciprian Marica nach einer Meniskus-Operation in München und auch für die weiteren Aufgaben in Mainz und Istanbul ausfällt, sollen es die eigentlich schon aussortierten Teemu Pukki und Edu richten. Der Finne Pukki kam bislang auf sieben Ligaeinsätze in dieser Saison (ein Tor), der Brasilianer Edu kehrte während der Winterpause von einer Leihe aus Fürth zurück. Das eher zweitklassige Sturmduo wird es schwer haben, die Hoffnung auf eine rasche Besserung zu nähren.

Heldt möchte deshalb gar nicht über Vorgaben reden, es sei nicht der richtige Zeitpunkt, „über Saisonziele, sprich die Champions League, zu sprechen. Wir müssen sehen, dass wir kurzfristig wieder in die Erfolgsspur kommen“, sagte er. Er selbst darf sich zwar der Unterstützung von Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies sicher sein, der sich in den Führungsposition des Vereins Kontinuität wünscht. Aber ein Verfehlen der Europapokalplätze würde sicher nicht als vertrauensbildende Maßnahme für den noch bis 2016 gebundenen Sportdirektor herhalten.